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Jeder fünfte Unfallverursacher sucht das Weite

Statistik 2009 Jeder fünfte Unfallverursacher sucht das Weite

Schnell ist es passiert: Beim Ausparken den Abstand falsch eingeschätzt und schon ziert eine Schramme das Nachbarfahrzeug. Häufig wird dann der einfache Weg gewählt: Der Unfallverursacher fährt – das hat bestimmt niemand gesehen – weg.

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Schnell passiert und dann geflüchtet: 2009 zählte die Göttinger Polizei 1 246 Unfälle, bei denen die Schuldigen geflüchtet sind.

Quelle: Heller

Wolfgang Schrader, Verkehrssachbearbeiter bei der Göttinger Polizei, berichtet, dass von 6188 im Jahr 2009 polizeilich aufgenommenen Unfällen in Göttingen 1246 mit Unfallflucht in Verbindung stehen. Das entspricht etwa 20 Prozent. In 99 Fällen handelte es sich dabei um Unfälle mit Personenschäden.

Die Zahlen, mahnt der Verkehrsexperte, müsse man jedoch „differenziert betrachten“. Etwa doppelt so viele Unfälle, als sie polizeilich aufgenommen werden, würden passieren, schätzt Schrader. Solche, die einfach der Versicherung gemeldet werden. Auch seien die Unfallflucht-Fälle zum Teil problematisch. Ein Unfallfahrer, der im Straßengraben landet und behauptet, dies sei bloß geschehen, weil er einem entgegen kommenden Fahrzeug ausweichen musste, wird auch in die Unfallfluchtstatistik aufgenommen.

Ob es den vermeintlichen Unfallflüchtigen gegeben hat oder nicht, ist fast unmöglich nachzuweisen. So liegt die Aufklärungsquote von Unfallfluchten ohne Personenschäden (zum Beispiel der Rempler auf dem Parkplatz) bei 38,5 Prozent.
Bei Unfällen mit Personenbeteiligung liegt sie bei 47 Prozent. „Hier haben wir mehr Ermittlungsansätze“, erklärt Schrader. Das Opfer, dass sich an das Kennzeichen oder wenigstens Teile davon erinnert und weitere Zeugen. Die Beule am Auto hingegen, so Schrader, die womöglich erst nach einigen Tagen auffällt, kann so häufig nicht zurückverfolgt werden.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden bereits 684 Unfallfluchten polizeilich aktenkundig; 2009 waren es 648. Darunter waren 41 Fälle mit Personenschäden (55 im ersten Halbjahr 2009).

Von Lukas Breitenbach

Zum richtigen Verhalten am Unfallort sprach Lukas Breitenbach mit dem Verkehrsrechtler Bernhard Kriesten.

Was muss ich tun, wenn ich meine in einen Unfall verwickelt zu sein und mich nicht strafbar machen will?
Nach einem Unfall droht immer der strafrechtliche Vorwurf eines Unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Zweck dieser Vorschrift ist die Beweissicherung. Deshalb trifft die Beteiligten eine Anwesenheits- und Aufklärungspflicht.

Wie muss ich als Beteiligter zur Aufklärung beitragen?
Die Beteiligten müssen mindestens ihren Namen, die Anschrift, das Fahrzeug mit Kennzeichen und die Art ihrer Beteiligung angeben. Man muss erklären, wie das eigene Verhalten zu dem Unfallgeschehen beigetragen haben könnte. Darauf, ob dies tatsächlich der Fall war, kommt es nicht an. Wer sich selbst unbeteiligt fühlt sollte aber auf jedes Anzeichen achten: Zum Beispiel ob etwa jemand winkt, Haltezeichen gibt, es gekracht hat oder gehupt wird. Dann sollte man sofort an die Unfallstelle zurückkehren. Grundsätzlich also lieber hin und nachfragen als sich weiter entfernen.

Reicht es aus, wenn ich eine Notiz mit meinen Daten am beschädigten Auto hinterlasse?
Nein, ein Zettel oder Visitenkarte reichen nicht aus. Man muss selbst an der Unfallstelle bleiben, woraus sich eine Wartefrist ergibt bis alle Feststellungen getroffen sind. Auch nur für eine kurze Strecke oder kurze Zeit sich zu entfernen ist nicht erlaubt, wenn das Fahrzeug mit von der Unfallstelle entfernt wird oder man als Fußgänger, Radfahrer oder Beifahrer beteiligt sein könnte. Auf jeden Fall muss man an der Unfallstelle eine angemessene Frist gewartet haben. Die Dauer der Wartezeit wird in der Rechtsprechung unterschiedlich und Fallbezogen behandelt.

Gibt es eine Faustregel, wie lange ich warten muss?
Generell gültige Wartezeitangaben sind nicht möglich. Als Orientierung kann man aufgrund einzelner Urteile – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – von folgendem ausgehen: Bei Unfällen mit erheblichem Sachschaden wird eine Wartezeit von bis zu 120 Minuten verlangt. Bei nächtlichen Unfällen auf wenig befahrenen Straßen werden etwa bei einem Leitplanken- oder Baumschaden 30 Minuten als ausreichend angesehen, bei mittleren Schäden bis zu einer Stunde und erheblichen Schäden bis zu 90 Minuten. Bei Unfällen mit Personenschäden oder tödlichen Verletzungen sowie kapitalen Sachschäden beträgt die Wartezeit mindestens 60 Minuten bis zu mehreren Stunden. Bei Bagatellschäden können aber schon zehn bis 20 Minuten ausreichen. Als Faustregel gilt jedenfalls, dass man zur Sicherheit mindestens 30 Minuten warten sollte.

Wie bin ich auf der sicheren Seite?
Immer und sofort die Polizei anrufen und dieser die erforderlichen Angaben machen, sie um Weisung bitten. Die Polizisten kann man dann auch eigene Notlagen oder Eilfälle aufmerksam machen. Wer das Fahrzeug mit Kennzeichen zurücklässt und den Geschädigten sucht kann so auch die Wartezeit verkürzen. Konnten auf diese Weise oder vor Ort mit den anderen Beteiligten alle erforderlichen Feststellungen getroffen werden, dann kann man sich straflos entfernen.

Muss ich die Fahrbahn räumen oder sollten die Fahrzeuge so stehen bleiben?
Man lässt die verunfallten Fahrzeuge im Endstand nach einer Kollision stehen. Behindern die Fahrzeuge den übrigen Straßenverkehr oder stellen sie eine Gefährdung dar, ist der Endstand und sonstige Unfallspuren auf der Fahrbahn zu markieren, günstigstenfalls auch zu fotografieren und die Fahrzeuge zu entfernen. Das heißt aber, dass die Fahrzeuge bei der Unfallstelle bleiben müssen.

Haben Sie ein Beispiel, was man gerade nicht machen darf?
Nach einem Parkrempler in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums parkt ein Beteiligter sein Auto in anderer Reihe verdeckt durch andere Wagen. Er glaubt irrtümlich, der andere Beteiligte habe das gesehen, geht zu ihm hin und sagt, man gehe jetzt einkaufen – wenn die Polizei käme sei man ja zurück und mache dann alle Angaben. Gesagt, getan: Nach einer halben Stunde kehrt man zurück, Polizei weg, Unfallgegner weg, Fahrerflucht erfüllt!

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