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„Ich schaue nachts immer, ob er noch atmet“

„Keiner soll einsam sein“ „Ich schaue nachts immer, ob er noch atmet“

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden heimgesucht von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Tageblatt-Benefizaktion.

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Öl für Heizung ist zu teuer: Maike heizt mit Holz und schläft im Wohnzimmer vor dem Kamin.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Jeder erleidet Schicksalsschläge. Manche Menschen härtere, manche leichtere. Aber bei der großen Anzahl, die wir einstecken müssen, frage ich mich zeitweise schon, wie wir das aushalten sollen und wie es weitergehen kann“, sagt Maike M. (Name geändert). Ihr Sohn ist herzkrank und verhaltensauffällig, ihr Mann durch eine Krankheit arbeitsunfähig. Die Familie lebt am Existenzminimum. Von 200 Euro im Monat – nach Abzug der Fixkosten.

„Ich arbeite im Einzelhandel, dadurch landen wir rund 50 Euro über der Zuschussgrenze“, sagt Maike. Das bedeute, dass es keinen Zuschuss zu den Heizkosten gebe. Regelmäßig heiß duschen oder ein Bad seien kaum möglich. „Wir können nur etwas Wasser heiß machen und uns damit dann schnell waschen. Heizung und Warmwasser-Aufbereitung laufen mit Öl. Das ist so teuer, dass wir im Moment im Wohnzimmer auf der Couch schlafen müssen, da dort ein alter Kamin für Wärme sorgt.“

Ihr Mann, der durch eine Krankheit seine selbstständige Arbeit aufgeben musste, und ihr Kind seien regelmäßig erkältet, da die Temperatur-Unterschiede in der Wohnung durch den Kamin hoch seien. Und Erkältungen sind gefährlich: Ihr Sohn leidet unter einem angeborenen Herzfehler. „Ich schaue nachts immer, ob er noch atmet“, sagt Maike. Durch die Herzmedikamente werde eine Verhaltensstörung ihres Sohnes verstärkt. „Die Mittel machen ihn aggressiver, aber andere Medikamente gibt es gegen die Herzkrankheit nicht“, sagt Maike, ihr Gesicht mit den Händen abstützend.

Im Kleinkindalter verlor ihr Sohn innerhalb weniger Wochen mehrere Bezugspersonen: Großvater und Tante starben kurz hintereinander, befreundete Kinder zogen weg. „Das hat er nicht so gut verkraftet.  Lebendig war er schon immer, aber seitdem ist er aggressiv gegen sich selbst und gegen andere Kinder.“ Direkt danach tue ihm sein Verhalten oft sehr  leid. Ärzte diagnostizierten eine starke Verhaltensauffälligkeit. „In einer Therapie lernt er,  sich besser zu kontrollieren“,  sagt Maike. Die Psychologin habe ihr erklärt, dass im Kopf ihres Sohnes ein Schalter umkippe und er dann ausraste.

Ihr Sohn hat einen Integrationsplatz im Kindergarten erhalten, Maike geht wieder arbeiten. Der Schichtdienst belaste ihren Sohn jedoch stark. „Er will nicht, dass ich weggehe. Das macht ihn traurig und wütend. Er hat Angst. Das bricht mir immer das Herz. Aber ich muss arbeiten.“
Ansonsten komme ihr Sohn immer zuerst. „Mein Mann und ich verzichten auf fast alles. Aber ich sorge wenigstens dafür, dass mein Sohn eine gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse bekommt.“ Neues Spielzeug oder ein Besuch in der Eisdiele seien jedoch nicht drin. „Im Urlaub waren wir mit dem Kleinen noch nie.“

Sie würde ihm gerne ein Weihnachtsgeschenk besorgen, das mehr als ein Pullover ist. „Aber das ist wohl einfach nicht möglich.“ Erst einmal muss irgendwie ihr altes Auto repariert werden. „Es hat keinen Tüv mehr bekommen, aber ohne das Auto komme ich nicht zur Arbeit. Ich muss manchmal spontan los und Busse fahren nicht in der Zeit, in der ich zum Schichtdienst muss.“ Wie sie das Geld für die Reparatur zusammenbekommen soll, weiß sie nicht.

Ihren Lebensmut hat M. jedoch nicht verloren. „Ich muss kämpfen.  Irgendwie muss es weitergehen. Alleine schon wegen meinem Sohn.“ Unterstützung erhält sie vom Diakonischen Werk. Zum Beispiel habe sie mit ihrem Sohn und anderen Eltern-Kind-Gespannen einen Ausflug gemacht. „Es war schon toll, einfach mal kurz rauszukommen, vor allem für meinen Sohn.“

Von Michael Kerzel

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