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Klimawandel begünstigt Agrarschädlinge

Insektenzucht Klimawandel begünstigt Agrarschädlinge

Insekten können massive Ernteausfälle verursachen. Einige dieser Schädlinge züchtet Prof. Stefan Vidal von der Abteilung Agrarentomologie der Universität Göttingen. Er entwickelt biologische Abwehrstrategien. Das Tageblatt stellt die Insektenzuchten in der Reihe Campus-Ansichten vor (Folge 60).

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In diesem Raum züchten Agrarinsektenforscher Prof. Stefan Vidal und seine Mitarbeiter Insekten.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Mächtige Deckenstrahler sorgen im zweiten Stock des Institutsgebäudes an der Griesebachstraße 6 für taghelles Licht. In Holz- und Kunststoffboxen, die mit Gase bespannt sind, machen sich Insekten über Pflanzen her. Dicke, gelb-braune Kartoffelkäfer skelettieren Kartoffelpflanzen. Die Larven der Rübsenblattwespe fressen Kohlblätter kahl. Auf den Blättern in einer anderen Box sitzen dicht an dicht Grüne Pfirsichblattläuse.

„Einige Insekten werden aufgrund des Klimawandels zunehmend zum Problem“, berichtet Vidal. Das sei in einigen Regionen Deutschlands etwa bei den Larven der Rübsenblattwespe der Fall. Auf dem Vormarsch seien seit 15 Jahren die Weißen Fliegen, Verwandte der Blattlaus. Eine dieser Arten, die Kohlmottenschildlaus, befalle Kohl. In Anbaugebieten, etwa rund um Bonn, litten die Bauern zunehmend unter diesem Insekt. Eine andere Art befalle unter anderem Tomaten, Gurken oder Paprika. Mit seinem Team erforsche er Lebensweise und Vorlieben dieser Insekten, um Maßnahmen zur Bekämpfung zu entwickeln.

„Auf drei Generationen im Jahr kommt in Deutschland mittlerweile die Kohlfliege“, berichtet der Professor. Die dritte Generation lege im Herbst ihre Eier, wenn die Bauern den Raps aussäten. Die Larven machten sich über die Wurzeln der Keimlinge her. In Mecklenburg-Vorpommern fräßen sie ganze Äcker leer.

„Bis vor drei Jahren blieb die Zahl der Kohlfliegen gering, weil Bauern mit Neonikotinoiden gebeizte Rapssamen verwendeten“, weiß der Insektenforscher. Doch dann habe die Europäische Union das unterbunden, da die Wirkstoffgruppe Bienen und Hummeln schädige. Nun werde fieberhaft nach alternativen Pflanzenschutzmitteln gesucht. Er forsche mit seinen Mitarbeitern über Mikroorganismen und Pflanzenextrakte zum Beizen des Saatguts.

„Auch bei der Zuckerrübe könnte das Beizen des Saatguts mit Neonikotinoiden verboten werden“, berichtet Vidal. Damit drohe eine massenhafte Vermehrung von Blattlausarten. Diese Insekten schädigten die Pflanze nicht nur unmittelbar, sie übertrügen zudem Viren. So verursachten sie eine Krankheit, die die Blätter vergilben lasse.

„Vom Verbot zahlreicher Boden­insektizide profitierten die Drahtwürmer“, berichtet der Professor. Die allmählich anwachsenden Populationen dieser Schädlinge würden seit den 2000er-Jahren zum Problem. Die Larven befielen vor allem Kartoffeln, aber auch Mais und Möhren, in Frankreich Melonen, in Belgien Chicorée oder in Bayern den Hopfen. Frische Kartoffeln oder Möhren mit Wurmlöchern seien in Deutschland jedoch unverkäuflich.

Vidal züchtet die Würmer in kleinen Kunststofftöpfchen mit jeweils einem Weizenkorn-Sämling. In jedes Töpfchen wird eine Larve gesetzt. „Zwei Larven würden sich gegenseitig auffressen“, berichtet der Professor. Damit sich die Tiere nicht zu schnell entwickelten, werde die Kammer auf sechs Grad heruntergekühlt.

„Mit Pflanzenschutzmitteln gut im Griff halten lassen sich die Kartoffelkäfer, die Ende des 19. Jahrhunderts aus den USA nach Deutschland eingeschleppt wurden“, führt der Insektenkundler aus. Im Ökolandbau seien sie aber nach wie vor ein Problem. Zwar gebe es ein zugelassenes biologisches Mittel, das sei aber teuer. Daher entwickele eine Arbeitsgruppe in Göttingen ein weiteres biologisches Verfahren.

„Die wissenschaftliche Forschung über Insekten, die in der Agrar- und Forstwirtschaft Schäden verursachen, reicht ins 19. Jahrhundert zurück“, berichtet Vidal. Seit 1815 sei bekannt, dass spezifische Pilze Insekten befallen und töten könnten. Unter anderem dieses Wissen nutzten sie zur Bekämpfung der Schädlinge.

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