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13 Drogentote in einem Jahr in Göttingen

Gedenktag 13 Drogentote in einem Jahr in Göttingen

Seit 1998 gibt es den nationalen Drogentotengedenktag, bei dem an die an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorbenen Menschen erinnert wird. In Göttingen waren das in einem Jahr 13 ehemalige Klienten des Kontaktladens „Wallstreet“, berichtet Sozialarbeiterin Corinna Hilke.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „Wir haben von 21. Juli 2016 bis 20. Juli 2017 insgesamt 13 Personen verloren“, bilanziert Hilke, die mit einem Kollegen suchtbegleitend für Drogenabhängige und deren Angehörigen im Kontaktladen an der Mauerstraße tätig ist. Dieser ist wiederum der Drogenberatungsstelle Göttingen angegliedert. Beide Einrichtungen gehören zum Diakonieverband Göttingen. Zehn der 13 Göttinger Drogentoten sind Männer, so Hilke. Überhaupt seien fast Dreiviertel der Klienten im Kontaktladen Männer.

Der älteste der an den Folgen seines Drogenkonsums gestorbenen Göttinger war 57 Jahre alt, der jüngste 33, sagt die Sozialarbeiterin. Der 33-Jährige sei erstmals im Alter von 16 in der Drogenberatung vorstellig geworden. „Ihn haben wir schon länger begleitet“, ergänzt Hilke mit Blick auf dessen lange Drogenkarriere.

Längst nicht alle der 13 Drogentoten seien an einer Überdosis gestorben, sagt die Sozialarbeiterin. Oftmals seien auch die Spätfolgen langjährigen Drogenkonsums wie Leberkrankheiten oder schwere Lungenerkrankungen die Ursachen.

„Die seit drei Jahren anhaltend hohe Sterblichkeit der Besucher des Kontaktladens hat im Jahr 2016 leider einen neuen Höchststand erreicht“, heißt es im Jahresbericht der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonieverbands Göttingen. Damit liege Göttingen im Bundestrend, wo ebenfalls seit 2012 steigende Zahlen von Drogentoten registriert würden, so Hilke. Der größte Anstieg habe von 2014 auf 2015 etwa 20 Prozent betragen.

In Göttingen sei 2014/2015 ein ganz besonderes Phänomen zu beobachten gewesen, erinnert sich die Sozialarbeiterin: „Flex“ war die heimtückiche wie billige Substanz Methylendeoxipyrovaleron (MDPV), die zu jener Zeit Polizei und Drogenberatern Sorgen bereitete. „Das wird immer noch konsumiert“, so Hilke, „aber es ist Gott sei Dank deutlich weniger geworden“.

Der intravenöse Drogenkonsum scheint in Göttingen rückläufig zu sein. Darauf deute hin, dass im Vergleich von 2010 zu 2016 die Zahl der Klienten im Kontaktladen sinke, die dort ihre Spritzen tauschen, erläutert die Sozialarbeiterin. So seien in den vergangenen sechs Jahren 43,2 Prozent weniger Kanülen und Nadeln getauscht worden. „Aber es waren immerhin noch 11854 Spritzensets“, so Hilke.

Die ältere Generation der Drogensüchtigen, die Heroin konsumierten, greife immer mehr auf Medikamente zurück, berichtet Hilke. Sie vermutet, dass sich diese Klienten aufgrund ihres gestiegenen Alters und von Belastungen durch Krankheit dem Druck der Szene nicht mehr aussetzen wollten.

Drogenberatung und Kontaktladen wollen gemeinsam mit der Göttinger Aids-Hilfe am Freitag, 21. Juli, von 10 bis 14 Uhr in der Göttinger Innenstadt am Markt rund um das Thema Drogen informieren und Freunden und Angehörigen aus Anlass des Drogentotengedenktags mit einer Luftballonaktion Gelegenheit geben, an die Verstorbenen zu erinnern.

Außerdem, so kündigt Hilke weiter an, soll über die Idee informiert werden, in Göttingen einen Spritzentauschautomaten zu installieren. Das würde Abhängigen die Möglicheit bieten, an neue Spritzensets zu kommen, auch wenn der Kontaktladen am Wochenende nicht geöffnet sei. In anderen Städten gebe es solche Automaten bereits, und die Zahl der Infektionen mit Hepatitis oder HIV sei dort deutlich gesunken.

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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