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Miese Stimmung bei Burger King in Göttingen

Mitarbeiter berichten von Missständen Miese Stimmung bei Burger King in Göttingen

Schwere Vorwürfe  gegen den Burger-King-Restaurantbetreiber Bernd Leinemann und seinen Distrikt Manager.

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„Home of the Whopper“: Die von Bernd Leinemann betriebene Burger-King-Filiale am Göttinger Kaufpark wurde frisch renoviert und umgebaut.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Nach den Wallraff-Enthüllungen im TV rund um die Burgerkette berichten nun nach langem Schweigen auch ehemalige Leinemann-Mitarbeiter von Schikane und Mobbing, Hygienemängel, Leistungsdruck, unbezahlten Überstunden, Bezahlung unter Tarif, Manipulation von Bestellungen und einer Atmosphäre der Angst, auch hervorgerufen durch Mitarbeiterkontrollen mit Kameras.

Kevin R., ehemals Restaurantleiter in Leinemanns Burger-Imperium, erinnert sich: „Der Spardruck war enorm.“ Täglich habe es Vorgaben gegeben, wie viel Prozent vom Umsatz die Personalkosten ausmachen durften. „Zwölf Prozent“, so R., „sind Burger-King-Standard. Bei uns mussten die Personalprozente bei acht Prozent oder weniger liegen.“

Stundenlöhne seien willkürlich festgelegt worden. Mitarbeiter hätten für 6,38 Euro brutto gearbeitet. Unbezahlte Überstunden waren an der Tagesordnung. Er als Restaurantleiter habe 1800 Euro brutto verdient bei mindestens 60 Stunden in der Woche.

Aufgewärmt wieder in den Verkauf

„Wenn es in den Filialen nach altem Frittierfett riecht, hat das seinen Grund“, sagt R. Nicht gemäß Vorgabe alle zwei Tage sei es gewechselt worden: „Höchstens einmal in der Woche. Manchmal noch seltener.“

Burger, die etwa am Ende des Tages, nicht rechtzeitig verkauft wurden, seien entgegen der Burger-King-Richtlinie „auf Druck von oben“ am nächsten Tag aufgewärmt wieder in den Verkauf gegangen. Bei Salaten, die nach Vorschrift hätten weggeworfen werden müssen, sei einfach das Etikett ausgewechselt worden.

Um mehr Geld einzusparen, habe es Vorgaben des Distriktmanagers an die Restaurantleitung gegeben, Waren besser im Großhandel oder beim Discounter zu kaufen, statt beim teuren Burger-King-Lieferanten zu beziehen. Bei monatlichen Meetings habe man sich dann für seine Zahlen rechtfertigen müssen.

Häufig doppelt und dreifach berechnet

Dass häufig Kassendisplays anscheinend defekt sind oder Kassenbons nicht ausgegeben werden können, hat Methode, so R. So könne der Kunde schlechter den Rechnungsbetrag überprüfen. R. berichtet, dass Zusatzverkäufe zum Burger, Extra-Käse und Schinken, häufig doppelt und dreifach berechnet worden seien.

„Das war eine klare Aufforderung zum Betrug. Man hofft auf die Dummheit der Kunden.“ Auch habe es die, wie stets nur mündliche Vorgabe gegeben, die Drive-In-Kasse auch für die Waren, die im Restaurant verzehrt werden, zu nutzen.

Das ermöglicht, statt der 19 Prozent Mehrwertsteuer für den In-Haus-Verzehr den vergünstigten Satz von nur sieben Prozent zu berechnen. „Da bleibt mehr Gewinn in der Kasse übrig“, sagt R.

„Schimmel im Brot“ und „miese Behandlung“

Eine langjährige Leinemann-Mitarbeiterin bestätigt die Aussagen R. Sie will anonym bleiben. Eine andere, erst kürzlich ausgeschiedene Mitarbeiterin berichtet ebenfalls von „mieser Behandlung“, nicht eingehaltenen Mindesthaltbarkeitsdaten und verschimmeltem Brot in den Restaurants.

Leinemann betreibt elf Burger-King-Restaurants mit 350 Beschäftigten – darunter die drei Filialen am Kaufpark, Bahnhof und in Weende sowie die Filiale am Autohof Northeim. Gegenüber dem Tageblatt weist er die Anschuldigungen zurück.

Als Mitglied des Bundesverbandes der Systemgastronomie (BDS) bezahle er die Mitarbeiter nach „geltendem Tarif“. Danach liegt der West-Stundenlohn für einfachste Tätigkeiten bei derzeit 7,71 Euro, der Bruttolohn eines Filialleiters bei mindestens 2459 Euro. Die Personalplanung basiere auf Erfahrungswerten und sei „bedarfsgerecht“.

50 spezifische Vorschriften

Leinemann beteuert weiter: „Wir beziehen keine Produkte aus anderen Quellen.“ Es würden ausschließlich Waren von Lieferanten bezogen, die durch Burger King zertifiziert und definiert seien. 50 spezifische Vorschriften regelten in den Restaurants die Reinigung und Wartung der Restaurantbereiche.

Leinemann gibt an, dass die Sicherheitskameras nicht der „dauerhaften und generellen Überwachung von Mitarbeitern dienen“, auch seien sie nicht „speziell auf Mitarbeiter ausgerichtet“. Anfragen zu umetikettierten Waren, altem Frittierfett und Manipulationen bei den Zusatzverkäufen lässt er unbeantwortet.

Mit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Leinemann hat sich die Münchener Burger-King-Zentrale „umgehend“ mit ihm in Verbindung gesetzt. Sie weist darauf hin, dass R. seit mehr als drei Jahren nicht mehr bei ihm beschäftigt ist.

Jährliche Kontrolle

Die Münchener Zentrale verweist auf Leinemanns Zugehörigkeit zum BDS. Folglich würden Mitarbeiter nach geltendem Tarif entlohnt, Bestandteil seien auch Regelungen zu Urlaubs- und Weihnachtsgeld, heißt er wortgleich zu Leinemanns Stellungnahme.

Das Veterinär- und Verbraucherschutzamt des Landkreises hat zwischen Oktober und März vier Burger-King-Filialen kontrolliert: die drei Leinemann-Filialen sowie die Filiale in der A-7-Raststätte. „Es gab lediglich geringfügige Beanstandungen“, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann.

Etwa nicht beseitigte Transportkartons oder eine fehlende Deckenabdeckung. Die Filialen würden einmal pro Jahr kontrolliert. Gäbe es Anhaltspunkte für Mängel, würden diese Prüfintervalle verkürzt. „Dafür gibt es aktuell jedoch keinen Anlass“, sagt Lottmann.

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Nach dem RTL-Bericht von Günter Wallraff über schwere Hygienemängel bei Burger King hat die Fast-Food-Kette Konsequenzen gezogen: Mehrere Filialen wurden geschlossen, zudem musste ein Geschäftsführer des betroffenen Franchisenehmers gehen.

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