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Göttinger Tafel im Streit mit St. Jacobi

Gemeinde fordert erstmals Miete Göttinger Tafel im Streit mit St. Jacobi

Die Fronten sind verhärtet. Die Göttinger Tafel und die Kirchengemeinde St. Jacobi kommunizieren derzeit nur noch über ihre Anwälte. Grund: unterschiedliche Auffassungen über den bestehenden und einen künftigen Mietvertrag.

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Lebensmittel für Bedürftige: Die Göttinger Tafel versorgt rund 1400 Kunden an fünf Ausgabestellen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Nach 18 Jahren will die Gemeinde nun zum ersten Mal Miete für die rund 75 Quadratmeter erheben, die die Tafel seit 1995 in dem im Gemeindebesitz befindlichen Fachwerkhaus Jacobikirchhof 1 an der Jüdenstraße nutzt. Der damals zwischen Gemeinde und Tafel abgeschlossene Vertrag sichert dem Verein Mietfreiheit zu. Als einzige Kündigungsgründe wurden „Eigenbedarf“ und „kirchenrechtliche Gründe“ angegeben.

Bereits im März 2012 hatte Pastor Harald Storz in einem Schreiben an den Tafel-Verein den Abschluss eines neuen Mietvertrages zum 1. Juni 2012 vorgeschlagen. 400 Euro plus Nebenkosten sollte die Monatsmiete betragen. Die Tafel weigerte sich und berief sich auf den bestehenden Mietvertrag.

Daraufhin, so berichtet Tafel-Schatzmeister Herbert Flügge, habe die Kirchengemeinde im Juli 2012 ein neues Angebot unterbreitet: Diesmal sollte die Tafel 1000 Euro Miete für die 75 Quadratmeter plus die Nutzung einer Garage und Carport zahlen. Prinzipiell, so betont Flügge, sei man bereit, Miete zu zahlen, aber „angemessen“ und nicht „überzogen“ sollte sie sein.

„Wir gehen nicht raus“

„1000 Euro sind unverschämt. Wir haben das nicht akzeptiert“, sagt Flügge. Auch nicht als sich Kirchenkreis, Stadt und Gemeinde sich bei einem gemeinsamen Gespräch bereit erklärten, je ein Viertel der jährlichen Miete zu übernehmen. „12 000 Euro im Monat können wir niemanden zumuten“, sagt Flügge.

Es folgten weitere Gespräche, die ohne Ergebnis blieben. Am 29. Dezember traf auf dem Postweg die Kündigung des Mietvertrages zum 30. Juni 2013 bei der Tafel ein. Auch diese wurde von der Tafel zurückgewiesen. Inzwischen haben beide Parteien Anwälte beauftragt. „Wir gehen nicht raus“, sagt Flügge.

„Nein“, man habe nichts gegen die Tafel, sagt Torsten Berghaus vom Kirchenvorstand, der ab Ende Oktober die Verhandlungen mit der Tafel geführt hat. „Die Idee und die Arbeit der Tafel sind gut“, sagt Berghaus. Gleichzeitig betont er, dass die mietfreie Nutzung der Räume anfangs eine „Starthilfe“ sein sollte.

Inzwischen habe die Gemeinde der Tafel aber „Sachzuwendungen“ von mehr als 100 000 Euro in Form von Miete und Übernahme der Nebenkosten zukommen lassen. Langsam sei es Zeit, dass auch die Tafel Miete zahle und sich an den Kosten beteilige. Einrichtungen der Kirche müssten anderswo auch Miete zahlen.

Kündigung als Neuanfang zu verstehen

„Wir benötigen das Geld auch für die Instandsetzung des Gebäudes“, sagt Berghaus. In einem Schreiben an die Tafel macht die Gemeinde zudem die von der Stadt erhobene Umlage für die Umgestaltung der Jüdenstraße geltend. Berghaus kritisiert gegenüber dem Tageblatt, dass seitdem er die Verhandlungen führe, „keine konkreten“ Vorschläge von der Tafel gekommen seien.

Auch sei es unverständlich, warum die Tafel Angebote zur Mediation abgelehnt habe. Die Kündigung, so betont Berghaus, sei nicht so zu verstehen, dass die Gemeinde die Tafel loswerden will. Vielmehr solle sie als „Neuanfang“ verstanden werden.

Inzwischen hat die Tafel über ihren Anwalt dem Juristen der Kirchengemeinde einen neuen Vorschlag unterbreitet: Sie ist nun bereit, monatlich 400 Euro Miete plus Strom- und Nebenkosten für die Nutzung der Räume, des Carports und Parkplatzes auf dem Kirchhof zu zahlen.

Am Montag, 3. Juni, tagt der Kirchenvorstand von St. Jacobi. Das neue Angebot der Tafel soll diskutiert werden.

Die Göttinger Tafel

► Im November 1994 wurde die Tafel gegründet.

► Im Februar 1995 zog sie in das Fachwerkhaus am Jacobikirchhof ein.

► Rund 1400 Menschen mit geringem Einkommen, darunter 400 Kinder, beziehen regelmäßig über die Tafel Lebensmittel, die zuvor von rund 100 Betrieben in der Region gespendet wurden. Inzwischen gibt es vier weitere Ausgabestellen.

► Derzeit hat der Verein nach eigenen Angaben knapp 120 Mitglieder.

► Schatzmeister Herbert Flügge schätzt, dass die 80 bis 90 Freiwilligen, die sich täglich um die Essensausgabe und die Sammlung von Lebensmitteln, jährlich zwischen 25 000 und 30 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten.

► Die Tafel, so Flügge habe momentan jährliche Kosten von 100000 Euro, die zu 80 Prozent aus Spenden finanziert werden.

Mehr Infos auf goettingertafel.org

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Mietstreit
Innenstadtkirche: St. Jacobi.

Göttingens Superintendent Friedrich Selter bedauert, dass die Verhandlungen zwischen der Tafel und der evangelischen St.-Jacobi-Gemeinde über einen künftigen Mietvertrag ins Stocken geraten sind. Seinem Kenntnisstand nach dürfte aber „absolut kein Problem sein, eine gütliche Regelung“ zu finden“, meint Selter.

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