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„Knopf zum Umschalten habe ich nicht gefunden“

Erhard Kokoschka „Knopf zum Umschalten habe ich nicht gefunden“

40 Jahre lang war er die gute Seele des Hauses, beliebt bei Mitarbeitern und Kindern gleichermaßen: Jetzt geht Erhard Kokoschka, pädagogischer Vorstand der evangelischen Jugendhilfe Obernjesa, in den Ruhestand. Heute wird der 65-Jährige offiziell verabschiedet.

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„Ich nehme so viele Bilder mit“: Erhard Kokoschka in seinem Büro.

Quelle: Theodoro da Silva

Obernjesa. „Dumme Menschen machen die gleichen Fehler immer wieder, intelligente machen jeden Tag neue“: Ein Zettel mit diesem Spruch hängt an der Wand hinter Erhard Kokoschkas Schreibtisch. Links daneben prangt das Gedicht Wünschelrute von Eichendorff. „Und dazwischen hängt mein Enkelsohn“, sagt Kokoschka und lacht. Er wirkt gelöst. Dabei habe er sich anfangs schon schwer getan mit dem Gedanken, aufzuhören. Jetzt gebe es aber immerhin „eine leichte Tendenz, dass ich mich auf das freue, was kommt“. „Schließlich soll man gehen, wenn die Leute es bedauern“, sagt er – und lacht erneut.

Kokoschka blickt auf „40 spannende Jahre“ zurück. Das liege daran, dass er in all den Jahren viel mit jungen Menschen zu tun gehabt habe. Sie werde er genauso vermissen wie seine Mitarbeiter. „Ich nehme so viele Bilder mit, dass man da mehrere Leben von zehren kann“, schwärmt er.

Er denkt gerne zurück an die Phase, in der sich die Pädagogik grundlegend veränderte. „Man begann, die jungen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.“

Das gefiel ihm, und daran glaubt er noch heute: „Die Kinder benötigen das Gefühl, dass man sich um sie kümmert“, sagt er – und das mehr denn je. Denn dass die Kinder immer schlimmer werden, gegen solch pauschale Aussagen wehrt er sich vehement. „Die Kinder fordern einfach mehr Aufmerksamkeit“, erklärt Kokoschka. Doch die dafür notwendige Präsenz zu zeigen, das gelinge manchen Eltern nicht. „Dabei wollen alle Eltern gute Eltern sein“, ist er überzeugt.

Kokoschka ist verheiratet und hat selbst zwei Kinder. Sein Sohn ist Naturwissenschaftler. Seine Tochter kommt ganz nach ihrem Vater, sie ist Sozialpädagogin. Wie hat er seine Kinder erzogen? Der 65-Jährige überlegt lange. Sehr lange. Dann antwortet er: „Ich glaube, ich habe meine Kinder nicht erzogen. Wir waren da, wir waren präsent – und haben mit den Kindern gelebt.“ Kinder seien von Geburt an mit vielen Talenten ausgestattet. „Dahin muss ich sie nicht erziehen. Ich muss ihnen die Möglichkeit geben, diese zu entfalten“, sagt Kokoschka.

Bei vielen Kindern, die die Jugendhilfe betreut, hat das nicht funktioniert. Sie sind hyperaktiv oder haben soziale Probleme. „Wir können die Kinder ein Stück begleiten, können ihnen viel Positives mitgeben“, sagt der 65-Jährige. „Aber den Knopf zum Umschalten, den habe ich in 40 Jahren nicht gefunden.“ Kokoschka hat sich damit abgefunden. Er freut sich einfach auf die neue Zeit, die jetzt kommt. Mehr Gelassenheit hat er sich verschrieben. Er will sich mehr um seinen Garten kümmern. Rad fahren. Reisen. Und Klavier spielen. Damit hat er vor zehn Jahren begonnen – und macht immer noch Fehler.

Jugendhilfe betreut 350 junge Menschen
Die evangelische Jugendhilfe Obernjesa gibt es seit 60 Jahren. Der Verein ist Mitglied der diakonischen Werke der evangelisch-lutherischen Landeskirchen Hannovers und Sachsens. Mehr als 200 Mitarbeiter betreuen in der Region etwa 350 junge Menschen in stationären und teilstationären Einrichtungen sowie ambulant. 60 davon besuchen die eigene Förderschule mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Es wird großer Wert auf die Zusammenarbeit mit den Familien gelegt.
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