Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Gefunden bei Facebook: Treffen nach 35 Jahren

Mark Asamoah trifft Familie Wiesner Gefunden bei Facebook: Treffen nach 35 Jahren

Er ist wohl das erste schwarze Kind, das in Göttingen geboren wurde. Im Jahr 1969. Mark Asamoahs Eltern stammen aus Ghana, arbeiteten als Arzt und Hebamme in Göttingen. „Daher wissen wir auch, dass Mark das erstgeborene schwarze Kind in Göttingen ist“, erklärt Evelyn Wiesner.

Voriger Artikel
Preise steigen, Wassertemperatur sinkt
Nächster Artikel
Verdi-Mann gekündigt

Wiedersehen nach 35 Jahren: Mark Asamoah besucht Mareike, Wolfgang, Swantje, Laurenz, Evelyn und Erika Wiesner (v.l.) in Göttingen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Tagsüber lebte Mark bei der Familie Wiesner. „Mit drei Monaten ist er zu uns gekommen“, erinnert sich die damals sechsjährige Wiesner. 35 Jahre nachdem Asamoah das letzte Mal in Göttingen war – seine Eltern zogen mit ihm zunächst nach Bielefeld und Anfang der 80er-Jahre nach Ghana – besuchte er die Wiesners.

Mit Pflegekind Mark: Wiesner

Mit Pflegekind Mark: Wiesner

Die Wiedersehensfreude sei riesig gewesen. „Wir haben unser altes Haus und die ganze Gegend angeschaut. Und jede Menge alter Geschichte erzählt“, sagt Wiesner. Zum Beispiel die der Narbe an Asamoahs Kinn: „Er war ja noch klein und ist meinem Bruder vor die Schaukel gelaufen“, erinnert sie sich. Die Wunde habe stark geblutet und musste im Krankenhaus genäht werden – von seinem Vater. Auch sonst sei Asamoah ein Kind mit viel Energie gewesen. „Wir haben oft Fangen gespielt und sind rumgetobt.“

Am liebsten habe Mark es gemocht, wenn sie auf dem Bett und in den Kissen herumtollten. Draußen vor dem Haus habe man mit den Soldatenkindern aus der Siedlung viel gespielt. „Damals haben wir am Lohberg gewohnt und konnten vor dem Haus Ball und Gummitwist spielen.“

Das sei nach einem Umzug in die Südstadt schwierig geworden. „Meine beste Freundin durfte nicht mit uns spielen, weil Mark schwarz ist. Die Kinder in der Gegend haben die Straßenseite gewechselt, Anwohner die Fenster geschlossen, wenn wir da vorbei gegangen sind.“ Auch in der Stadt habe es Probleme gegeben. „Wenn mein Vater mit Mark auf dem Arm durch die Innenstadt gelaufen ist, kamen die Leute an und haben gemeckert, wenn sie Marks Haut und Haare nicht anfassen durften“, sagt Wiesner.

Auch Asamoahs Besuch in Göttingen gestaltete sich schwierig. Die deutschen Behörden erteilten ihm keine Einreiseerlaubnis. „Ich war oft bei den zuständigen Behörden, aber da war nichts zu machen“,  erklärt Wiesner. Erst als Asamoah über die dänischen Behörden ein Wirtschaftsstipendium bekam – welches neben einem dreiwöchigen Fortbildungskurs in Kopenhagen Zugtickets nach Deutschland beinhaltete – konnte er Göttingen besuchen. 

Den Kontakt mit Asamoah stellte Wiesner über Facebook her. „Meine Töchter sagten mir, dass ich auch bei Facebook sein muss. Und da habe ich Mark gefunden.“ In Ghana betreibt Asamoah ein kleines Unternehmen. Im nächsten Jahr will er mit seiner Frau nach Göttingen kommen und die Wiesners besuchen – falls die Behörden das erlauben.

Von Michael Kerzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial
Der Wochenrückblick vom 9. bis 15. Dezember 2017
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt