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Hirsch-Verwandte besuchen Ausstellung im Museum

Familiengeschichte Hirsch-Verwandte besuchen Ausstellung im Museum

Dem jüdischen Maler Hermann Hirsch hat das städtische Museum Göttingen eine Ausstellung gewidmet, die nur noch am Wochenende zu sehen ist. Zwei Tage vor der Finissage haben sich Familienmitglieder die Präsentation angesehen.

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Besuchen die Hirsch-Ausstellung: Susanne Philippson, Rainer Driever, Susan und Fritz Lustig (von links).

Quelle: Hinzmann

Fritz Lustig, 91 Jahre alt, steht vor einer Schwarzweißfotografie, die Mitte der 1920-er Jahre entstanden ist. Eine Gruppe fröhlicher Menschen sitzt vor dem Haus Nummer 93 in Bremke, Hirschs Wohnhaus, bevor er 1933 nach Göttingen zog und dort 1934 durch Suizid starb. „Das Bild beeindruckt mich. Fünf der Menschen habe ich gekannt“, sagt der gebürtige Berliner, der seit 1939 in England lebt. Marie etwa, „in der Familie hieß sie Tante Mieke“, Tochter von Hirschs Schwester Julie sowie die Kinder Jürgen und Sabine, „mit denen habe ich gespielt.“ Die etwa Gleichaltrigen, oft in Bremke zu Gast, hätten wie er selbst in Berlin gewohnt. Vor der Judenverfolgung flüchtete dieser Familienzweig später nach Südafrika. Hirsch selbst – „ein Vetter meines Großvaters“ – hat Lustig nie kennengelernt. „Aber mein älterer Bruder hat ihn in den Ferien besucht.“ Zwei Bilder vom „Familienmaler“ sind dem Ehepaar erhalten geblieben.

Der Engländer und seine Ehefrau Susan reisten auf Einladung von Museumsleiter Ernst Böhme und Rainer Driever, der für das städtische Museum das Leben des regionalen Malers Hirsch erforschte, aus Reading an. Aus Bayern zog es Susanne Philippson nach Göttingen, deren Familie ebenfalls mit Hirsch verwandt ist, „wir sind eine sehr weit verzweigte Familie“. Julius Philippson hieß ein Großneffe des Malers, zu sehen auf einer Skizze in der Ausstellung. Er war im Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime aktiv und starb 1943 im Konzentrationslager Auschwitz.

Die Familie seiner Namensvetterin verließ Deutschland 1927. Nach dem Tod ihrer Eltern zog es Susanne Philippson vor einiger Zeit nach Deutschland, „ich wollte sehen, wo sie aufgewachsen sind“. Mit dem ihr unbekannten Verwandten teilt sie den Beruf: Philippson ist Malerin. Bilder von Hirsch sah sie in Göttingen zum ersten Mal.

In letzter Minute schafften es das Ehepaar Lustig und Philippson, sich die Ausstellung anzusehen. Göttingens Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck dankte den Angereisten stellvertretend für diejenigen der Hirsch-Nachfahren, die Informationen und Bilder beigesteuert haben. Mit der Ausstellung sei ein Versäumnis nachgeholt worden, die Aufarbeitung des Schicksals eines für die Region bedeutenden Malers. Dem Bedauern über den späten Zeitpunkt der Ausstellung schloss sich Lustig an – aus ganz persönlichen Gründen: „Ich hätte meine Eindrücke gern mit Familienmitgliedern geteilt, aber ich bin der einzige, der noch lebt.“

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Von Katharina Klocke

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