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"Dieses Jahr ist es besonders gravierend"

Göttinger Kita-Träger suchen Fachpersonal "Dieses Jahr ist es besonders gravierend"

Der Fachkräftemangel macht sich auch bei den Trägern Göttinger Kitas bemerkbar. "Dieses Jahr ist besonders gravierend", klagt Michael Höfer von Verein Kinderhaus. Der Verein betreibt 28 Kindertagesstätten im Göttinger Stadtgebiet und sucht verzweifelt nach neuem Fachpersonal.

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Quelle: dpa

Göttingen. Etwa zehn neue Stellen gebe es derzeit zu besetzen, sagt der Geschäftsführer des Vereins. "Wir inserieren wie die Blöden." Vor zehn Jahren habe es noch auf eine offene Stelle 40 Bewerbungen gegeben. "Heute bekommen wir zum Teil gar keine." Diese Entwicklung sei ein Versäumnis der Politik, meint Höfer. Es gebe oft nicht genug Fachschullehrer, nicht genug gesellschaftliche Anerkennung und nicht genug Geld für die Arbeit. Außerdem sei es problematisch, dass die Ausbildung zum Sozialpädagogen nicht dual sei, die Schüler also während der Ausbildung kein Geld verdienen. Für eine gewisse Entlastung sorge seit zwei Jahren immerhin die dritte Betreuungskraft in Krippengruppen mit mindestens elf belegten Plätzen, die zusätzlich zu den zwei vorgeschriebenen Betreuern vom Land Niedersachsen finanziert wird, wie Höfer erklärt. Dabei handele es sich um geringer qualifizierte Sozialassistenten mit einer zweijährigen Ausbildung, die die Fachkräfte in den Kitas unterstützen sollen. Doch auch diese werden gesucht, sagt Höfer.

Kerstin Maring von der Fachberatung des Caritasverbands für die Diözese Hildesheim berichtet von ähnlichen Problemen. Auch für die sechs katholischen Kindertagesstätten im Göttinger Stadtgebiet sei es ein großes Problem, dass Stellen nicht besetzt werden können. "Es gibt kaum Bewerbungen, und wenn doch, sind die Bewerber oft nicht gut", erzählt Maring. Die Situation in diesem Jahr bestätige den Trend der vergangenen Jahre.

Für die Einführung der dritten Kraft findet auch die Fachberaterin grundsätzlich nur positive Worte. Diese sei eine Reaktion darauf gewesen, dass zwei Betreuer für eine größere Kita oft nicht genug seien, sagt sie. Der Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung resultiere unter anderem daraus, dass in den vergangenen Jahren viele neue Krippen gebaut worden seien, erklärt Maring. Darum sei "ein riesengroßer Bedarf an Betreuung da". Schuld seien aber auch die Rahmenbedingungen. Der Job sei wenig attraktiv und werde kaum wertgeschätzt, meint Maring: "Es ist ein sehr schöner Beruf, aber leider nicht sehr anerkannt."

Auf der Suche nach Fachpersonal ist auch die Stadt Göttingen für die Kitas, die sich in ihrer Trägerschaft befinden. Während die Sozialassistentenstellen alle besetzt seien, suche man noch einige Fachkräfte, "zum einen für den Aufbau des Vertretungspools für die städtischen Kindertagesstätten und zum anderen für gruppenübergreifende Tätigkeiten", teilt Detlef Johannson, Sprecher der Stadtverwaltung, mit. Besonders schwierig sei die Anstellung von Fachkräften für Teilzeitbeschäftigungen: "Der Wunsch der Fachkräfte geht deutlich zur Vollzeitbeschäftigung", so Johannson.

Können die zusätzlichen zwei Millionen Euro, die das Land Niedersachsen der Stadt Göttingen 2017 und 2018 für neues Personal in den Kitas zur Verfügung stellt, Abhilfe beim Fachkräftemangel schaffen? "Die zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel dürfen nicht zur Kompensation des Fachkräftemangels verwendet werden", erklärt Johannson. Bei dem Programm gehe es vorwiegend darum, "die vorhandenen Fachkräfte in ihrer Arbeit mit Kindern und Familien mit besonderen Bedarfen (zum Beispiel Kinder mit Fluchterfahrung und Kinder mit Migrationshintergrund, in deren Familien nicht vorwiegend deutsch gesprochen wird) zu unterstützen." Zu diesem Zweck werde das Geld in die Qualifizierung von Sozialassistenten und nicht in ausgebildete Kräfte investiert.

"Mit dem Geld lässt sich viel bewegen", ist sich auch Höfer vom Verein Kinderhaus sicher. Er rechnet vor: Mit einer Million Euro ließen sich etwa 25 neue Stellen schaffen. Von diesen könnten auch die Kitas in freier Trägerschaft profitieren. "Es wird sich durch das Geld etwas ändern", meint Höfer. "Das grundsätzliche Problem wird sich aber nicht ändern."

Von Maximilian Zech

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