Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
"Geldwäsche": Falscher Doktor betrügt Göttinger Pferdezüchter

41 000 Euro "Geldwäsche": Falscher Doktor betrügt Göttinger Pferdezüchter

Rosstäuscher foppt Pferdezüchter, denn Geldgier führt zu Geldverlust – so hat es vor dem Amtsgericht Göttingen ein Schwarzafrikaner dem Richter weiß machen wollen, ehe er zu 22 Monaten Gefängnis wegen Betruges verurteilt wurde. Der 49 Jahre alte Fotolaborant aus Kamerun hat mit dem bekannten Wash-Wash-Trick dem Inhaber eines Gestüts 41 000 Euro abgeluchst.

Voriger Artikel
Oberbürgermeister: Gespräche über Theaterfusion
Nächster Artikel
Gabriele Andretta bekommt keinen Ministerposten

Schwarzgeld entfärbt: Dicke Bündel schwarzes Papier mit echten Scheinen und Pülverchen zu blütenreinem Geld gemacht.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dabei war der Landwirt und in ganz Niedersachsen bekannte Pferdezüchter aus dem Landkreis Göttingen keineswegs leichtfertig. Mit Argusaugen hatte der 73-Jährige verfolgt, wie er reingelegt wurde. Die Legende, mit der die angeblich finanzstarken Afrikaner ihn auf den Leim lockten, war aber auch zu trickreich.

So war es passiert: Seit eineinhalb Jahren hatte sich der Landwirt bemüht, via Anzeige im Internet für 1,4 Millionen seinen Pferdehof zu verkaufen. Immer war es daran gescheitert, dass potenzielle Käufer den Preis nicht aufbrachten.

Diesmal hatte sich ein Afrikaner gemeldet, der in perfektem Deutsch von einem „Doktor“ von der Elfenbeinküste berichtete, der in Europa investieren wolle. Geld spiele keine Rolle; über den Preis wurde nicht erst verhandelt; betriebswirtschaftliche Auswertungen wollte keiner sehen. „1,4 Millionen, soviel hatte mir noch keiner geboten. Ich war ein bisschen heiß darauf“, gibt der Verkäufer später als Zeuge zu.

Codewort "Wunderfee"

Dann kam der Investor, ein elegant gekleideter „Herr Doktor“, dem der Vermittler übersetzen musste. Der Landwirt besann sich bauernschlau darauf, dass man den Menschen auf die Schuhe sehen soll. „Sehr hochwertige Markenschuhe, das überzeugte.“ Das Geschäft wurde gemacht, der Kaufpreis sollte mit dem Kurier aus Afrika kommen – nach Berlin.

Man traf sich vor der Botschaft Kameruns. Der Verkäufer hatte auf einem Zettel ein Codewort aufgeschrieben bekommen. Gegen die Losung „Wunderfee“ – übrigens der Name eines berühmten Springpferdes –  wurde ihm im Foyer der Botschaft ein Koffer ausgehändigt. Darin 1,4 Millionen Euro in bar. „Ich war sehr aufgeregt“, gibt er zu.

„Ich frage mich“, fragt später der blutjunge Staatsanwalt den Zeugen, „warum Sie als alter Mann allein aus Berlin 1,4 Millionen Bargeld holen.“ Er sei schon erfahren in Gelddingen, antwortet der Betrogene.

Ganz glatt lief es dann aber nicht. Vier Tage später kam der Herr Doktor, öffnete den Geldkoffer, entnahm einen Safe, öffnete auch diesen und brachte dicke schwarze Bündel ans Licht – angeblich Geld, das aus Sicherheitsgründen eingefärbt wurde, damit es auf dem Weg von Afrika nicht gestohlen werde.

Gefesselt im Hotelzimmer

Nun bat er um zwei echte 500er-Scheine, die er auf die schwarzen Bündel legte, alles in einer Lösung einweichte, mit Pulver bestreute und in Alufolie vier Stunden ruhen ließ. Heraus kamen echte Scheine. Der misstrauische Landwirt, der „sowas noch nie gesehen“ hatte, kontrollierte die Seriennummer, ging zur Bank und bekam bestätigt: alles echt.

Nun sind 1,4 Millionen aber nicht in einem Gang zu entfärben. Die Afrikaner benötigten 100 000 Euro sauberes Geld dafür. Immerhin 41 000 holte der Landwirt von der Bank. Dann ging es ans Entfärben. Während der Wirkdauer fuhren die Afrikaner zum Essen – und wurden nicht mehr gesehen. Das Geld war weg, nur schwarze Kopien lagen im Päckchen.

Immerhin kam die Polizei einem der Täter durch seine Fingerabdrücke auf die Spur. Er war bereits einmal aufgefallen, als er 30 Kilo goldfarben gefärbten Sand als Goldstaub verkaufen wollte. Auch den Wash-Wash-Trick hatte er bereits probiert, war aber nie verurteilt worden. Die Türken, die auf getürkte Geldbündel nicht reingefallen waren, hatten ihn seinerzeit gefesselt in einem Hotelzimmer in Münster an einen Haken gehängt und über den Betrugsversuch ansonsten geschwiegen.

Diesmal durchsuchte die Polizei seine Wohnung in Kassel, stellte Schwarzgeld-Kopien und „Goldstaub“ sicher, und er wurde nach einem Geständnis angeklagt.

Das Geld aber ist weg: Seinen Anteil habe er „der kranken Mama nach Afrika geschickt“. Und weil der Amtsrichter glaubt, die „Betrügereien liegen ihnen im Wesen“ und er werde „es immer wieder tun“, gibt er dem Betrüger ein Jahr und zehn Monate Zeit, sich im Gefängnis neue Tricks auszudenken.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial
Die schönsten Schneebilder unserer Leser
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt