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Frauenschutzwohnung schon geräumt

Helfer geben auf Frauenschutzwohnung schon geräumt

Am Ende konnten wir einfach nicht mehr“, gibt Barbara Jankoswki offen zu. Sieben Jahre lang unterhielt sie zusammen mit anderen Ehrenamtlichen die Frauenschutzwohnung in Hann. Münden.

„In den vergangenen zwölf Monaten machten die Frauen immer wieder auf ihre Überlastung aufmerksam. Doch erst als sie die Wohnung aufgegeben hatten, wollten plötzlich alle helfen. Sogar Sponsoren meldeten sich. Überrascht von der Resonanz hat der Verein seine geplante Auflösung erst einmal gestoppt. Wie es weiter geht, wollen die Beteiligten am Donnerstag, 7. Oktober, um 18 Uhr im Foyer des Geschwister-Scholl-Hauses, Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 2, an einem Runden Tisch besprechen.

Eines stellt Jankowski jedoch klar: Die Ehrenamtlichen, die die Arbeit bisher geleistet haben, treten nicht noch einmal an. Sie seien aber bereit, neue Leute einzuarbeiten. „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es ohne eine hauptamtliche Beschäftigte nicht geht“, sagt der reformierte Pastor Ernst-Ulrich Göttges, der ebenfalls ehrenamtlich mitarbeitete. 25 000 Euro kostet eine Stelle im Jahr, so Göttges.
Nur eine Wohnung anzumieten, reiche nicht, betont auch Jankonwski. Frauen, die vor Gewalt fliehen, haben Schreckliches erlebt. Sie benötigten psychologische Betreuung. Oft quäle sie Scham und sie fühlten sich wie gelähmt. Meist hängen sie noch an dem Mann, der sie geschlagen hat. Jankowski berichtet von einer Frau, die über die Jahre vier mal in der Mündener Wohnung Zuflucht gesucht habe, bis sie sich endlich von ihrem Gatten trennte.
Hinzu komme die Angst. Eine Frau habe sich mehrere Wochen nicht aus der Schutzwohnung getraut, wo sie mit ihren drei kleinen Kindern lebte. Die Helferinnen mussten die Einkäufe übernehmen. Psychische Probleme hätten in der Regel auch die Kinder aus solchen Beziehungen. Zum Teil würden sie Schule auffällig. Laien kämen da schnell an ihre Grenzen, so Jankowski.

Ein anderes Problem seien die Finanzen. Finanziell abgesicherte Gewaltopfer wüssten sich meist selbst zu helfen. „Bei uns haben vor allem Frauen Schutz gesucht, die wirtschaftlich schlecht dastanden“, sagt Jankowski. So mussten die Mündener die Bewohnerinnen der Schutzwohnung zum Sozialamt, zur Schuldnerberatung und zum Anwalt begleiten und organisierten Kleidung und besorgten Möbel für die neue Wohnung. Um alle diese Aufgaben zu bewältigen brauche auch eine Hauptamtliche einen ehrenamtlichen Unterstützerkreis, findet Jankowski.

Die Initiative in Münden bestand anfangs aus sieben Personen. Jeder brachte sich mit seinen Kompetenzen ein. Zudem baute sich der Kreis ein Netzwerk von Partnern auf, die bei speziellen Fragen hinzugezogen wurden. Der Kreis der sieben Helfer schmolz jedoch im Laufe der Jahre aufgrund von Umzügen oder höherer beruflicher Belastung zusammen. Am Ende teilten sich zwei Personen die Arbeit. Sie können nun nicht mehr. Gewaltopfer gibt es jedoch noch immer. „Die Wohnung war über die Jahre kontinuierlich zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet“, sagt Göttges.

Von Michael Caspar

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