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Jühnde fürchtet Aus für Biodorf

„Strompreisbremse“ Jühnde fürchtet Aus für Biodorf

Jühnde. Landwirte, Maschinenringe, Banken im ländlichen Raum und Bioenergiedorfgenossenschaften machen gegen Pläne der Bundesregierung für eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mobil. Die Jühnder Bioenergiegenossen fürchten gar um den Fortbestand ihres Projekts, wenn die Pläne verwirklicht werden.

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Biogasanlage im ersten Bioenergiedorf Deutschlands in Jühnde: Landwirte und Genossenschaft sorgen sich wegen rückwirkender Förderkürzungen.

Quelle: Theodoro da Silva

„Das deutsche Vorzeige-Projekt kann zum Auslaufmodell werden“, warnte Genossenschaftsvorsitzender Reinhard von Werder am Montag in Jühnde. Das Bioenergiedorf soll den sogenannten Gülle-Bonus verlieren – den Aufschlag auf die Stromeinspeisevergütung, wenn eine Anlage mindestens 30 Prozent Gülle einsetzt.

Diese rückwirkende Förderkürzung soll alle Biogasanlagen treffen, die zwischen 2004 und 2008 gebaut wurden – für Jühnde ein jährlicher Einnahmeverlust von 83 000 Euro. Hinzu kämen weitere 15 000 Euro aus einer Kürzung von 1,5 Prozent auf Stromverkauf, beklagte von Werder. Die Folgen wären eine deutliche Anhebung des Wärmepreises für Jühnder, Verzicht auf weitere Investitionen und der Einsatz von Mais statt Gülle.

Es gebe nur Verlierer, so von Werder. „Wobei ich immer noch glaube, dass diese politische Torheit keine Mehrheit findet.“

Vor den Bauch getreten

Das erste Bioenergiedorf Deutschlands ging 2005 mit viel Steuergeld als Modell-Vorhaben an den Start. Viele Jühnder riskierten eigenes Geld, und die Genossenschaft nahm 3,5 Millionen Euro Fremdkapital bei Banken auf, auch für ein effizientes Nahwärmenetz im Dorf. Jährlich wird jetzt eine Million Euro aus Stromverkauf erzielt, aus Wärme 250 000 Euro.

„Wir fühlen uns vor den Bauch getreten“, sagte Hartmut Böning. Der Potzwender Landwirt sieht seine Pläne für einen Ausbau des Kuhstalls mit Bau einer Biogasanlage akut gefährdet. Wenn rückwirkende Eingriffe in der Politik Schule machten, so VR-Bank-Vorstand Folkert Groeneveld, „dann zieht sich unsere Zunft aus der Finanzierung solcher Projekte zurück“.

„Wir wollen, dass die Energiewende in der Region stattfinden kann“, sagte Klaus Anduschus, Leiter des Maschinenring-Arbeitskreises Biogas, und keine „Umverteilung“ von Bürgern zu Großindustrie und Nordsee-Windprojekten.

Strompreisbremse

Wie und ob die steigenden Ausgaben für die garantierten Stromeinspeisevergütungen aus erneuerbaren Energien begrenzt werden sollen, ist höchst umstritten. Umweltminister Peter Altmaier (CDU)und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) einigten sich auf einen Vorschlag für eine „Strompreisbremse“. Der Bundesrat müsste aber noch zustimmen.

Die EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll dieses und nächstes Jahr bei rund 5,3 Cent eingefroren werden und danach nur um maximal 2,5 Prozent im Jahr steigen. Vergünstigungen bei energieintensiven Unternehmen sollen gestrichen werden. Auch Besitzer neuer und bestehender Anlagen sollen zur Kasse gebeten werden.

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"Strompreisbremse"
Sie schlagen Alarm: Vertreter von Bioenergiedörfern und der Landwirtschaftsverbände treffen sich an der Biogasanlage des bundesweit ersten Bioenergiedorfes in Jühnde.

Das erste Bioenergiedorf Deutschlands fürchtet um seine Existenz: Einst im September 2005 gefeiert als erstes Dorf, das seine Strom- und Wärmeversorgung ausschließlich aus Biomasse bezieht, fürchten die Jühnder nun, dass ihr Vorzeigeprojekt im Kreis Göttingen zum Auslaufmodell wird.

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