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Lange Warteschlangen vor der Kirche

Reformationstag 2017 Lange Warteschlangen vor der Kirche

500 Jahre nach Veröffentlichung seiner Thesen hat der Reformator Martin Luther am Dienstag für einen Massenandrang in der Göttinger Innenstadt gesorgt. Da die Zahl der wartenden Gläubigen die Kapazitäten der St. Johanniskirche deutlich überstieg, wurde kurzerhand ein zweiter Festgottesdienst organisiert.

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Volles Haus am Reformationstag: In der Göttinger Rats- und Marktkirche St. Johannis wurde das Jubiläum mit zwei Festgottesdiensten gefeiert.

Quelle: Bänsch

Göttingen. Während draußen mehrere hundert Besucher abgewiesen und auf einen späteren Termin vertröstet werden mussten, erzeugten im Inneren die Göttinger Stadtkantorei, das Göttinger Collegium, der Kreisposaunenchor und die Stimmen von mehr als 700 Gläubigen für eine dem Anlass entsprechende feierliche Stimmung.

„Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, sangen einst im August 1529 die Göttinger Wollenweber bei einer Prozession durch die Göttinger Innenstadt und läuteten mit diesem Protest den Beginn der Reformation in ihrer Stadt ein. Am Palmsonntag des Folgejahres wurde die evangelische Kirchenordnung verkündet. Göttingen war reformiert. 487 Jahre nach diesem Datum erklang im Jubiläumsjahr das Lutherlied am Dienstag erneut.

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Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum in St. Johannis

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Superintendent Friedrich Selter beleuchtete in seiner Predigt die Gedanken der Reformation und ihre Bedeutung für die heutige Zeit. Luther habe wie viele seiner Zeitgenossen in Angst vor dem Gericht Gottes gelebt. Die Frage, wie man das eigene Sündenregister bereinigen und so den Weg ins Fegefeuer verhindern könne, beantworteten die Ablassprediger dieser Zeit eindeutig. Wie ein spätmittelalterliches Redewendung besagte: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“

„Das ist nicht mein Thema“

Und genau diese Praxis des monetären Sündenerlasses soll Luther veranlasst haben, seine 95 Thesen zu verfassen und in Umlauf zu bringen. „Das ist nicht mein Thema“, ließ Selter in seiner Predigt einen fiktiven Bahnreisenden nach der Lektüre von Zeitungsartikeln über das Reformationsjubiläum sagen. Die Angst vor ewiger Verdammnis hat sich in den modernen Menschen zu gelegentlich aufkeimenden Selbstzweifeln gewandelt: Mach ich alles richtig? Wer wird eines Tages über mein Leben urteilen und wie? Und während der Theologe Luther zu der Erkenntnis gelangt war, dass der Mensch die Gnade Gottes nur durch Glauben und nicht durch sein Handeln erreichen könne, erlebt Selters fiktiver Bahnreisender seine Erkenntnis beim Blick aus dem Zugfenster. Das Bild einer sich herzlich begrüßenden Familie am Bahnsteig lässt ihn mit Blick auf das eigene Leben zur Ruhe kommen.

An diesem Dienstagmorgen, an dem feierlich der Reformation und damit auch der Trennung der Konfessionen der christlichen Kirche gedacht wurde, war es ein Katholik, der in der Göttinger St. Johanniskirche während des Gottesdienstes Applaus bekam. Dechant Wigbert Schwarze betonte in seinem kurzen Grußwort – „kurz fällt mich immer schwer“ –, dass Ökumene und Reformationen zusammengehören. Er habe in dem zu Ende gehenden Jubiläumsjahr viel gelernt. Es gebe zwischen den Konfessionen viel Verbindendes und so sei 2017 für ihn ein Christusjubiläum. Und mit Blick auf die überfüllte Kirche ergänzte Schwarze, er sei „begeistert, begeistert, begeistert“ von dem regen Zuspruch.

Von der Zahl der Gäste überwältigt

Auch Hausherr Selter räumte ein, er sei von der Zahl der Gäste absolut überwältigt. Niemand im Kreis der Organisatoren habe damit gerechnet, dass der Festgottesdienst derart gut besucht sein würde. Er entschuldigte sich bei denen, die trotz langer Wartezeit keinen Platz gefunden hätten. „Wir sind in einer solchen Situation noch nie gewesen.“

Und während die Gläubigen des ersten Festgottesdienstes am Reformationstag nach zwei Stunden langsam ins Freie traten, füllten sich die Bänke erneut für den zweiten Durchgang.

Ebenfalls mehr Besucher als Plätze gab es zum Reformationsjubiläum in der Duderstädter St.-Servatiuskirche. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Erbe Martin Luthers. Pastorin Claudia Edelmann ging in ihrer Predigt der provokanten Frage nach: „Außer Thesen nix gewesen?“ Mehr dazu lesen Sie hier.

Von Markus Scharf

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