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Heißt Göttingen bald Martin-Sonneborn-Stadt?

Antrag auf Umbennung Heißt Göttingen bald Martin-Sonneborn-Stadt?

Wird aus Göttingen die Martin-Sonneborn-Stadt? Geht es nach der gemeinsamen Gruppe von Piraten und „Partei“ im Rat der Stadt Göttingen, ist eine Umbennung dringend nötig. Am Freitag, 18. August, will die Ratsgruppe einen entsprechenden Antritt im Stadtrat einbringen.

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Wird aus Göttingen die Martin-Sonneborn-Stadt? Geht es nach der gemeinsamen Gruppe von Piraten und „Partei“ im Rat der Stadt Göttingen, ist eine Umbennung dringend nötig. 

Quelle: DPA

Göttingen. Martin Sonneborn, geboren 1965 in Göttingen, ist ein Satiriker und amtiert als Bundesvorsitzender der „Partei“, die er 2004 zusammen mit anderen damaligen Redakteuren des Satiremagazins Titanic gründete. Seit 2014 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments, in dessen Ausschuss für Kultur und Bildung er sitzt. Der „GröVaZ“, der größte Vorsitzende aller Zeiten, wie er von „Partei“-Freunden genannt wird, kommt eigens zur Ratssitzung nach Göttingen.

Die Göttinger Piraten- und Partei-Ratsgruppe findet, so heißt es im Antrag, dass der Name Göttingen „für unsere Stadt aus mehreren Gründen nicht mehr geeignet“ ist. „Es ist sogar zu bezweifeln, ob der Name überhaupt jemals geeignet war.“ Bei einem Verzicht auf das „ö“ käme man in einer heterogenen Stadt wie Göttingen „unseren neuen Mitbürgern in der schwierigen Integrationsarbeit etwas entgegen“.

Außerdem komme der Stadtname in anderen Sprachen alles andere als gut weg: Das Wort „göt“ bedeute etwa in der türkischen Umgangssprache „Arsch“. In einem Land, so die Ratsgruppe, „dessen Staatsoberhäupter unserem Land immer öfter den einen oder anderen Besuch abstatten, wird diese unsere geliebte Stadt ,Arschingen' genannt“. Die Piraten und die „Partei“ finden: „Das kann und das darf nicht sein.“

Ein „grundsätzliches Argument“, das von den Antragstellern ins Feld geführt wird, ist die Herkunft des Stadtnamens: „Gutingi, Gote (Gosse), Göttingen“ laute die Herleitung, wobei sich auf das Göttinger Stadtarchiv berufen wird. „Das ist wenig schmeichelhaft.“ Angefangen habe zudem alles mit einer von Otto I. verschenkten Siedlung - „unrühmlich“.

„Die Umbennung ist ein wichtiges Wahlversprechen aus dem Kommunalwahlkampf 2016“, unterstreicht die „Partei“-Ratsfrau Helena Arndt. Unter dem Motto „Göttingen positiv besetzen: Nie wieder Göttingen!“ sind am Donnerstag, 17. August, ab 17 Uhr zwei Auftaktveranstaltungen geplant – auf dem Bahnhofs- und dem Albaniplatz. Einen Tag später soll um 15 Uhr ein Demonstrationszug starten, dessen Forderung „Göttingen muss weg!“ ist und der von der Innenstadt zum Neuen Rathaus führt. Hier ist ab 16 Uhr eine Mahnwache geplant.

Die FDP-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Felicitas Oldenburg, ist nur bedingt euphorisiert vom Antrag: „Natürlich werden wir nicht zustimmen.“ Gegen konstruktive Marketingvorschläge habe sie nichts einzuwenden, und man könne sich auch gut Sachanträge von Satirikern vorstellen. „Aber Anträge, die nur den Zweck erfüllen, sich selbst zu bestätigen und zu beweihräuchern, finde ich nicht gut. Wir sind gewählt worden, um Sacharbeit zu leisten, und da fehlt mir die Konstruktivität.“

Oberbürgermeister Rolf-Georg-Köhler (SPD) hält den Antrag in der Sache für „blödsinnig“, weil Göttingen „einen guten Ruf“ genieße und der Stadt „internationale Bedeutung“ zukomme. „Ein gutes Image ändert man nicht.“ Im Übrigen kommentiere er Satire nicht: „Ich genieße sie, oder ich lehne sie ab.“ Selbst den Namen „Rolf-Georg-Köhler-Stadt“ fände er nicht gut - „viel zu lang und nicht einprägsam genug“.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Tom Wedrins, teilte mit: „Wir werden in den Sitzungen der kommenden Woche über den Antrag und den Umgang mit ihm beraten. Ich finde aber, dass wir wichtigere Aufgaben haben, als uns mit Satire-Anträgen zu beschäftigen. Das raubt uns Zeit für dringende Themen wie zum Beispiel den Wohnungsbau.“

Gerd Nier (Die Linke) wünscht sich eher Anträge, in denen es darum geht, "die Lebenssituation in Göttingen zu verbessern. Diese Art von Anträgen mit satirischem Hintergrund halte ich für wenig sinnvoll. Bei allem Humor - das ist nicht unser Stil."

Die Antragsteller sind von ihrem Vorstoß überzeugt. Zu einer „Bundessatirehauptstadt“ mit Elchpreis passe kein anderer Name besser. Sonneborns starke EU-Ausrichtung sei für Göttingen ein Segen, heißt es im Antrag. Seine Anwesenheit im Stadtrat sei ein „deutliches Signal“ auch an die etablierten Parteien, „dass wir keine Spaßpartei wie etwa die FPD sind, sondern unserem Auftrag gemäß versuchen, mit satirischen Mitteln ernsthafte Politik zu betreiben. Statt umgekehrt.“

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