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Freispruch im Prozess um Kriegswaffen aus Katlenburg-Lindau

Riesiges Arsenal von Granaten, Revolvern und auch Haschisch Freispruch im Prozess um Kriegswaffen aus Katlenburg-Lindau

Kleiner Verdacht, riesiger Fund, späte und für die Ermittler sicher unbefriedigende Aufarbeitung: Die Sicherstellung eines  gewaltigen Arsenals von Kriegswaffen  und Haschisch hat zweieinhalb Jahre nach einer Hausdurchsuchung in Katlenburg-Lindau am Donnerstag ein Ende gefunden – mit einem Freispruch für den 33 Jahre alten Angeklagten.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Northeim/Katlenburg-Lindau. „Das Wichtigste ist“, tröstete Richter Arno Cardinal am Ende, „dass diese Menge an furchteinflößenden Waffen aus dem Verkehr gezogen ist.“

Am Anfang hatte es nur einen vagen Hinweis gegeben, dass in einem Haus in Lindau Waffen versteckt sein sollen. Die Polizei Northeim rückte am 12. Juli 2011 morgens um 6 Uhr mit zwei Diensthunden an: einer auf Waffen und Sprengstoff, der andere auf Drogen spezialisiert.

Quer über den Hinterhof in einer Scheune gab es eine unordentliche Werkstatt. Auch die wurde durchsucht. Sein Hund, so ein Diensthundeführer, habe mehrfach angeschlagen: gleich am Eingang an einem Schrotthaufen, unter einer Werkbank, vor einem Stapel Kisten, später im Wohnzimmer noch einmal.

Waffen und Drogen

Gefunden wurde in der Werkstatt dies: zwei Sprenggranaten von 20 Millimetern Durchmesser, geeignet für Bordgeschütze von Panzern der Wehrmacht, eine Brandsprenggranate, eine weitere Panzergranate, eine geladene Luger-Pistole mit Munition, eine Sauer Pistole, ein SA-Revolver vom Kaliber 357 Magnum.

Dazu jede Menge Militärmunition, weitere Waffenteile, Schwarzpulver aus Patronen oder Feuerwerkskörpern, ein Knallblitz-Simulator und  überraschend zwischen all dem Kriegswerkzeug auch noch eine Platte mit 56,4 Gramm Haschisch. Unterdessen fanden weitere Beamte im Wohnzimmer, das der Angeklagte mit seiner Mutter bewohnt haben soll, einen großkalibrigen Colt der US-Armee sowie in der Hosentasche des Angeklagten einen Klumpen Haschisch.

So klar schien der sensationelle Fund den 33-Jährigen zu belasten, dass einiges Erforderliche zur Beweissicherung nicht gemacht wurde. Es sei „offensichtlich im Rahmen der Ermittlungen geschlampt worden“, formulierte es Verteidiger Olaf Wiesemann. Es gibt keine Fotos der Waffen, keine der Fundorte, keine Skizzen zur Auffindesituation.

Staatsanwalt beantragt Freispruch

Dreimal musste der Prozess vor dem Amtsgericht begonnen werden, zweimal wurde er abgebrochen, um nachzuermitteln. Weder fanden sich Fingerabdrücke an der Haschisch-Platte, noch war das in der Hosentasche gefundene Haschisch von gleicher Qualität wie die Platte.

Der Angeklagte gibt zwar zu, 7,7 Gramm besessen zu haben. Von Waffen und der Platte will er nichts gewusst haben. Seinen Vater kann man nicht befragen, der ist 2007 gestorben. Dass kein Nachbar glaubt, der Verstorbene könne jemals Waffen gesammelt haben, der Sohn aber sei Sportschütze, ist vor Gericht kein Beweis.

Alles sei so versteckt gewesen, dass es möglich sei, dass der 33-Jährige wirklich nicht davon gewusst habe, sagte der Richter. Der Fund sei ihm nicht zwingend zuzuordnen. Deshalb musste selbst der Staatsanwalt Freispruch beantragen – das Gericht folgte dem Antrag.

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