Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Grüne diskutieren mit Wenzel und Habeck

Jamaika, Insektensterben und der Wolf im Land Grüne diskutieren mit Wenzel und Habeck

Zwei grüne Minister, Stefan Wenzel, Umweltminister in Niedersachsen und Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt in Schleswig-Holstein, haben am Montag im voll besetzten Literarischen Zentrum über das Thema „Verantwortung“ diskutiert.

Voriger Artikel
Maisernte: Polizei warnt Autofahrer vor Gefahren
Nächster Artikel
Partyreihe „Amok“ feiert Geburtstag

Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt in Schleswig-Holstein

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Rund 120 Gäste waren gekommen, nicht alle fanden einen Sitzplatz. „Stargast“ Habeck (48 Jahre) und „Lokalmatador“ Wenzel (55) sind beide stellvertretende Ministerpräsidenten ihres Landes. Moderator Mathis Weselmann begrüßte die beiden, die seit vielen Jahren „eng zusammenarbeiten“, so Habeck. Der große Unterschied: Im nördlichen Nachbarland regiert bereits eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Habeck ist zudem Mitglied der Sondierungskommission der Grünen, die eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene vorbereiten soll.

Wenzel allerdings wünscht sich in Niedersachsen eine Fortsetzung der rot-grünen Regierung. „Wir haben in den vergangenen vier Jahren viele Pflöcke eingerammt“, sagte er und erinnerte an seinen „größten Horror“, die Castor-Transporte. Rot-Grün wolle eine „neue Politik“, setze unter anderem auf Klimaschutz, Agrarwende, Sanierung der Grundwasservorräte. „Das wird noch Generationen dauern“, sagte Wenzel auch mit Blick auf das Thema Verantwortung.

Stefan Wenzel, Umweltminister in Niedersachsen

Stefan Wenzel, Umweltminister in Niedersachsen

Quelle: Swen Pförtner

Für Habeck ist es auch Verantwortung, jetzt bei der Regierungsbildung nicht noch länger zu zögern und die Gespräche ernst zu nehmen. „Man muss ja nicht gleich ans Ende denken, sondern erst einmal an den nächsten Schritt, sich aufeinander zubewegen und gucken, was passiert“, sagte er. So sei auch die Koalition in Schleswig-Holstein entstanden.

Demokratie stark genug für AfD

Ist eine Jamaika-Koalition auch ein Modell für Niedersachsen? Wenzel ist skeptisch und sieht eine große Lücke zur CDU im Land. „Bei der CDU weiß man nicht, woran man ist“, sagte er. Auch die Zuschauerfrage nach einer Zusammenarbeit mit den Linken im Land beantwortete Wenzel mit „man müsste das prüfen“. Ausgeschlossen sei definitiv eine Zusammenarbeit mit Rechtsextremen wie der AfD. „Unser Ziel ist es, drittstärkste Fraktion zu werden und mit der SPD eine Regierung zu bilden“, so Wenzel. Habeck war beim Thema AfD der Meinung, dass die Demokratie stark genug sei, damit umzugehen.

Wie die Grünen zu dem Umgang mit Wölfen im Land stehen und ob „Problemwölfe“ künftig geschossen werden dürfen, wollte Zuschauer Christian Mühlhausen wissen. „Wir tun so viel wie möglich, um den Weidetierhaltern zu helfen“, sagte Wenzel. Wenn eine Gefahr von einem Wolf ausgehe, werde auch geschossen, so der Minister. Wichtiger beim Thema Artenschutz sei allerdings das dramatische Insektensterben. „Ein richtig, richtig ernstes Thema“, sagte er, mit „dramatischen Folgen“. Auch Habeck plädierte für einen anderen Weg beim Artenschutz. Die „Verpfützung“, also das Ausweisen kleiner, einzelner Schutzzonen für „Restbestände“, sei nicht mehr die Antwort, sondern eine andere Bewirtschaftung der Flächen.

Grüne haben „keine echte Schnittmenge“ mit CSU

Die Zuschauerfrage nach einer Zusammenarbeit mit der CSU auf Bundesebene beantwortete Habeck: „Wir haben keine echte Schnittmenge.“ Eine Partei, die die Interessen des Bundeslandes vor die des Allgemeinwohls stelle, „geht mir auf den Sender“. In seinem Bundesland wolle die CDU allerdings eine „junge und moderne“ Union sein, mit der Verhandlungen zwar schwierig, aber eine Möglichkeit seien. „Ich wäre froh, wenn ich Jamaika nicht sondieren müsste, das ist unbequem“, sagte er. Aber auch das zähle für ihn zum Thema Verantwortung.

Eine Antwort auf die Trumps und Orbans dieser Welt, eine neue gesellschaftliche Idee solle nun Jamaika finden. „Ihr habt in Niedersachsen noch die Chance, eine Idee voranzubringen - viel Glück dabei, Stefan“, sagte sein Kollege. Und der Umweltminister war ein wenig gerührt.

Von Britta Bielefeld

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
Der Wochenrückblick vom 11. bis 17. November 2017
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt