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Bienen, Vögel und wir

Diskussion über Insektensterben und Artenvielfalt Bienen, Vögel und wir

Das Insektensterben in der Region, der Rückgang der Zahl der Vögel und die Bedrohung der Artenvielfalt ist auch in der Region dramatisch. Zu dieser Einschätzung kam am Dienstagabend eine Expertenrunde im Neuen Göttinger Rathaus.

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Riesiges Interesse an der Podiumsdiskussion "Erst Bienen, dann Vögel, dann wir?“ im Göttinger Rathaus.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Überraschend groß war das Interesse an dem derzeit in vielen Medien diskutierten Thema. Mehr als 500 Menschen, darunter viele junge Besucher, drängten sich in dem dafür eigentlich zu kleinen Großen Ratssaal zu der Veranstaltung der Grünen-Ratsfraktion. Das Einführungsreferat hielt der frühere Niedersächsische Umweltminister und derzeitige Göttinger Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel (Grüne). Besonders der Rückgang bei den Insekten sei dramatisch, erklärte Wenzel. Deutschland wie auch Europa machten einen Fehler, wenn sie bei der Bewertung von möglichen Ursachen wie beispielsweise beim Einsatz des Pestizids Glyphosat sich auf das Risiko auf das Risiko- statt auf das Vorsorgeprinzip verließen: Beim Risikoprinzip wartet man ab, ob sich schädliche Entwicklungen überhaupt einstellen, um dann die betreffende Praxis gegebenenfalls zu verbieten; beim Vorsorgeprinzip lässt man mögliche Schäden von vornherein gar nicht zu, indem potenziell gefährliche Produkte gar nicht erst zum Einsatz kommen. Außerdem fehle in Deutschland eine ausreichende Überwachung, um die Schäden richtig erfassen zu können – notwendig sei ein professionelles Monitoring.

Für einen dennoch eindeutig nachgewiesenen Artenrückgang führte der Agrarökologe Prof. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen drei Gründe an: die Überdüngung und den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft sowie die Ausräumung der Landschaft. Die Folge: Seit 1990 habe es in der Natur einen Verlust der Biomasse in Höhe von 75 Prozent gegeben. Pestizide und der Rückgang von Blühflächen in der Landwirtschaft führten dazu, dass erst die Kräuter verschwinden, es damit kaum noch Pollen gebe, Insekten damit nicht mehr genug Nahrung fänden und letztlich auch den Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen werde. Für die Optimierung landwirtschaftlichen Prozesse lasse sich eine Faustformel anführen, meinte Tscharntke: „Eine Verdoppelung des Ertrages bedeutet eine Halbierung der Artenvielfalt.“ Besonders die Auswirkungen auf Bienen, Hummeln und andere Sekten seien letztlich fatal auch für die Landwirtschaft selbst: „35 Prozent der Nahrungsmittelproduktion ist abhängig von Bestäubung.“ Um Einfluss auf diese Entwicklung zu nehmen, sollten Landwirte nicht nach Fläche, sondern nach ihrer ökologischen Leistung bezuschusst werden.

Einen dramatischen Rückgang, erklärte Eckard Gottschalk, Biologe am Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie, gebe es auch bei der Zahl der Vögel. In wenigen Jahrzehnten habe Deutschland etwa 57 Prozent der Vögel verloren. Andere Schätzungen gingen sogar von Verlusten von bis zu 80 Prozent aus. Bei Rebhühnern beispielsweise seien die Bestände gegenüber 1980 sogar bis aus sechs Prozent geschrumpft. Ein Bio-Landwirt beklagte die komplizierte EU-Bürokratie beim Umgang mit den gewünschten Blühflächen an den Feldern.

Achim Hübner, Vorsitzender des Landvolks Göttingen, erklärte zu dem umstrittenen Einsatz von Glyphosat, bei einem Verzicht darauf müsse untergepflügt werden, dabei gingen genausoviele Pflanzen verloren. Außerdem stiege dann der Verbrauch von Dieselkraftstoff.

Von Matthias Heinzel

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