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„Hält uns in Atem“

Krätze in Flüchtlingsunterkunft „Hält uns in Atem“

In der Flüchtlingsunterkunft der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB) in Wollershausen sind aktuell fünf Fälle von Krätze bekanntgeworden. Die Unterkunftsleitung ist damit beschäftigt, eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

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Die Krätze wird durch Milben verursacht und ist eine weltweit auftretende Krankheit.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Wollershausen. Bekannt wurden die Fälle, als sich das Paar Masoud Hosieni und Sudabeh Sakeri in einem offenen Brief an den Landkreis wandte, in dem sie auf ihre Situation hinwiesen. Anfang Oktober seien sie von der Erstaufnahmeeinrichtung in Bad Fallingbostel, wo sich die schwangere Frau mit Krätze angesteckt habe, nach Wollershausen gekommen. Dort habe man den Heimbetreiber mehrfach auf die Situation hingewiesen, „aber leider sind unsere Probleme ignoriert worden“.

Vor zwei Wochen erfolgte die Geburt des Kindes. Am Freitag, 6. Januar, wurde die Familie in die Universitätsmedizin gebracht und unter Quarantäne behandelt. Seit Dienstag, 10. Januar, sind sie wieder in Wollershausen. Sie baten den Landkreis, „nicht mehr in die große Flüchtlingsunterkunft“ zurückgehen zu müssen, da sie ihre und die Gesundheit des Kindes gefährdet sehen.

Peter Niebuer, Leiter der Flüchtlingsunterkunft in Wollershausen, bestätigt, dass die Familie das Problem schnell gemeldet hat und auch, dass es inzwischen zwei weitere Krätze-Verdachtsfälle in der Unterkunft gibt. Den Vorwurf, die Probleme ignoriert zu haben, lässt er jedoch nicht gelten. „Wir haben insgesamt fünf Ärzte eingebunden, darunter zwei Hautärzte. Beiden haben keine Krätze diagnostiziert.“ Stattdessen sei man von Hautirritationen aufgrund der Schwangerschaft und psychosomatischen Ursachen ausgegangen. „Gerade um diese Familie haben wir uns besonders stark gekümmert.“

Nach der Rückkehr aus dem Klinikum ist die Familie jetzt in Wollershausen für die nächsten zwei Wochen in einer „Isolationswohnung“ mit eigenem Bad und Küche untergebracht. Die Medikamente schlagen an. Ihr alter Raum wird derzeit desinfiziert und für einige Tage unter Quarantäne gestellt. Die beiden weiteren Krätze-Verdachtsfälle würden derzeit geprüft, so Niebuer. „Seit einer Woche ist das hier das bestimmende Thema und es hält uns etwas in Atem.“

„Wir müssen darauf achten, dass wir keine Ausbreitung bekommen“, sagt Niebuer. Wäsche werde durchgewaschen, Matratzen gereinigt und desinfiziert; hinzu komme die Behandlung der Betroffenen. „Bei einem normalen Verlauf ist das Thema in wenigen Tagen durch.“ Krätze sei „lästig“, aber ein Gemeinschaftsunterkünfte sei das immer wieder mal ein Thema.

Was ist Krätze?

Die Krätze wird durch Milben verursacht und ist eine weltweit auftretende Krankheit. Diese Milben „graben“ in den oberen Hautschichten Gänge, in denen sie leben, sich vermehren und Exkremente hinterlassen. Krätze erzeugt starken Juckreiz, Entzündungen und kann auch Folgeinfektionen begünstigen. „Der Leidensdruck kann erheblich sein“, sagt Prof. Michael Schön, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen. „Manchmal bleiben Ekzeme auch nach erfolgreicher Behandlung der Milben bestehen und belasten die Patienten.“

Die Milben können bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchte zwei bis vier Tage außerhalb des menschlichen Körpers überleben, die Ansteckung geschieht durch Körperkontakt mit befallenen Personen oder kontaminierten Gegenständen. „Daher treten manchmal kleine ‚Epidemien‘ in Familien, Heimen, Schulen etc. auf“, so Schön. „Besonders anfällig sind daher Situationen, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen.“

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