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Frau droht: Staatsanwälte sollen hängen

Verfahren eingestellt Frau droht: Staatsanwälte sollen hängen

„Jeden Augenblick droht das Gefängnis wegen meiner Freiheitsmeinung.“ Das schreibt eine 52 Jahre alte Northeimerin dem Tageblatt, verbunden mit der dringenden Bitte: „Helfen Sie mir, wir leben nicht in SS-Zeit.“ Ihr abschließendes „Danke“ ist eingerahmt in ein neckisches Herzchen. Kann so ein Mensch gefährlich werden?

Ja, entschied am 27. Oktober das Amtsgericht Northeim und verhängte gegen die 52-Jährige einen Strafbefehl wegen Bedrohung. Sie habe, so heißt es darin, gedroht, „die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft aufzuhängen“. 300 Tagessätze zu je zehn Euro, samt Kosten also 363,50 Euro, sollte die Northeimerin als Strafe zahlen.

Was war geschehen? Wegen einer harmlosen Überzahlung ihrer Sozialbezüge hatte die Ermittlungsbehörde sie im August angeschrieben und zur Rückzahlung aufgefordert. Ihre Antwort fiel barsch aus: „Alle Beamten sind viel und Betrüger“, schrieb sie in einem schwer verständlichen Brief. „Durch die Regierung mache ich euch Staatsanwaltschaft alle“, verkündete sie und gipfelte mit der Ankündigung: „Dann bin ich dran Euch aufhängen.“
Zur Verstärkung der Drohung malte die Dame ein Bildchen, das einen Baum zeigt, an dem kleine Strichmännchen hängen. Einer davon ist mit dem Namensschild „S.A. Göttingen“ versehen – gemeint ist vermutlich ein Staatsanwalt. Weil sie einer Vorladung bei der Polizei nicht nachkam, beantragte die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl ohne weitere Aufklärung. Das Amtsgericht Northeim erließ ihn.

Poetische Post an Richter

Doch inzwischen sind alle Beteiligten anderer Meinung. Die Frau reagierte nämlich mit neuerlichen Briefen – ans Tageblatt, an den Richter und auch wieder an die Staatsanwaltschaft. Neben dem neuerlichen Bildchen, an dem diesmal auch Strichmännchen mit Namen „S. A. UDSSR“ und „S. A. Asien“ baumeln, informiert ein wirrer Text über alles Unrecht dieser Welt, das nur sie treffe. So „kämpfe ich dagegen, doch stehe ich auf dem Berg allein, der Wind nimmt meine Stimme ins Echo zum Horizont mit, aber auf der Erde bleibt dagegen ein schweigender Wald“ heißt es poetisch.

Ob der Text zu wirr war oder ob er zu sehr zu Herzen ging? Der Richter bat in dieser Woche, nachdem auch das Tageblatt angefragt hatte, die Staatsanwaltschaft um Zustimmung, das ganze Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen. Wer solche Briefe schreibt, von dem müsse man sich nicht ernsthaft bedroht fühlen, bestätigte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner auf Anfrage: Verfahren eingestellt. Zumindest juristisch dürfte der Fall damit hinreichend behandelt worden sein.

Von Jürgen Gückel

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