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Göttingen zu Beginn des E-Mail-Zeitalters

Vor 25 Jahren Göttingen zu Beginn des E-Mail-Zeitalters

25 Jahre ist es her, da wurde in Göttingen die erste E-Mail verschickt, berichtet Wilfried Grieger von der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen, dem Rechenzentrum der Uni und der Max-Planck-Institute. Es war ein Begleittext, der zusammen mit einem Job, einer Rechenoperation, an ein anderes Rechenzentrum verschickt wurde.

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Ab 1991: elektronischer Informationsaustausch mit Bildschirmtext-System.

Quelle: Heller

„Mails waren damals eine Sache für Freaks“, erinnert sich Grieger. Doch schon zwei Jahre später, 1987, sorgte die GwDG dafür, dass alle Hochschulmitarbeiter ebenfalls Mails verschicken konnten. „Die neue Technik verbreitete sich lawinenartig“, erzählt Grieger.

Eine Mail der Anfangsjahre ist dem GwDG-Mitarbeiter besonders im Gedächtnis geblieben. Einige Wochen nach der Grenzöffnung von 1989 zeigte er Wissenschaftlern aus Jena das Rechenzentrum. Als die Gäste wieder gefahren waren, sandte er ihnen eine Mail hinterher: „Seid ihr gut angekommen?“ Sieben Stunden war die elektronische Post unterwegs, erfuhr er später. Er rekonstruierte den Weg. Die Mail war zunächst nach Hamburg gegangen, von dort über einen Satelliten in 36 Kilometer Höhe zur Freien Universität Berlin, von dort über Kabel an die Humboldt-Universität im Osten der Stadt und dann weiter nach Jena.

Eine Umfrage bei Göttinger Unternehmen nach der ersten Mail erweist sich als unerwartet schwierig. Oft sind die damals beteiligten Mitarbeiter bereits in Rente, so auch beim Tageblatt. Genau kann dagegen das Duderstädter Unternehmen Otto Bock die Entwicklung nachzeichnen. Dort begann der Austausch elektronischer Informationen 1991 mit einem Bildschirmtext-System (BTX), berichtet Dirk Grüne. Grüne arbeitet für die Firma Sycor, die 1998 aus der Edv-Abteilung von Otto Bock hervorgegangen ist. Es wurden damals in Duderstadt Arbeitsplätze nur für BTX-Nutzung geschaffen. Der Vorteil: Da die Einwahl nicht über die Computer des normalen Netzwerkes erfolgte, gewährte das eine höhere Sicherheit. Der Nachteil: Wer Nachrichten versenden oder empfangen wollte, musste sich an einen Mitarbeiter mit BTX-Zugang wenden.

In einem zweiten Schritt richtete Otto Bock dann 1991/92 rund 25 Compuserve-Accounts ein. Compuserve gilt als Wegbereiter des Internets von heute. Über dieses System wickelten die Duderstädter bis 1997 ihren Mailverkehr ab. Nun ließen sich auch Daten hoch- und herunterladen. Compuserve und BTX war gemeinsam, dass die Einwahl vom Telefon aus über Modems erfolgte. Das wussten Otto-Bock-Manager auf Geschäftsreisen zu schätzen.

Zu einem Massenphänomen wurde das Mailen bei Otto Bock 1995/96, als das Unternehmen die Software SAP R/3 einführte. Das Programm ermöglichte es allen Nutzern innerhalb des Unternehmens über sämtliche Standorte hinweg Mails auszutauschen. 1997 setzte Otto Bock dann Microsoft Exchange ein. Die Mails wurden zunächst per ISDN-Wählverbindungen mit der Telekom einmal pro Stunde ausgetauscht. Heute werden rund 25 000 ein- und ausgehende Mails täglich registriert. Hinzukommen noch interne Mails. In der Firmengruppe existieren heute 3500 Mail-Adressen, ein Sprung im Vergleich zu einem BTX-Nutzer von 1991.

Die Göttinger Stadtverwaltung richtete 1995 die erste persönliche Mail-Adresse für einen Mitarbeiter ein, für den Leiter der IT-Abteilung. Zwei Jahre nahm die Stadt ihren ersten E-Mail-Server in Betrieb. Heute versenden die Beschäftigten an Werktagen 15 000 Mails, davon 2000 extern. Wichtiger Schriftverkehr wird nach Vorgaben des Stadtarchivs auf speziellen Bändern gespeichert. Die Speicherplatzkapazität der Stadt beläuft sich auf 200 Gigabyte. Eine Schattenseite des E-Mail-Verkehrs: Die Stadt muss täglich 17 000 Spam-Mails abwehren.

Von Michael Caspar

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