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Wochenend-Kolumne: D’r Zoch kütt

Helau und alaaf Wochenend-Kolumne: D’r Zoch kütt

Helau und alaaf, oder für die Fremdsprachler unter Ihnen: rätätäää. Haben Sie es schon mitbekommen? Es ist Narrenzeit. Ich frage das, weil Karneval in Göttingen ja quasi wie Aschermittwoch in Köln ist, so trostlos wie ein Cowboy ohne Kanone – also ohne diese mit den Zündplättchen.

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Tageblatt-Redakteur Andreas Fuhrmann.

Quelle: EF

Göttingen. Da fehlt der Knall, der Dampf, die Durchschlagskraft. Vor allem fehlt es aber an karnevalsbegeisterten Menschen. Wenn am Rosenmontag im Rheinland, in Braunschweig und im Eichsfeld die Post abgeht, stürmen in Göttingen ein paar Dutzend Jecken das Rathaus. Wobei stürmen das falsche Wort ist.

Sie besetzen es einfach. Denn wenn in Göttingen die Narren nahen, nimmt offenbar ein jeder reißaus – auch die Verwaltung. Ganze Flure sind plötzlich verwaist, auf den Toiletten herrscht Andrang wie bei einer Noro-Virus-Epidemie – und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer hat uuun-glaub-lich wichtige Termine – oder im Zweifel auch Diarrhöe.

Jedes Jahr an Rosenmontag Durchfall, das muss man auch erst mal verkraften. Übrig bleibt als einziger Meyers Vertreter (wozu hat man die denn auch?), Bürgermeister Wilhelm Gerhardy – und trägt in der Regel eine mehr oder weniger lustige Büttenrede vor. Aber er tut wenigstens was.

Unzählige Karnevalsveranstaltungen

Das kann man auch den Vertretern der hiesigen Karnevalsvereine nicht absprechen. Seit Jahrzehnten versuchen sie, den Karneval in Göttingen zu etablieren – mit durchwachsenem Erfolg, wie auch im obigen Artikel zu lesen ist.

Wie wäre es also, wenn Sie, liebe Leser, es in diesem Jahr einfach mal versuchen mit dem Karneval, anstatt einen auf Aschermittwoch zu machen? Sie müssen ja nicht gleich eintreten in den Karnevalsverein, aber sich ein wenig mit den Jecken freuen, das können Sie schon.

Das ist sogar recht einfach, denn dieser Tage gibt es unzählige Karnevalsveranstaltungen in der Region – da ist für jeden was dabei.

Am unverfänglichsten ist es, sich einfach mal einen Umzug anzuschauen. Verkleidung ist nicht nötig, man kann abhauen, wann man will, und es regnet Kamelle. Möglich ist das zum Beispiel am Sonntag in Desingerode, Wollbrandshausen und Hilkerode (jeweils ab 13 Uhr) im Eichsfeld.

Für die ganz Mutigen

Wenn Sie nicht Karneval feiern wollen, lassen sie wenigstens Ihren Kindern den Spaß. Die lieben es nämlich, sich einen Tag wie Superman oder Pippi Langstrumpf zu fühlen. Kinderfasching gibt es am Sonntag in Ebergötzen in der Sporthalle oder in Weende in der Soccer-Arena (jeweils um 15 Uhr).

Und für die ganz Mutigen unter Ihnen: die Karnevalsparty für Erwachsene. Tipp: Verkleiden Sie sich! Ansonsten fallen Sie mehr auf, als wenn Sie als Gollum oder Hexe gehen.

Arztkittel oder Krone tun es für den Anfang aber auch, zum Beispiel bei der Karnevalsparty in Eberhausen (Sonnabend ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus) oder beim Rathaussturm der Göttinger Jecken am Montag um 9 Uhr am Neuen Rathaus. Wer erst gar nicht erkannt werden will, dem sei der Maskenball in Ebergötzen heute Abend ans Herz gelegt (ab 20 Uhr im Sporthaus).

All jenen, die es jetzt kaum noch abwarten können, sich ins jecke Leben zu stürzen, seien zum Schluss noch ein paar gängige Vokabeln ans Herz gelegt aus dem karnevalesken Sprachgebrauch. Man will ja mitreden können.

  • Alaaf: ruft der Karnevalist in Kölle, und eigentlich nur dort. Rührt her von „Cölle al aaf“ (“Köln allein“). Beliebter Fehler: Helau in Köln rufen, das machen die verfeindeten Düsseldorfer.
  • Bütt: Hier halten die Narren bissige Reden, meist in Reimform. Steht im Rheinischen für das fassförmige Rednerpult (bütt: Waschzuber).
  • Bützje: karnevalistisches Küsschen.
  • Helau: Gebräuchlichster Ausruf der Jecken, nur nicht in Köln (siehe alaaf).
  • Kamelle: Bonbons, an Rosenmontag ein Sammelbegriff für alle Süßigkeiten, die geworfen werden.
  • Narrhallamarsch: Der Klassiker der Karnevalsmusik, vor allem bei der Mainzer Fastnacht, aber auch in Göttingen gerne gespielt.
  • Schnüß: ist zum Bützen da (siehe Bützje).
  • Zoch: Kurzform für Rosenmontagszug, der sich mit dem Schild „D’r Zoch kütt“ (Der Zug kommt) ankündigt.

So, das dürfte fürs Erste reichen. Und jetzt alle: rätätäää!

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