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„Fußballfans sind keine Verbrecher“

Sportwetten „Fußballfans sind keine Verbrecher“

Von draußen ist nichts zu erkennen. Die Fenster des Sportwettbüros sind abgeklebt, nur hin und wieder tauchen Köpfe und Füße ober- und unterhalb dieser optischen Bannmeile auf, die verdeutlichen: Hier verkehren tatsächlich Menschen.

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Undurchsichtig: Blick auf die Front eines Göttinger Sportwettenanbieters.

Quelle: Mischke

Drinnen ist es am Nachmittag noch ruhig. Nur wenige Wetter beschäftigen sich mit ihren Tipps für die kommenden Spiele, obwohl der Wetttag theoretisch schon am Morgen mit den Spielen der Qualifikation zur U-17-Fußball-Europameisterschaft begonnen hat. Spartanisch die Einrichtung: einige einfache Tische und Stühle, an den Wänden große Flachbildschirme mit Sportübertragungen, für die Betätigung zwischendurch ein paar Glücksspielautomaten.

Schlupflöcher im System

In der Mitte eine große freie Fläche – eine Art Loch, das sich auch symbolisch sehen lässt: Dorthin fließt das Geld der Spieler. Daneben der Tresen, an dem die abgegebenen Wetten in das Computersystem eingespeist werden. Denn alle Göttinger Buchmacher sind Franchise­nehmer, die das Recht auf Nutzung des Namens und der Infrastruktur des Konzessionsgebers erworben haben (siehe Infokasten). Die Organisation eines Wettbetriebs, der täglich dutzende Spiele verschiedener Sportarten auf der ganzen Welt im Programm hat, erfordert gewisse Ressourcen. Noch hat man hier Muße: Die Dame am Schalter erklärt dem Laien gerne ausführlich, wie das mit dem Wetten eigentlich funktioniert.

Ganz klar wird das System, bei dem auf den Ausgang eines Spiels, bestimmte Ergebnisse oder andere Konstellationen gewettet werden kann, jedoch nicht. So viel erschließt sich sofort: Der Unterschied zum staatlichen, monopolisierten Spielbetrieb liegt in den Quoten. Die nämlich sind in den Zockerhallen wesentlich besser, wie anhand der ausliegenden, sorgsam gehefteten Spieltagsübersichten klar wird.

Gegen Abend in einem anderen Wettbüro in der Göttinger Innenstadt zeigt sich ein ähnliches, nur belebteres Bild. Die Luft ist geschwängert vom Zigarettenrauch der zehn Männer, von denen ein großer Teil an den wiederum einfachen Tischen sitzt, fast wie in einem Vereinsheim. Dazu gibt es Bier. In der einen Ecke steht ein Automat für Erfrischungsgetränke, in der anderen ein aufblasbarer schwarz-weißer Fußballsessel, an den Wänden hängen die obligatorischen Bildschirme. Eine Gruppe von Mittvierzigern schaut gemütlich ein Spiel der türkischen ersten Liga. Später kommen noch zwei Jugendliche dazu, greifen sich einen Zettel mit Wettquoten und nehmen Platz.

Der Quotenbildschirm ist der Anziehungspunkt für die echten Spieler. Während die Partien in der Ukraine, Italien oder der fünftklassigen Bayernliga über die Bühne gehen, werden schnell neue Scheine ausgefüllt, auf das nächste Tor, den nächsten Schützen oder ein kommendes Spiel gesetzt. An der Feuertür neben dem Monitor pappt ein Aufkleber, auf dem zu lesen ist: „Fußballfans sind keine Verbrecher“.

Von Erik Westermann

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