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Gottesmutter erscheint in einem hohlen Baum in Germershausen

Am 29. März beginnt die Pilgersaison Gottesmutter erscheint in einem hohlen Baum in Germershausen

Die einzige Marienwallfahrtsstätte des Bistums Hildesheim befindet sich nahe des Seeburger Sees im Eichsfelddorf Germershausen. Jährlich besuchen 7000 Pilger den Ort. Am Sonntag, 29. März, beginnt das Wallfahrtsjahr 2009. 

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Maria in der Wiese: Messe zur Großen Wallfahrt.

Quelle: Tietzek

Der Schäfer traute seinen Augen nicht. Abends, als er mit seinen Tieren am Rande des Dorfes Germershausen auf der Masch-Wiese nahe des Bachs Suhle lagerte, sah er es aus einer hohlen Weide hell leuchten. Erst am nächsten Morgen wagte er nachzuschauen. In der Weide entdeckte der Schäfer eine 70 Zentimeter hohe Statue der Gottesmutter Maria. In der einen Hand hielt sie ein Zepter, im anderen Arm den Jesuknaben. So berichtet es eine Legende.

Die Dorfbewohner beschlossen, eine Kapelle zu errichten, will es die fromme Überlieferung. Da ihnen die sumpfige Wiese als ungeeigneter Standort erschien, wählten sie eine Anhöhe über der Masch. Doch das Baumaterial, das sie dort ablegten, fanden sie am nächsten Morgen unten auf der Wiese. Als dies am zweiten Tag nochmal passierte, legten sie sich in der dritten Nacht auf die Lauer. Sie sahen eine weiße Frau, die das Baumaterial nach unten schaffte. Die Germershäuser beugten sich dem Willen der Gottesmutter. So entstand die Wallfahrtskirche Maria in der Wiese. 

„Die Bedenken waren durchaus berechtigt“, kommentiert Pilgerführerin Cornelia Kurth-Scharf. Der feuchte Boden führt zu Gebäudeschäden. Beim letzten großen Hochwasser 1981 lag die Kirche, die über ein paar Treppenstufen zu erreichen ist, inmitten eines Sees. Das Wasser stand an der Türschwelle.  

Das Marienbildnis stammt aus der Zeit zwischen 1400 und 1450, schätzen Kunsthistoriker. Über die Jahre erlitt es Beschädigungen, die mit einem Stoffkleid kaschiert wurden. 1876 erneuerte Bildhauer Richard Möst das Kunstwerk. In der Kirche ist seit den 70er-Jahren nur noch ein Duplikat zu sehen. Das setzte der damalige Konservator des Bistums Hildesheim, Pfarrer Hermann Engfer, durch. Das dies die richtige Entscheidung war, zeigte sich vier Wochen nach dem Austausch. Am 16. Mai 1973 stahlen Diebe die Marienfigur – die echte, wie sie glaubten.  

Ältester Beleg für die Existenz einer Wallfahrtskapelle in Germershausen ist die Kirchenglocke, die aus dem Jahr 1513 stammt. Die ältesten Kirchen im Eichsfeld, dessen Christianisierung 814 abgeschlossen war, finden sich in Heiligenstadt, Duderstadt und Gieboldehausen. Germershausen fand im Jahr 1013 erstmals urkundliche Erwähnung. 

In einer Urkunde erstmals schriftlich erwähnt wird eine Kirche in Germershausen erstmals 1549. Damals bwobachtete ds Erzbistum Mainz, zu dem das Eichsfeld von 1334/42 bis 1802 gehörte, beunruhigt, wie sich der Protestantismus in seinen norddeutschen Territorium ausbreitete. Ein Vierteljahrhundert später war das Eichsfeld evangelisch. In Mainz fiel die Entscheidung, dies rückgängig zu machen. Der Erzbischof beauftragte die Jesuiten mit der Gegenreformation. Diese setzten insbesondere auf die Erziehung der Kinder. Bis 1626 konnten sie die große Mehrheit der Eichsfelder wieder zu Katholiken machen. So entstand jene eigentümliche konfessionelle Exklave im protestantischen Norddeutschland. 

Während des Dreißigjährigen Kriegs nahm der braunschweigische Welfenherzog, der gleichzeitig evangelischer Bischof von Halberstadt war, Rache. Der „tolle Christian“, wie er genannt wurde, zerstörte fast 20 gotische Hallenkirchen im Eichsfeld. Wohl auch das Gotteshaus in Germershausen ging in Flammen auf. 

Rechnungen für Hostien

Die Jesuiten setzten bei der Rekatholisierung neben der Erziehung auf Wallfahrten. Der erste schriftliche Beleg einer Wallfahrt nach Germershausen stammt aus dem Jahr 1678. Dass es schon vorher Wallfahrten gegeben hat, lässt sich aus älteren Hostien-Rechnungen schließen, die für eine kleine Dorfkirche viel zu hoch sind. Von 1682 bis 1824 kümmerten sich Franziskanerpatres aus dem Kloster in Worbis um die Betreuung der Pilger. 

