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Georgier begehen 150 Taten landesweit

Kriminelle im Lager Friedland Georgier begehen 150 Taten landesweit

Es sei nur eine kleine Gruppe Krimineller. Das sagt der Bürgermeister, das beschwört die Polizei, das verlautet aus dem Innenministerium. Diese kleine Gruppe, alles Asylbewerber aus Georgien mit Wohnadresse Heimkehrerstraße, Friedland, hat nach aktuellem Stand mehr als 150 Straftaten auf dem Kerbholz – nur in Niedersachsen. Doch sie sind mobil.

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Ansicht des Lager Friedlands.

Quelle: SPF

Friedland. Schon hat die Polizei die ersten fünf Autos sichergestellt, deren Eigentumsnachweis die Verdächtigen nicht bringen konnten. Und sie reisen mit der Bahn nach Hessen und Thüringen und begehen auch dort ihre Taten. Zum Beispiel: Tegut-Markt Witzenhausen, Sonnabendvormittag. Der Mann vor dem Nebeneingang sieht verdächtig aus. Immer wieder späht er zum Kassenbereich des Getränkemarktes. Spricht man ihn an, versteht er nicht, geht, ist gleich wieder da. Wenig später hat er den Moment genutzt, als der Mitarbeiter an der Kasse kurz die blockierte Leergutannahme richtet. Kunden, denen er mit prall gefüllten Taschen und dutzenden Zigarrettenschachteln im Arm begegnet, wagen es nicht, den Davonstürmenden aufzuhalten.

Sie tun gut daran. Davon weiß man im Edeka-Markt in Friedland ein Lied zu singen. Pöbeleien, Beschimpfungen, Drohungen, Spucken oder mutwillige Sachbeschädigungen sind die Folge, wenn man sich den jungen Männern in den Weg stellt oder ihnen Hausverbot erteilt. Inzwischen gibt es auch die ersten nächtlichen Einbrüche durch Georgier. Einer im Edeka-Markt, wo der Eindringling gefilmt wurde, einer im Grenzdurchgangslager selbst, wo 150 Euro aus einem Schreibtisch verschwanden, einer in Hedemünden und einer in Göttingen. Den Verantwortlichen dieser Tat hat die Polizei bereits in Dortmund gefasst. Eine Fingerspur hat ihn überführt.

Herkunft erst seit dem 1. April im Lager

Dabei sind Asylbewerber dieser Herkunft erst seit dem 1. April im Lager. Vorher, so erinnern sich Polizisten wie Mitarbeiter, habe es nie nennenswerte Kriminalität im Grenzdurchgangslager gegeben. 128 Georgier wurden bisher dort aufgenommen; 70 von ihnen sind diverser Straftaten verdächtig geworden. Dunkelziffer unbekannt.

Die Polizei hat bereits vor Wochen eine Ermittlungsgruppe eingesetzt – mit gutem Erfolg. Die vier Kollegen um den Leiter der Friedländer Wache, Jürgen Don, haben bisher 64 Diebstähle in der Stadt Göttingen, vier in Friedland, vier Einbrüche, fünf Hausfriedensbrüche und eine sexuelle Nötigung ermittelt – begangen ausschließlich von Georgiern. Drei richterlich angeordnete Durchsuchungen gab es, eine bei Gefahr im Verzug direkt durch die Polizei. Dreimal wurde Beute gefunden. Zehn Haftbefehle haben sie beantragt, nur drei davon wurden erlassen.

Denn: „Es gibt keine Lex Georgier. Wir können auch in dieser Situation den Rechtsstaat nicht aushebeln“, weist Andreas Kühn, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, auf die hohen Hürden für Untersuchungshaft hin, wenn die Verdächtigen bisher unbescholten sind, es sich um einfachen Diebstahl handelt und keine Fluchtgefahr besteht.

Auch deshalb, so Don, sei es wichtig, dass bei jeder entdeckten Tat die Polizei gerufen werde. Sie werde sofort kommen, um den Täter möglichst noch festnehmen zu können. Nur die Summe der protokollierten Taten könne zu strafrechtlichen Folgen führen. Ideal lief es in Hann. Münden, wo ein Tageswohnungseinbrecher gefasst, in Hauptverhandlungshaft genommen und binnen einer Woche verurteilt wurde. Inzwischen nutzt die Polizei auch in Göttingen Maßnahmen wie die sogenannte Verhinderungshaft: Ertappte Täter werden so lange in Gewahrsam genommen, bis die Geschäfte schließen.

Nach Abschiebung nach Deutschland eingereist

Auch wenn unter den festgestellten Dieben viele sind, die wiederholt – auch nach einer Abschiebung – nach Deutschland eingereist sind, so gebe es keine Hinweise auf organisierte Kriminalität, sagt Kühn, der zuletzt beim Landeskriminalamt genau diesen Kriminalitätsbereich bearbeitete. Gegen organisierte georgische Banden, wie sie vor zwei Jahren in Bayern entlarvt wurden, spreche auch das Beuteschema. Wenn die Täter Schuhe in ihrer Größe stehlen, stecke sicher keine Bande dahinter. Andere allerdings haben auch schon typische Hehlerware wie teures Parfüm im Wert von hunderten Euro gestohlen.

In Friedland, traditionell Flüchtlingen aus aller Welt aufgeschlossen, reagiere die Bevölkerung noch ruhig, sagt Ortsbürgermeister Joachim Lüther (CDU). Nur der Handel sei verzweifelt. Inzwischen versuchen Gruppen vom äußersten rechten Rand die Stimmung gegen Ausländer anzuheizen und die Situation politisch zu nutzen. Am Donnerstag  will  Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) in Hannover ein Gespräch mit dem Innenminister führen, will fordern, dass die Polizeiwache Groß Schneen wieder Kommissariat wird, damit es besser auf die neuen Zustände reagieren kann. Und er will, dass weniger Menschen gerade dieser Gruppe nach Friedland kommen. Andernfalls leide die Willkommenskultur nachhaltig.

Hoffnung ist in Sicht: Gerade haben sich die Innenminister geeinigt, dass künftig mehr Bundesländer georgische Asylbewerber aufnehmen. Bisher waren das nur zwei. Dann werde sich das Problem auf mehrere Standorte verteilen.

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Georgier aus Lager Friedland

Nach einer dramatischen Flucht über die Bahngleise zwischen Witzenhausen und Hedemünden hat die Polizei bereits am Donnerstagnachmittag einen von zwei diebischen Asylbewerbern aus Georgien gefasst. Er und sein Komplize, die unter Drogeneinfluss in Hedemünden  ein Wohnhaus am Pfuhlweg heimgesucht hatten, sind am Freitag vom Amtsgericht Münden in Untersuchungshaft genommen worden.

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