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Hasch und Heroin als Therapie

Verurteilt wegen Drogenbesitz Hasch und Heroin als Therapie

Im April 2015 hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung beachtliche Mengen Drogen gefunden: Amphetamine, Marihuana und ein stark gestrecktes Heroingemisch. Am Mittwoch saß die mutmaßliche Drogenhändlerin vor dem Amtsrichter und erhielt eine milde Strafe.

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Quelle: dpa

Göttingen. Im April 2015 hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung beachtliche Mengen Drogen gefunden: Amphetamine, Marihuana und ein stark gestrecktes Heroingemisch. Am Mittwoch saß die mutmaßliche Drogenhändlerin vor dem Schöffengericht und erhielt eine milde Strafe.

Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal an Krücken – die 49-Jährige ist sichtbar angeschlagen. Ihr Anwalt nennt ihren Zustand „gesundheitlich stark eingeschränkt“ und präsentiert eine umfangreiche Sammlung von Krankenakten. Die Frührentnerin leide an Epilepsie, Hepatitis B und C, Depression und habe seit 2009 mehrere Operationen an der Hüfte hinter sich. Dabei habe sie sich zweimal einen Keim eingefangen und über Wochen im Klinikum behandelt werden müssen. Seither leide sie unter starken Schmerzen und versuche, von 600 Euro im Monat zu überleben.

Und so klingt ihre Einlassung fast glaubwürdig: Danach hatte sie die Drogen im April 2015 erworben, um sich damit selbst zu therapieren. Sie habe die andauernden Schmerzen nicht mehr anders ertragen können, ließ die ehemaligen Rechtsanwaltsgehilfin ihren Pflichtverteidiger verlesen. Zudem habe sie die Depression so besser kontrollieren können. 37 Gramm Marihuana, 131 Gramm Heroingemisch und Amphetamine hatten die Ermittler damals beschlagnahmt.

Eine nicht unerhebliche Menge nennt das der Jurist und geht in solchen Fällen eigentlich von Drogenhandel aus. So hatte es die Göttinger Staatsanwaltschaft auch in diesem Fall getan. Zumal zusätzlich noch 500 Euro Bargeld und zwei Feinwaagen in der Wohnung der 49-Jährigen gefunden wurden. Aber für all diese eigentlich belastenden Indizien hat die Angeklagte eine Erklärung. Die große Menge ergebe sich daraus, dass sie so einen besseren Preis habe erzielen können. Das Geld dafür hatte sie sich von Familieangehörigen geliehen. Allerdings seien die mittlerweile alle gestorben.

Das damals gefundene Bargeld seien keine Einnahmen aus Drogengeschäften sondern die Haushaltskasse ihrer damaligen Wohngemeinschaft gewesen. Und die zwei Messegeräte habe sie benötigt, um den eigenen Bedarf zu kontrollieren. Und keinesfalls, um damit kleinere Portionen für den Verkauf abzuwiegen. Während dieser Schilderung ist ihre Stimme tränenerstickt, sie wirkt zerbrechlich.

Gericht und Staatsanwaltschaft halten schließlich den Verdacht des Drogenhandels für schwer belegbar und verzichten auf einen endgültigen Nachweis. Zudem sei das Geständnis zu Gunsten der Angeklagten zu werten. Allerdings spricht der Blick ins Bundeszentralregister deutlich gegen sie: fünf einschlägige Vorstrafen. Das Verfahren endet mit einem flammenden Plädoyer des Verteidigers für die Entkriminalisierung von Drogen und einem milden Urteil: 14 Monaten auf Bewährung und 1800 Euro an die Staatskasse.

Von Markus Scharf

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