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Göttinger Muslime zeigen ihre Gotteshäuser

Tag der offenen Moschee Göttinger Muslime zeigen ihre Gotteshäuser

Viele Deutsche scheuen davor zurück, unangemeldet eine Moschee zu besuchen. Um die Schwellenangst zu verringern, startete der Zentralrat der Muslime 1997 eine Initiative. Immer am Tag der deutschen Einheit sollen die 2700 islamischen Gebetsstätten der Republik ihre Türen öffnen.

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Wie jedes Jahr am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober, für Besucher geöffnet: Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde am Königsstieg 4.

Quelle: Hinzmann

Angeblich sollen bis zu 1000 Moscheen an dieser Aktion teilnehmen. Das Tageblatt fragte bei den sieben islamischen Gemeinden in Göttingen nach.

  • Ahmadiyya Muslim Jamaat (Geismar Landstraße 46): Die Ahmadi-Gemeinde bietet von 11 bis 17 Uhr Programm, teilt ihr Präsident Aijaz Ahmed mit. Die Ahmadi sind eine Reformgemeinschaft, die in der islamischen Welt verfolgt wird. Unter anderem wird ihr vorgeworfen, dass sie den Gründer ihrer Gemeinschaft als Propheten bezeichnen. Die Göttinger Gemeinde hat 50 Anhänger.
    Al-Iman (Arndtstraße 23): Die Al-Iman-Gemeinde beteiligt sich nach Wissen von Amr Abdel Aziz, einem Deutschen ägyptischer Abstammung, nicht am Tag der offenen Moschee. Abdel Aziz betreut die Internetseite der Gemeinde (diemoschee.de). Auf ihr gibt es Informationen über den Islam zum Herunterladen. Sie stammen von der Internetseite salaf.de, die wie der Name verrät, der strengen Islam-Strömung des Salafismus nahesteht. Die Mehrheit der Salafisten lehnen Gewalt ab, eine Minderheit bekennt sich jedoch zu ihr. Zu diesen sogenannten Dschihadisten gehören Osama bin Laden und seine Al-Qaida-Leute.
  • Al-Taqwa (Weender Landstraße 76): Die Al-Taqwa-Gemeinde weiß noch nicht, ob es Programm geben wird. In jedem Fall ist die Moschee aber Sonntag geöffnet. Die Gemeinde hat seit 2009 einen eigenen Imam, Scheich Zidane. Der Ägypter, ein Herr mit schwarzem Vollbart, hat nach eigenen Angaben 20 Jahre an der renommierten Al-Azhar-Universität studiert. Wie sein französischer Namensvetter spielt er gerne Fußball. Scheich Zidane kann sich bereits auf Deutsch ausdrücken. In einem Gespräch gibt er Erläuterungen über das Paradies. Auf fromme Männer warten dort sogenannte Paradiesjungfrauen, die Gott eigens für das Vergnügen der Gläubigen erschaffen hat. Damit es keine Eifersuchtsdramen mit den frommen Ehefrauen der Muslime gibt, werden die Damen vor dem Betreten des Paradieses von Allah „repariert“, erklärt der Scheich.
  • Ditib (Königsstieg 4): Die türkische Ditib-Gemeinde unterhält die einzige repräsentative Moschee der Stadt. „Wie jeden Tag im Jahr ist die Gemeinde auch am 3. Oktober für Besucher geöffnet“, sagt Vorstandsmitglied Ali-Serkan Sahbaz. Auf Nachfrage bietet die Gemeinde Führungen an. Ditib-Gemeinden werden vom türkischen Staat beaufsichtigt. Die Türkei stellt die Vorbeter. In Göttingen übt Oguz Akdemir dieses Amt seit Januar 2010 aus.
  • Ex-Kaplan-Gemeinde (Levinstraße 2): Die ehemaligen Anhänger der türkischen Kaplan-Bewegung, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Deutschland verboten wurde, treffen sich zum Beten in der Levinstraße in den Souterrain-Räumen einer Gewerbeimmobilie. „Das ist kein öffentlicher Gebetsraum“, stellt Sozialpädagoge Ismail Hatil auf Tageblatt-Anfrage klar. Deutsche Besucher würden aber auch nicht wieder weggeschickt. Der Gründer der Gemeinschaft, Cemaleddin Kaplan, rief sich 1994 zum Kalifen, zum obersten Führer der weltweit mehr als eine Milliarde Muslime, aus. Der studierte Islamgelehrte konnte allerdings nie mehr als ein paar 1000 Anhänger von seinem Anspruch überzeugen.
  • Medina-Moschee (Maschmühlenweg 58): Die Medina-Moschee, die seit 2004 besteht und insbesondere von Roma aus dem Kosovo besucht wird, beteiligt sich nicht am Tag der offenen Moschee.
  • Verein für Kultur und Bildung: Der Verein für Kultur und Bildung hat bis Mitte des Jahres im Elmweg im blauen Dawe-Würfel einen Gebetsraum betrieben. Da das Gebäude abgerissen werden soll, mussten sie ausziehen. Die gut besuchten Islam-Kurse für Jugendliche fallen seither aus, bedauert Vereinssprecher Mahmoud Omayaratt. Die jungen Menschen hingen nun wieder auf der Straße herum, sagt er. Der Verein suche in Grone Räumlichkeiten, die 100 Quadratmeter groß seien. Kontakt unter Telefon 01 78 / 7 22 87 91. Der Verein steht der sogenannten Habaschi-Bewegung nahe, die von der islamischen Mystik geprägt ist. Die Habaschi-Anhänger positionieren sich klar gegen den Salafismus. Sie sprechen von einer „Irrlehre“.

Von Michael Caspar

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