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Göttingen: Zehn Jahre unter Vergewaltigungsverdacht

Bosnier will sich seit Jahren stellen Göttingen: Zehn Jahre unter Vergewaltigungsverdacht

Verabredung per SMS zum schnellen Sex oder Vergewaltigung? Mit dieser Frage muss sich seit Donnerstag das Landgericht befassen. Ein 33 Jahre alter Bosnier ist angeklagt, vor mehr als zehn Jahren am Holtensener Berg eine junge Frau in deren Wohnung gewaltsam zu Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. So die Anzeige. Der Angeklagte bestreitet jede Gewalt und schildert einen einvernehmlichen Abend mit Küsschen zum Abschied.

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Quelle: (Symbolbild) dpa

Göttingen. Dass die vermeintliche Straftat erst jetzt geahndet wird, hat einen skurrilen Hintergrund.

Drei Tage nach der Tat war das Touristenvisum des 23-jährigen Bosniers, der lange in Deutschland gelebt hatte, abgelaufen. Am Montag, 24. November 2003, soll die Tat gewesen sein. Am Donnerstag musste er die europäischen Schengen-Staaten verlassen haben. Erst im heimatlichen Sarajevo erfuhr er durch einen Anruf eines Göttinger Polizisten, dass er gesucht werde.

Die Frau, die der zuvor in Kassel bei Verwandten wohnende Bosnier in Göttingen zuletzt besucht hatte, habe ihn angezeigt. Er bestritt schon am Telefon alles – und hörte danach nichts mehr davon. So schildert er den Fall vor Gericht.

Vom Haftbefehl nichts gewusst

Einzig, dass seine späteren Visum-Anträge ohne Begründung abgelehnt wurden, hätte ihn stutzig machen müssen. In Deutschland war inzwischen ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, von dem er aber bis 2007 nicht gewusst habe, sagt er. In diesem Jahr hatte er einen neuen bosnischen Pass beantragt – und war auf der Behörde gleich festgenommen worden. Da erst erfuhr er vom Haftbefehl. Weil aber Bosnien nicht ausliefert, ließ man ihn laufen.

Nun bemühte er sich selbst, nach Deutschland zu kommen, um den falschen Vorwurf zu klären. So seine Darstellung. Verteidiger Karl-Heinz Mügge bestätigt diese erfolglosen Versuche. Erst am 17. Oktober vorigen Jahres gelang es ihm, nach Köln zu reisen und sich dort sofort den Behörden zu stellen.

Wie wichtig es ihm ist, seinen Ruf wieder herzustellen, zeigt eine tragische Tatsache: Der in Sarajevo verheiratete Vater von zwei Kindern durfte am 4. November mit Duldung der Strafkammer aus der Untersuchungshaft heraus erneut nach Bosnien reisen. Seine Frau war schwer verunglückt und wird wohl dauerhaft be hindert bleiben.

Freiwillig zum Prozess

Das Gericht setzte darauf den Haftbefehl außer Vollzug, der Angeklagte fuhr heim. Dennoch kehrte er zum Prozess freiwillig zurück. Das, so Richter August-Wilhelm Marahrens, sei in seiner Richterlaufbahn einmalig.

Am Nachmittag wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit das vermeintliche Opfer gehört. Eine dem Vernehmen nach quälende Befragung, bei der die Zeugin im Kern beim Vergewaltigungsvorwurf blieb, sich aber an keinerlei Details erinnerte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Unter falschem Verdacht
Zehn Jahre nach einer angeblichen Vergewaltigung ist ein 33 Jahre alter Bosnier von dem Verdacht freigesprochen worden.

Auf den Tag genau zehn Jahre und drei Monate nach einer angeblichen Vergewaltigung ist ein 33 Jahre alter Bosnier von diesem Verdacht freigesprochen worden. Das Landgericht Göttingen konnte den Anklagevorwurf nicht erhärten und folgte den gleichlautenden Anträgen von Verteidiger Karl-Heinz Mügge und der Staatsanwaltschaft.

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