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Kampf gegen Sprachmonstrositäten

Kreisverwaltung strebt bürgernahe Verwaltungssprache an Kampf gegen Sprachmonstrositäten

Sperrig, förmlich, bürokratisch und manchmal unverständlich: Bürgernah ist die Sprache der Verwaltungen in Schreiben und Bescheiden eher selten. Der Göttinger Landrat Reinhard Schermann hat ein Projekt ins Leben gerufen, um das zu ändern. Er könne jetzt erste Erfolge verzeichnen, meint Schermann.

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„Lichtsignalanlage (LSA)“

Quelle: Fo

„Vink“ – „Verwaltungssprache in Kürze“ – heißt das Vorhaben der Kreisverwaltung, das Beamte und Bürger in die Lage versetzen soll, besser kommunizieren zu können. Wer einen Führerschein haben wollte, sah dieses Ansinnen behördlicherseits bislang als „Ihr Antrag auf Erteilung einer Genehmigung zum Führen eines Kraftfahrzeugs“ betitelt. Nun heißt es schlichter, verständlicher und mindestens ebenso eindeutig „Ihr Führerscheinantrag“.

Solcherlei Vereinfachung, sagt Schermann, sei nicht nur bürgerfreundlicher, sondern auch wirtschaftlicher und effizienter. Bei un- oder missverständlichen Formulierungen würden schließlich klärende Gespräche zwischen Bürgern und Behördenvertretern notwendig. Die für die bürgerfreundlichere Sprache federführende „Stabsstelle für Bürgerdienst, Innovation und Bürokratieabbau“ unter Karin Patzwall steht die linguistische Unternehmensberatung Sprachwerk zur Seite. Die Sprachwerk-Experten haben eine Broschüre erarbeitet, in der die Verwaltungsmitarbeiter die Mittel zur Umsetzung des Ziels bürgerfreundliche Sprache vermittelt werden.

Allerdings: Dem Vereinfachungsstreben sind juristische Grenzen gesetzt. Würden sich die verständlicheren Begriffe zu weit von juristisch relevanter Begrifflichkeit entfernen, sagt Schermann, könnten Behördenschreiben ihre Rechtskraft verlieren. Daher wird die Kreis verwaltung auch von Juristen beraten: Um sich so weit wie möglich von der klassischen Behördenprache zu verabschieden, aber gleichzeitig derlei juristische Klippen zu umschiffen, haben sich Schermann und Patzwall auch Rat von der juristischen Fakultät der Universität Göttingen eingeholt. Abgeschlossen ist die Vereinfachung aber noch lange nicht. Schermann: „Das ist ein Dauerprozess.“

  Begleitgrün entbuschen
  Die Vereinfachung dessen, was Behörden tagaus, tagein an Sprachmonstrositäten absondern, ist offenbar dringend nötig. Dieser Eindruck ergibt sich jedenfalls aus einer Tageblatt-Sammlung besonderer Sprachperlen.
Da wimmelt es in Formularen und Behördenschreiben von Wildursprungsscheinen oder Abgeschlossenheitsbescheinigungen. Das Eintrittsgeld wird zum Benutzungsentgelt, Sparsamkeit bei städtischen Gesellschaften zur verstärkten „Realisierung der Zielsetzung des konsolidierten Gesamtabschlusses gemäß §§ 100/101 Niedersächsische Gemeindeordnung (NGO)“.
Ampeln werden zu „Lichtsignalanlagen (LSA)“, Straßenbäume und -büsche zu „Straßenbegleitgrün“. Wenn das zu stark wuchert, kann behördlicherseits nur eine „Entbuschung“ helfen. Und wenn Äste über einer Straße hängen, heißt das „eingeschränktes Lichtraumprofil“.
Bürger müssen sich mit „Indirekteinleiterkataster-Fragebögen“ herumschlagen. In der Natur finden Behörden „Grünzüge und die kleinräumigeren, die Grünzüge ergänzenden Grünzäsuren“ – „regionalplanerische Ordnungsinstrumente zur Freiraumsicherung“.
Die Berliner Autobahn-Baubehörde, permanent unter Naturfrevelverdacht, denkt sogar an „Fledermausüberflughilfen“. Und wer sich das Auto der Mutter ohne zu fragen ausleiht, kann sich dem Vorwurf der „unbefugten Ingebrauchnahme eines PKW“ ausgesetzt sehen.
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Projekt der Kreisverwaltung abgeschlossen

Nach drei Jahren Laufzeit hat die Kreisverwaltung Göttingen ihr Projekt „Bürgerfreundliche und verständliche Verwaltungssprache“ (Tageblatt berichtete) jetzt offiziell abgeschlossen. Etwa 40 000 Euro habe das Projekt gekostet, erläuterte Schermann.

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