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Göttingen: Klaus Wettigs „Orte der Sozialdemokratie“

SPD-Reiseorte Göttingen: Klaus Wettigs „Orte der Sozialdemokratie“

Die deutschen Sozialdemokraten feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Da kommt so ein Reisebuch genau recht, wie es der Göttinger Politiker Klaus Wettig nun im parteieigenen Vorwärts-Verlag herausgegeben hat. Zusammengetragen hat er mehr als 100 „Orte der Sozialdemokratie“ – Gedenkstätten, Exilorte, Versammlungssäle, Sekretariate, Konzentrationslager.

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Maschmühlenweg: Hier war einst Haus des Volksblattes und Sitz des Göttinger SPD-Büros.

Quelle: Heller

Göttingen. Die Reihe beginnt mit einer Gedenkstätte für den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, in Heidelberg und endet mit dem Sitz des Exilvorstandes der SPD in Tschechien, genauer gesagt in der Krizikova 26 in Prag. Auf der letzten Zusammenkunft der gesamten SPD, nach dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 nämlich, wählte man einen neuen Parteivorstand und beschloss, dass einige Mitglieder ins Ausland gehen sollten.

Mit den Parteivorsitzenden Hans Vogel und Otto Wels verließen damals vier Sozialdemokraten Deutschland und gingen nach Prag – wo noch heute eine Erinnerungstafel in tschechischer und deutscher Sprache an den Exilvorstand erinnert. All dies und noch viel mehr hat Wettig mit Hilfe einer Reihe von Mitarbeitern akribisch zusammengetragen.

Und natürlich findet sich auch ein Erinnerungsort in Wettigs Heimatstadt Göttingen – nämlich das Haus Maschmühlenweg 8-10, das sogenannte Haus des Volksblattes. Die Planungen, so schreibt er, für ein Volkshaus hatten bereits vor dem Ersten Weltkrieg begonnen. Der Aufschwung von Gewerkschaften und SPD machten ein Versammlungslokal dringlich.

Am bis dahin genutzten Treffpunkt Kaiserhalle störte man sich – und eine Sammlung innerhalb der Gewerkschaften und der SPD erbrachte bis 1922 immerhin 167 469 Reichsmark. Damit wurde der Bürgerpark im Maschmühlenweg gekauft, außerhalb der Innenstadt gelegen, umgeben vom (damaligen) Schlachthof, dem Gaswerk und dem Güterbahnhof, jedoch auch vom Grün eines Friedhofs und großen Gärten.

Pflichtlektüre für Sozialdemokraten

1921 gab es eine Eröffnungsfeier, das Volksheim wurde bezogen. Im zweiten Bauabschnitt fanden dann auch die Gewerkschaften ausreichend Raum für ihre Sekretariate, ein zweiter Saal wurde gebaut und eine Küche für die Gaststätte.

Als Haus des Volksblattes wurde 1924 ein Neubau eingeweiht. Dort befanden sich Redaktion, Verlag und Druckerei des Volksblattes und die Büros der SPD. Ende der Weimarer Republik wurde das Volksheim mehrfach von der SA angegriffen und im Mai 1933 endgültig besetzt.

Die Arbeiterbibliothek wurde bei der Göttinger Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 vernichtet, das Volksblatt verboten, Verlag und Druckerei wurden für die NS-Tageszeitung Göttinger Nachrichten genutzt.

Später diente das Haus am Maschmühlenweg als Kriegsgefangenenlager, 1944 zerstörte ein Bombenangriff das Volksheim, das Haus des Volksblattes wurde schwer beschädigt. Nach dem Krieg sanierte und nutzte die SPD dieses Gebäude für ihre von den Briten lizensierte Göttinger Presse, zog aber selbst erst 1958 dort ein.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verkaufte seine Anteile an die SPD-Unternehmensholding, die das Haus schließlich 1983 veräußerte. Eine Erinnerungstafel aber gibt es bis heute.

Fazit: Ein politisch-historisches Buch für jedermann und eines, das für Sozialdemokraten geradezu Pflichtlektüre werden dürfte.

Klaus Wettig: „Orte der Sozialdemokratie – Ein Reisebuch“, Vorwärtsverlag, 273 Seiten, 30 Abbildungen, 15 Euro.
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