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Göttinger Studenten erproben neues Förderkonzept an Gesamtschulen

Leseschwäche Göttinger Studenten erproben neues Förderkonzept an Gesamtschulen

Es ist kein Geheimnis mehr: Lesen ist der Schlüssel zur Bildung. Wer gut lesen kann, lernt leichter und effektiver. Trotzdem hinken deutsche Kinder im Europavergleich mit ihrer Lesefähigkeit oft hinterher. Das haben Pisa und andere Studien immer wieder belegt. Meistens fehlt ihnen die Übung, weil sie zuhause kaum lesen.

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Mehr Lernspaß mit der „Lese- und Lernolympiade plus“: Studentin Heike Bähre übt mit Klara Tahiri (rechts) lesen.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Folge: schlechte Schulnoten in vielen Fächern. Seit Beginn des Schuljahres testen Lehramtsstudenten und ihr Dozent an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ein neues Verfahren: die „Lese- und Lernolympiade plus“. Sie fördern leseschwache Kinder individuell und setzen dabei verschiedene Methoden ein. Der Erfolg sei verblüffend, bestätigt Schulleiter Tom Wedrins die Beobachtungen der Studenten.

Natürlich kann Karim (Name geändert) lesen, er hat die Grundschule abgeschlossen. Als der Elfjährige vor ein paar Monaten in den 5. Jahrgang der KGS kam, schaffte er mit Mühe aber nur 50 Wörter in der Minute, musste den Zeigefinger zu Hilfe nehmen und war nach einer Seite erschöpft.

Den Textinhalt hat er dabei kaum begriffen. Inzwischen liest Karim ohne Finger und schafft die doppelte Wortzahl. Und es macht ihm Spaß. Seit zwölf Wochen übt die Lehramtsstudentin für Deutsch und Sport, Heike Bähre, regelmäßig mit ihm Lesen: in der Schule während der normalen Unterrichtszeit, in entspannter Atmosphäre in einem Gruppenraum.

Sie hat mit ihm gemeinsam und abwechseln gelesen, Lesekarten und etliche andere Hilfsmittel eingesetzt. Alles erprobte Techniken, die von Pädagogen sonst einzeln eingesetzt werden. Nach vorangestellten Tests und dann passend zu Karims Lernstand hat sie die Module ausgewählt.

Spaß statt Druck

„Diese individuelle Betreuung und eine gute persönliche Beziehung ist wichtig für effektives Lernen“, sagt Dozent Reinhardt Lange: „Wir müssen die leseschwachen Kinder ganz gezielt unterstützen und fürs Lesen begeistern – mit Erfolgserlebnissen und Spaß statt Druck.“ Dabei sei es wichtig, die Lesefähigkeit vor der Pubertät im Kopf zu verankern. Auch aus diesem Grund arbeiteten die Studenten mit Fünft- und Sechstklässlern der KGS.

Lange war Lehrer an der  KGS und 30 Jahre Seminarleiter für Deutsch am Studienseminar. 2002 hatte er die „Lese- und Lernolympiade“ für Klassen an der KGS entwickelt – Vorläufer des individuellen Ansatzes. Jetzt unterrichtete Lange Lehramtsstudenten aus verschiedenen Fachbereichen.

Sein Seminar zum Thema Leseförderung mit wöchentlicher Praxisarbeit wählen die Studenten freiwillig. In diesem Semester waren 15 Teilnehmer dabei – mit Begeisterung. „Unser Studium ist recht theorielastig“, sagt der angehende Deutsch- und Geschichtslehrer Torge Bichert. Viele würden erst nach dem Studium tatsächlich mit Kindern arbeiten.

Es profitierten also beide, sagt Lange: die Kinder und die Studenten. Und alle ausgewählten Schüler „haben in den vergangenen Wochen einen wirklich großen Sprung gemacht“, ergänzt Wedrins. Und er ist überzeugt, dass die „Lese- und Lernolympiade plus“ für jede Schule geeignet sei.

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