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Fukushima, Grohnde, Tokio, Göttingen

Wochenendkolumne Fukushima, Grohnde, Tokio, Göttingen

Seit acht Tagen beherrscht die Erdbeben-Katastrophe in Japan mit ihren bedrohlichen Folgen die Medienöffentlichkeit in aller Welt. Doch nicht nur das. Sie beherrscht das Denken, Handeln und Fühlen der Menschen.

Und so fällt es rückblickend auf diese Woche schwer, die Aufmerksamkeit von Sendai, Tokio und Fukushima abzulenken. Dabei werden es nicht die stetig nach oben korrigierten Opferzahlen und auch nicht die immer neuen Bilder der Zerstörung sein, die den medienerfahrenen Bürger wirklich erschrecken. Um dem Zyniker das Wort zu erteilen: Das alles lässt sich mit der nächsten großen Überschrift relativ gründlich aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängen.
Was vermutlich länger bleiben wird, ist die unsichtbare Angst vor atomarer Bedrohung. Und so überlagert hierzulande die Atom-Debatte schon jetzt Betroffenheit und Anteilnahme. So auch in der Region. Neben Bittgottesdiensten und Mahnwachen für die Opfer (von denen am Wochenende zahlreiche geplant sind) häufen sich Demonstrationen und Kundgebungen der Atomkraftgegner (ebenfalls am Wochenende). Noch etwas verschämt schweift der besorgte Blick von Fukushima nach Grohnde (65 Kilometer vor den Toren Göttingens gelegenes AKW). Erdbeben sind in diesem Teil der Erde eher unwahrscheinlich, aber: Es könnte auch uns treffen, wenn Unglücksfall und Windrichtung stimmen.
Das befürchtet zumindest auch die Göttinger SPD-Ratsfraktion und richtet daher umgehend eine Anfrage zur Notfallplanung beim Störfall eines Atomkraftwerks an die Stadtverwaltung. CDU, FDP, Grüne und Linke reagieren ebenfalls mit parteipolitischen Reflexen, indem sie den Atom-Ausstieg herbeisehnen oder die Laufzeitverlängerung im Sinne des Merkel-Moratoriums innerhalb der nächsten drei Monate gründlich überprüft sehen wollen. Doch damit hat es sich auch, ist eigentlich auch kein kommunalpolitisches Thema und wir wählen zudem erst im September. Da ist das Moratorium längst vorüber und vermutlich weder Fukushima noch Grohnde auf Seite eins.
Ist all das verwerflich? Nein. Zynisch? Aus Sicht der jetzt Betroffenen vermutlich schon. Jeder versucht auf seine Art, mit der durch die Medien nahezu im Minutentakt mitverfolgte Katastrophe umzugehen. Die einen helfen, andere beten und wieder andere machen eben Politik.

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