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Göttinger Feldhamster noch höchst lebendig

Erdbewohner besucht Dietmar Racky Göttinger Feldhamster noch höchst lebendig

Für viele Göttinger ist der scheue Feldhamster nicht mehr als ein Phantom. Vor etwa 15 Jahren aber wühlte sich der Nager aus seiner unterirdischen Behausung ans Licht der Öffentlichkeit. Was zur Folge hatte, dass der Bau einer Straße angeprangert, anschließend ein Millionen-Bauprojekt der Universität beinahe verhindert wurde.

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Sorgt für den Winter vor: Bei Dietmar Racky im Garten stopft sich ein Feldhamster täglich die Backen voll.

Quelle: Racky

Seitdem wird Cricetus cricetus im Uni-Nordbereich nach den Maßgaben eines sogenannten Hamster-Managements umsorgt und behütet, ist inoffizielles Göttinger Maskottchen und Sinnbild umweltschützerischen Bestrebens, Bauplanung zugunsten von Flora und Fauna zu verändern. Was ist eigentlich aus dem Göttinger Fabelwesen geworden?

Bau neben der Terrasse: Dietmar Racky am Tunnelausgang.

Bau neben der Terrasse: Dietmar Racky am Tunnelausgang.

Quelle:

Die gute Nachricht vorweg: Der Göttinger Feldhamster lebt – und das nicht nur in den Köpfen. Wie lebendig das vom Aussterben bedrohte Nagetier noch ist, stellt Dietmar Racky seit einiger Zeit beinahe täglich fest. Vor 15 Jahren zog er mit seiner Familie an den Kellnerweg und lebt seitdem in der Nähe der Hamster-Schutzflächen zwischen Burckhardtweg und Otto-Hahn-Straße, die Ende der 1990er-Jahre ausgewiesen wurden. Dass die kleinen Erdbewohner zu seinen Nachbarn zählen, hatte Racky gehört, „gesehen habe ich aber all die Jahre nicht einen einzigen“, erzählt er.

Bis Mitte November: Eines Morgens bemerkte der Göttinger wie ein hellbraunes Pelzwesen seine Terrasse inspizierte. „Es suchte offenbar nach Nahrung.“ Seitdem besucht der Feldhamster das Grundstück am Kellnerweg regelmäßig, wohl auch in der Gewissheit, dass Racky, mittlerweile über die Fressgewohnheiten des Nagers informiert, fleißig für die Aufstockung seines Wintervorrates sorgt.

„Er hat sich neben der Terrasse eine Höhle gebaggert, in der er Futter bunkert“, spekuliert der Gastgeber des Tierchens über einen Gang, der in den Untergrund seines Gartens führt.
Hamsterbesuche in Privatgärten seien im Bereich des Uni-Nordbereichs nicht unwahrscheinlich, weiß Dirk Augustin, promovierter Agrarwissenschaftler.

„Hamster fühlen sich beispielsweise in der Nähe von Kompost wohl.“ Der Leiter der Versuchswirtschaften der Uni ist unter anderem zuständig für den „Fach- und Managementplan zur Sicherung und Förderung des Hamsterbestandes“. Nach sehr guten Hamsterjahren um 2008, in denen teils bis zu 50 Bauten allein an der sogenannten Kernfläche am Burckhardtweg gezählt worden seien, habe es 2010 und 2011 heftige Einbrüche gegeben. „Damals fanden wir erstmals weniger als 20 Hamsterbauten“, berichtet Augustin.

2012 ging die Zahl noch weiter zurück. Das Hamster-Management machte sich Sorgen, die sich im Jahresverlauf jedoch in Luft auflösten: „Wir haben jetzt in der Kernzone wieder rund 25 Bauten“, sagt Augustin. Seine Vermutung: Zu viel Niederschlag im Frühjahr verträgt der Hamster als ursprünglicher Steppenbewohner nicht – was sich im Jahresverlauf negativ auf die Population auswirken kann. Doch schon im nächsten – trockenen – Jahr steige die Hamsterzahl erfahrungsgemäß wieder an. Augustins Fazit: „Über die Jahre gesehen haben wir in Göttingen immer noch eine stabile Hamsterpopulation.“

Nagetier revolutioniert Bauplanung

Ein Nagetier sorgt 1998 dafür, dass Bauleitplanung in Göttingen revolutioniert wird. Im Zuge der Planung für das Zentrum für molekulare Biowissenschaften der Universität baut die Stadt eine Straße – und die Naturschutzverbände schreien auf: Das gesamte Areal sei Lebensraum des in Deutschland vom Aussterben bedrohten Feldhamsters.

Auch das millionenschwere Projekt der Uni droht zu kippen. Gerührt vom Blick in sanfte Hamsteraugen stimmt die Bezirksregierung dem Projekt schließlich unter strengen Auflagen zu – die Geburtsstunde einer Vereinbarung zwischen Stadt und Uni und des „Fach- und Managementplans zur Sicherung und Förderung des Hamsterbestandes“ auch bei künftigen Bauvorhaben.

Seither hat Cricetus cricetus in Göttingen alle Möglichkeiten, sein Hamsterleben zu vollenden. Zwischen Burckhardtweg und Otto-Hahn-Straße kann er von der sogenannten Kernzone über Hamsterkorridore und Hamstertritte zu einer Ausgleichsfläche wechseln, die speziell für ihn bepflanzt wird. Denn dort möchten die Planer künftige Hamstergenerationen gern ansiedeln.

Die Rechnung geht auf: Göttingen ist Hamster-Hotspot, eines von wenigen Gebieten in Niedersachsen, in denen sich die kleinen Höhlenbauer richtig wohlfühlen. kk

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