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Fahrrad-Flut vor dem Bahnhof

Göttingen Fahrrad-Flut vor dem Bahnhof

Besucher der Stadt wundern sich, Göttinger zucken nur noch mit den Achseln: Die Flut von teils schrottreifen Fahrrädern vor dem Göttinger Bahnhof ist so unübersehbar wie eh und jeh. Viel dürfte sich daran in Zukunft nicht ändern.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. So ungefähr sieht das die Göttinger Stadtverwaltung. Zwar seien die Stellkapazitäten am Bahnhof eigentlich ausreichend, meint Detlef Johannson, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung. Das Problem sei ein anderes: „Die Abstellflächen werden mehr und mehr zur Entsorgung von Schrottfahrrädern genutzt.“ Und Problem Nummer zwei: „Es gibt nach wie vor Radfahrer, denen der kürzeste Weg zwischen Stellplatz und Bahnhof am wichtigsten ist und die deshalb bevorzugt an Bänken, Bäumen und Laternen parken.“

Reguläre Plätze gebe es genug, sagt Johannson: „Wir haben auf der Ostseite des Bahnhofs 1501 kostenfreie Stellplätze auf der Ostseite des Bahnhofs am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB), weitere überdachte 715 im Fahrradparkhaus, auf der Westseite ebenfalls rund 200 Plätze und weitere 34 im nördlichen Areal. Im Bahnhofsumfeld also insgesamt 2450 Stellplätze für Fahrräder. Ganz ansehnlich, finden wir.“

Um das festzustellen, erklärt Johannson, genüge ein Blick: „Im Südteil der Parkflächen auf der Ostseite sind regelmäßig ausreichend viele Plätze frei; sie werden aber nicht genutzt.“

Vier- bis fünfmal im Jahr lässt die Stadtverwaltung Schrottfahrräder abräumen. Johannson: „Das sind am Ende eines Jahres 400 bis 500. Bei der Gelegenheit werden in sich geschlossene oder gar nicht angeschlossene, intakte Fahrräder umgesetzt, wenn sie nicht auf den vorgesehenen Stellflächen stehen.“ Aber „seit Jahren“ würden keine an Bänke, Bäume oder Laternen angeschlossene Fahrräder angerührt. Johannson: „Hier gibt es bekanntlich einschlägige Rechtsprechung. Die besagt zusammengefasst: Ob man den Zustand nun schön findet oder nicht, entfernt werden dürfen solche Räder nur, wenn sie den Verkehr erheblich behindern.“ Das müsse „die Göttinger Öffentlichkeit nur noch zur Kenntnis nehmen“.

Das tut beispielsweise Anwohnerin Mara. Göttingen sei eine Fahrradstadt mit vielen Pendlern, die ihre Fahrräder für einige Tage am Bahnhof abstellen, wenn sie in die Heimat fahren. Sie habe dies auch schon bei Freunden erlebt. Besonders an Wochenenden sei es schwierig, einen Platz zum Abstellen zu finden.

Ähnlich sieht es Linda, die das Problem nur aus Erzählungen kennt, da sie nicht in Göttingen wohnt. Auch sie habe jedoch Freunde, die sich über die großen Mengen an Fahrrädern beschwert hätten. Radfahrerin Christel ist der Meinung, dass es „schön wäre, wenn etwas dagegen unternommen würde“. Doch wie soll die Stadt das machen? „Es gibt mittlerweile so viele Fahrradleichen“, sagt auch Pendlerin Barbara. „Ich selbst stelle mein Rad für einige Tage hier ab, weil ich nicht jeden Tag in Göttingen bin. Die Möglichkeit finde ich auch gut.“ Dennoch sollten die seit Monaten verlassenen Räder herausgeholt werden, erklärt die Pendlerin.

„Dann gäbe es auch wieder mehr Platz“, meint Radfahrerin Lisa. Die Massen an Fahrrädern stören aber nicht jeden. „So lange ich meins wiederfinde, ist mir egal, wie viele Räder hier stehen und nicht benutzt werden“, sagt der Göttinger Student Moritz.

Diese Haltung dürfte der Göttinger Stadtverwaltung durchaus gefallen. „Wer die Situation schon etwas länger kennt, wird sagen: Das ist normal“, meint Stadtverwaltungssprecher Detlef Johannson. Aber „wer das zum ersten Mal sieht, wird vermutlich einen gegenteiligen Eindruck gewinnen“.

Von Matthias Heinzel, Kimberly Fiebig und Lisa Hausmann

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