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Hütte für Fledermaus

Pilotprojekt Hütte für Fledermaus

Die Stadt Göttingen will vom Aussterben bedrohte und strengstens geschützte Fledermäuse aus den sogenannten Treppchenhäusern am Maschmühlenweg in ein neues Quartier in der Nähe locken. Mit ihren eigenen Signalen und dem Duft der alten Dachbalken – ein Pionierprojekt. Gelingt das, darf die Stadt die maroden ehemaligen Schlichthäuser für Flüchtlinge und Obdachlose per Sondergenehmigung abreißen.

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Wochenstube unterm Dach: das Göttinger Mausohr.

Quelle: Stadt Gö

Sie ist per Gesetz so streng geschützt, dass ihr Lebensraum in keinster Weise beeinträchtigt werden darf: die Fledermausart mit dem Namen Großes Mausohr (myotis myotis). Etwa 100 Weibchen hat ein Fledermausexperte auf dem Dachboden der Treppchenhäuser ausgemacht, eine vergleichsweise kleine Gruppe. Es ist ihre Wochenstube, die sie nur im Sommer nutzen. Hier ziehen sie ihre Jungen auf, „der ganze Dachboden ist ihr Flugschulgelände“, erklärt Mathias Weitemeier von der Unteren Naturschutzbehörde. Ihr Jagdrevier sind meistens Buchenwälder im Umkreis von 15 Kilometern. Im Winter ziehen sie sich in Höhlen und Stollen zurück.

Weil die Stadt das Gebäude gerne abreißen möchte hat ein Fledermausexperte ihren Lebensraum und ihr Verhalten genau beobachtet – mit kleinen Ringen für fast alle Tiere und kleinen angeklebten Funksendern bei ausgewählten Exemplaren. Er sollte die vermutete Hauptkolonie suchen und prüfen, ob das Mausohr vom Maschmühlenweg dort ohne Treppchenhäuser bleiben könne. Seine Ergebnisse überraschten, die Göttinger Kolonie ist anders als ihre Artgenossen. Eigentlich sei das Große Mausohr konservativ, die Weibchen kämen immer wieder in ihre angestammte Wochenstube oder Wintergruppe, so Weitemeier. In Göttingen aber seien ständig fremde Fledermäuse ohne Ring aufgetaucht, beringte Tiere dafür in anderen Kolonien.

Weil die Gruppe klein und offenbar nicht konstant sei, habe die zuständige Landesbehörde inzwischen doch eine Abrissgenehmigung erteilt, erklärt Stadtbaurat Thomas Dienberg – unter bestimmten Bedingungen. Die sind so ungewöhnlich wie die Kolonie – und vermutlich einmalig: Am Sportplatz hinter dem Gebäude will die Stadt mit ihrer Sport- und Freizeit GmbH einen Geräteschuppen bauen. Das Dach soll aus Balken und Brettern vom Dachboden der Treppchenhäuser gezimmert werden, damit ihr eigener Duft die Fledermäuse anlockt. Den selben Zweck sollen ihre eigenen Töne vom Band erfüllen.

Von Ulrich Schubert

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