Zu den wichtigsten Förderern des Wallfahrtsbetriebes in Gieboldehausen gehörte Herwig Böning (Jahrgang 1640). Er war mit 26 Jahren Erzbischöflicher Kommissarius für das Eichsfeld geworden, also höchster Geistlicher der Region. Das Amt übte er 56 Jahre lang aus. Unter seiner Regie entstanden nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs fast 40 neue Kirchen, darunter 1710 eine neuen Wallfahrtskapelle in Germershausen. Das Gotteshaus benötigte im Jahre 1739 rund 1150 Hostien, 1785 bereits 2200 Hostien. Im 19. Jahrhundert stieg ihr Jahresverbrauch auf bis zu 3000 Stück.  

 

Nachdem eine gewaltige Überschwemmung 1886 die Kapelle und die benachbarte Dorfkirche fast zum Einsturz gebracht hätte, erfolgte im kommenden Jahr der Neubau einer großen Wallfahrtskirche. Das Sandstein-Gotteshaus entstand in neoromanischem Stil. 1965 kam es im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils zu einer weitgehenden Umgestaltung der Kirche. Die Innenausmalung verschwand hinter einem einfarbigen Anstrich. Die Glasfenster mit figürlichen Darstellungen mussten weichen. Der Chorraum wurde nach den neuen Richtlinien zur Gottesdienstordnung verändert. Die Marienfigur zog in eins der Kirchenschiffe um, wo Bildhauer Hans Joachim Klug einen Gnadenaltar gestaltete. 

Dort thront die Figur heute auf einer Stele, die den Sündenfall zeigt. Maria sitzt in einem schreinförmigen Gehäuse mit kronenartigem Aufbau. An der dahinter liegenden Wand sind Medaillons mit Anrufungen. Blumen schmücken den Altar. Kerzen brennen. Für die Pilger stehen Bänke dort bereit. „Besucher kommen das ganze Jahr über“, berichtet Kurth-Scharf. Ein Buch ist voller Einträge.  

Bettelmönche

Die Pilger werden seit 1864 vom Augustinerorden betreut. Der Hildesheimer Bischof hatte zunächst Bettelmönche der Kapuziner eingesetzt. Dagegen verwahrte sich jedoch die Verwaltung des Königreichs Hannover, zu dem das Untereichsfeld seit 1815 gehörte. Hannover hatte kein Verständnis für Mönche, die von Almosen leben. 

Der Augustiner-Orden hatte 1802 im Zuge der sogenannten Säkularisation, der auch das Erzbistum Mainz zum Opfer gefallen war, alle seine Klöster bis auf eines verloren. Die Augustiner mussten das Eichsfeld 1875 für zwölf Jahre verlassen. Während des sogenannten Kulturkampfs, einer Auseinandersetzung zwischen Preußen und der katholischen Kirche, verbot Berlin auf seinem Staatsgebiet alle Orden. Preußen hatte das Königreich Hannover und damit das Untereichsfeld 1866 annektiert. Zur Grundsteinlegung der neuen Wallfahrtskirche in Germershausen kehrten die Augustiner wieder zurück. Die Wallfahrerzahlen schossen in die Höhe. 10000 bis 12000 Pilger wurden damals im Jahr gezählt. 

Bildungsstätte

Die Mönche engagierten sich auch in der schulischen Bildung. Von 1888 bis 1970 unterrichteten sie junge Eichsfelder. Viele traten später als Erwachsene dem Orden bei. 1972 entstand in den Räumen der Klosterschule die katholische Bildungsstätte St. Martin. Das Bistum finanziert die Einrichtung. Die Augustiner stellen den Direktor. Heute hat Pater Lukas Schmidkunz dieses Amt inne. 

Ein anderer Augustinerpater, Rudolf Götz, ist Pfarrer der Seelsorgeeinheit Germershausen, zu der außerdem die benachbarten Dörfer Rollshausen, Seeburg, Obernfeld und Bernshausen gehören. Bis 2014 soll noch der Ort Seulingen dazukommen. Grund sind die auch im Eichsfeld zurückgehenden Zahlen an Kirchenmitgliedern. Ein zweiter Pater unterstützt Götz. 

Der Orden befindet sich derzeit in einer Umbruchphase. Kaum ein junger Mann möchte noch Mönch werden. „Als ich 1986 den Augustinern beitrat, gab es 160 Mitglieder“, erinnert sich Pater Rudi. Heute sind es knapp 90 Mönche. Gerade mal 21 von ihnen sind jünger als 65 Jahre alt. Im Germershäuser Konvent leben heute fünf Brüder. Es gab Zeiten, in denen es 14 waren. Von Michael Caspar

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