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In 45 Minuten durch die 70er Jahre in Göttingen

Neuer GT-Film In 45 Minuten durch die 70er Jahre in Göttingen

Nach den Tageblatt-Filmen über die 50er und 60er Jahre in Göttingen steht nun die Premiere einer neuen DVD bevor: „Die 70er Jahre in Göttingen“, ein 45-Minuten-Film mit Fotos und Filmausschnitten wird am Sonntag, 18. November, 11.30 Uhr im großen Saal des Göttinger Cinemaxx gezeigt.

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1977: Protest gegen Hausabriss an Weender Straße.

Quelle: Städtisches Museum/Bruno Schmidt

In monatelanger Arbeit haben Marie-Luise Rudolph und Nadine Eckermann die DVD zusammengeschnitten und betextet. Begleitet wurde die Serie in diesen Wochen von einer Tageblatt-Serie Zeitreise, für die Katharina Klocke  verantwortlich zeichnet. In jedem Teil der nunmehr dreiteiligen Dokumentarfilmreihe wird eine Dekade der Geschichte Göttingens aufgerollt. Und wie in den persönlichen Erinnerungen geht es nicht darum, die Ereignisse der Stadtgeschichte in chronologischer Reihenfolge zu schildern. Vielmehr wurde hier versucht, den Zeitgeist eines Jahrzehnts wiederzugeben.

Grundlage der DVD-Dokumentationen sind persönliche Erinnerungen einzelner Göttinger, dokumentiert in Form von Videos und Fotos. Die Leser des Tageblattes, die sich an der Göttinger Zeitreise beteiligen, stellen diese Dokumente für das Gemeinschaftsprojekt des Tageblattes und der Stadt Göttingen zur Verfügung. Damit erlauben sie der Redaktion einen Einblick in das Privatleben der Zeit.

Geprägt ist dies wie auch heute von äußeren Umständen. Im Göttingen der 70er  Jahre sind es beispielsweise politische Entscheidungen, die die Lebenswelt der Göttinger verändern. Eine Gebietsreform und die schrittweisen Eingemeindungen der heutigen Ortsteile Göttingens führen dazu, dass aus einer beschaulichen Stadt eine Großstadt wird. Städtebauliche Reaktionen darauf werden nötig, um den vielen Menschen, die nun nach Göttingen ziehen, Platz zu bieten.

Forschungseinrichtungen werden gebaut, das Neue Rathaus entsteht, Firmen beziehen Neubauten in der Stadt. Im Bereich der Innenstadt werden alte Gebäude abgerissen, um neue Bauten entstehen zu lassen. Nicht immer sind die Göttinger damit einverstanden, in den Sanierungsgebieten regt sich Protest. Und auch die Einrichtung einer Fußgängerzone geht nicht geräuschlos vonstatten. Die Geschäftsleute haben Sorge, die Innenstadt könnte verwaisen. Privatleute fürchten, nicht genügend Parkraum zu finden. Schließlich werden Lösungen gefunden – nicht immer kurzfristig, aber sie werden gefunden.

Die Veränderungen der Zeit betreffen aber lange nicht nur das Stadtbild und die Universität. Auch die Festkultur der Göttinger verändert sich. Zu den Traditionsveranstaltungen wie dem Schützenfest oder dem Weihnachtsmarkt gesellen sich Massenveranstaltungen, denen Zeitkolorit anhaftet: Der Kunstmarkt und das Altstadtfest werden aus der Taufe gehoben.

Göttingen findet Gefallen an Kunst, Musik und vor allem an Offenheit gegenüber Kulturformen jenseits des konventionellen Theaters und der klassischen Musik. Teil dieser neuen Kultur sind auch die aufkommenden Flohmärkte, die seit jener Zeit in der Stadt veranstaltet werden.
Teil dieser Kultur ist auch eine neue Individualität in der Mode. Zwischen Bundeswehr-Parka und Glittersakko bewegen sich die Trends des Jahrzehnts, Frisuren- und Rocklängen variieren zwischen Maxi und Mini. Auch hier machen sich die 68er bemerkbar: Dass sich die Geschlechter einmal so aneinander angleichen würden, war wenige Jahre zuvor noch undenkbar. Die Gleichberechtigung verharrt nicht in Äußerlichkeiten, sondern ist auch im Berufsleben sichtbar. Und lässt sich an den Geburtenstatistiken ablesen. Auch hier verändert sich Göttingen. In den 70er Jahren werden deutlich weniger Kinder geboren.

Dafür fahren immer mehr Autos auf den Straßen – ebenfalls eine Folge der Individualisierung. Bis es zum Kollaps kommt und der Sprit knapp wird. Zeitweise gibt es autofreie Sonntage, auch im Göttingen der 70er Jahre.

All diese Themen und zahlreiche Bilder aus dem Privatleben der Göttinger zeigt die DVD „Die 70er Jahre in Göttingen“, die die Redaktion der Zeitreise nun fertiggestellt hat. Zu sehen sind Menschen, die der Zuschauer nicht persönlich kennen muss, um sie zu verstehen. Zu sehen sind auch Menschen, deren Namen noch immer präsent sind. Gerhard Schröder wäre ein Beispiel aus der Politik, die Musikbands Love and Tears oder die Goombay Danceband aus dem Bereich Popmusik.

So bewegt sich der Film zwischen Privatleben und Politik, zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Spaß und Sport – und spricht damit an, was auch einen einzelnen Menschen im Laufe eines Jahrzehnts berührt. Zehn Jahre in der Geschichte einer Stadt – zusammengefasst in 45 Minuten.

Der Film „Die 70er Jahre in Göttingen“ wird am Sonntag, 18. November, um 11.30 Uhr im Göttinger Kino Cinemaxx gezeigt (Einlass ab 11 Uhr, keine Platzreservierungen). Karten für die einmalige öffentliche Aufführung sind ab Montag, 5. November, in den Geschäftsstellen des  Tageblattes in Göttingen, Jüdenstraße 13 c, und Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11, für 2,50 Euro erhältlich. Dort sind dann von Montag, 19. November, an auch die DVD-Filme erhältlich – zum Preis von 14,90 Euro.

Viele Leserfotos, einige Videos und nähere Informationen über das Projekt Göttinger Zeitreise gibt es unter goettinger-zeitreise.de.

Von Ilse Stein und Nadine Eckermann

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Die Zeitreise in Göttingen geht weiter: in den gedruckten Ausgaben des Tageblattes, auf der Tageblatt-Homepage, dem Zeitreise-Portal sowie bei Facebook. Das Ziel der vom Tageblatt und von der Stadt Göttingen ausgewählten Reiseetappen können Leser mitbestimmen: über eingereichte Filme, Fotografien und Geschichten, die das Göttingen von gestern widerspiegeln.

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