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Fünffache Mutter: Haftstrafe statt Bewährung

Gericht Fünffache Mutter: Haftstrafe statt Bewährung

Die 28-jährige Mutter von fünf Kindern, die des Warenkreditbetrugs angeklagt war (Tageblatt berichtete), ist vom Amtsgericht Göttingen zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.

Ihr Ehemann kam günstiger davon: Er wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der Ehemann ist im Gegensatz zu seiner Frau nicht vorbestraft, deshalb fällt seine Strafe geringer aus. Beide haben sich des vollendeten und versuchten Betruges schuldig gemacht.

Zwar konnte im Verfahren nicht genau festgestellt werden, wer von den Eheleuten die Bestellungen vornahm – der Computer, mit dem die Waren über das Internet bestellt wurden, stand auf dem Flur –, jedoch gingen Staatsanwalt und Richter davon aus, dass der Mann an den Taten mitgewirkt habe. Der Richter sah es als erwiesen an, dass beide „gemeinschaftlich und gewerbsmäßig“ betrogen haben. Dabei hatten sie unter der Angabe von Alias-Namen und c/o-Adressen Waren von Babybrei bis zur Bademode per Rechnung bestellt, die nicht bezahlt wurden.

Bewährungsversagen

Allerdings konnten von den 113 angeklagten Fällen nur 44 nachgewiesen werden. Etliche mussten fallengelassen werden, da es sich um Doppelanklagen handelte oder nicht geklärt werden konnte, ob die Bestellungen tatsächlich angenommen wurden. Verhängnisvoll für die Frau war, dass sie wegen früherer Betrugsdelikte auf Bewährung war. Besonders schwerwiegend: Nur zwei Tage nach ihrer Verurteilung im Sommer 2006 begann sie mit den betrügerischen Bestellungen. „Ein krasseres Beispiel für Bewährungsversagen ist kaum möglich“, urteilte der Richter.

Der Anwalt der Mutter sah ihr Verhalten jedoch als ein Indiz für das zwanghafte Handeln der Angeklagten. Vom einem Gerichtspsychologen wurde jedoch keinerlei Kaufsucht bei ihr festgestellt.

Die Verteidigung hatte aufgrund der familiären Situation – die fünf Kinder des Ehepaares leben seit der Inhaftierung der Mutter in Pflegefamilien –, und weil nicht beleuchtet werden konnte, wer die Bestellungen vornahm, dafür plädiert, die Angeklagte zu einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen. Darüber hinaus sprach der Anwalt den Versandhäusern eine Mitschuld zu, da man dort bestellen könne, „bis der Arzt kommt“.

Der Ehemann ließ über seinen Anwalt verlauten, dass er „empört über die Berichte des Jugendamtes ist“, da diese den „fälschlichen Eindruck“ erweckten, die Kinder des Paares seien vernachlässigt worden. Sein Anwalt plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, da der Vater über wenig kriminelle Energie verfüge und daher auch keine weiteren Taten ausführen werde. Dieser Einschätzung schloss sich der Richter nicht an.

Von Corinna Berghahn

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