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Göttinger Voigt-Realschule will IGS werden

Antrag gestellt Göttinger Voigt-Realschule will IGS werden

Die Voigt-Realschule in Weende will Göttingens dritte Gesamtschule werden. Für viele überraschend hat sie am Montag ihren Antrag bei der Stadt eingereicht. Stimmen Rat und Land zu, will sie im Schuljahr 2014/15 als Integrierte Gesamtschule (IGS) starten – ab Klasse Fünf aufsteigend bis zum Abi-Jahrgang.

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Schon „kontinuierlich in Richtung Gesamtschule entwickelt“: die Voigt-Realschule mit viel Fläche und eigener Mensa (im Hintergrund links).

Quelle: Hinzmann

Weende. Dann wird es in Göttingen voraussichtlich keine staatliche Realschule mehr geben. Vor knapp zwei Jahren hatte die Stadt ihre beiden Realschulen zusammengeführt: unter dem Namen Voigtschule am Standort der einstigen Personn-Realschule. „Jetzt wollen wir noch einen Schritt weiter gehen“, sagt Schulleiter Peter Stahr.

In der Gesamtkonferenz und im Schulvorstand hätten das Kollegium, die Eltern und die Schüler bereits zugestimmt. An der Schule unterrichten zurzeit 15 Lehrkräfte und 17 weitere Mitarbeiter etwa 660 Schüler. Für die Umwandlung gebe es viele gute Gründe:

► Nach der Fusion habe sich die Voigt-Realschule schon kontinuierlich in Richtung Gesamtschule entwickelt – unter anderem mit einem großen Ganztagsbereich, mit Schülern aller Lernniveaus von der Hauptschule bis zum Gymnasium und mit individuellen Förderkonzepten.

► Das Realschulsystem habe sich als ungeeignet erwiesen. Trotz und wegen intensiver Förderung würden viele Schüler wechseln – an eine Hauptschulen oder ein Gymnasien. Das bringt auch viel Unruhe.

► Eine IGS könne allen Schülern bis Klasse 13 die besten Perspektiven und alle Abschlüsse bieten – inklusive langer gemeinsamer Schulzeit.

►  Das Voigt-Gelände sei mit mehreren Gebäuden und Mensa hervorragend geeignet für eine IGS.

Mit ihren Plänen gehe die Schule auch auf die Wünsche vieler Eltern ein. Seit Jahren müssten die bestehenden Gesamtschulen in der Stadt viele Bewerber abweisen. „Und wir haben schon jetzt sehr viele Schüler, die ursprünglich zu einer Gesamtschule wollten“, sagt Konrektorin Martina Psyk.

Ziehen Stadt und Land mit, will die Voigtschule ihr IGS-Konzept „in aller Ruhe“ mit Experten und Eltern in einer Planungsgruppe vorbereiten. „Dabei setzen wir auch auf eine enge Zusammenarbeit mit anderen Gesamtschulen“, so Stahr. Und die Schule baue darauf, dass das Schulsystem in Niedersachsen „im Wandel und Fluss ist“, ergänzt Konrektor Rainer Thielert.

Nach geltendem Gesetz müssen Schulträger hohe Hürden überwinden, wenn sie Gesamtschulen gründen wollen. Und sie müssen parallel eine Haupt- und Realschulen vorhalten. Das will die neue Regierungskoalition jetzt ändern. Unterdessen fürchtet die CDU/FDP-Gruppe im Göttinger Kreistag schon einen Konkurrenzkampf: „Eine neue IGS in Weende würde die Bovender IGS als Vorzeigeschule des Landkreises gefährden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Der Voigt-Antrag und Ergebnisse eines Gutachtens zur Schulentwicklung in Göttingen sind Themen im Schulausschuss des Rates. Er tagt heute ab 16 Uhr in der IGS-Geismar, Schulweg 22.  
   
►Kommentar: Geschickte Punktlandung

Besser konnte die Voigt-Realschule ihren Wunsch, eine Integrierte Gesamtschule zu werden, gar nicht platzieren: eine Punktlandung und ein sehr geschickter Schachzug obendrauf.

Eine Punktlandung, weil heute im Schulausschuss ein Gutachten vorgestellt wird, das mit entscheidend sein wird für die Göttinger Schullandschaft der Zukunft. Und weil die gerade erst angetretene neue rot-grünen Landesregierung versprochen hat, dass viele Hürden für neue Gesamtschulen nach der Sommerpause fallen werden.

Ein geschickter Schachzug, weil SPD, Grüne und Linke im Rat schon lange neben der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule und Geschwister-Scholl-Schule eine dritte Gesamtschule etablieren möchte und dabei auch immer wieder  der Schulstandort Weende im Gespräch ist (ungeachtet der Frage, was dann aus eben dieser Realschule wird).

Mit ihrer jetzigen Offensive kommt die Voigtschule einer fremdbestimmten Entscheidung geschickt zuvor. Oder besser: Sie gibt damit ein klares Signal, wo sie selbst gerne hin möchte. Denn nur der Schulträger und damit der Rat entscheidet am Ende, ob und wo er eine neue Gesamtschule einrichten will, ob er auch ohne gesetzliche Vorgabe eine Realschule vorhalten will, und ob Göttingen weiterhin zwei Hauptschulen und fünf Gymnasien braucht.

Viele Fragen, bei denen der Rat dann auch noch die benachbarten Schulen des Landkreises und die vielen Schüler aus dem Kreis an städtischen Gymnasien und Gesamtschulen im Auge behalten muss, um weiteren Streit mit dem Kreistag zu vermeiden. Ein schwieriger Entscheidungsprozess, der heute im Schulausschuss  mit dem externen Gutachten und Ergebnissen einer Elternbefragung erst richtig beginnt. 

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