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Kurt Mannig: 100 Jahre am 19. Dezember

Maler und Restaurator Kurt Mannig: 100 Jahre am 19. Dezember

Er lebte eher zurückgezogen, doch er hinterließ für die Region ein umfangreiches Werk: Vor 100 Jahren wurde der Maler und Restaurator Kurt Mannig geboren. Sein Leben ist geprägt von den großen Umbrüchen und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er am 19. Dezember 1912, am Ende des Kaiserreichs, in Hannover.

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Rathaus und Marktplatz Göttingen: Federzeichnung von Kurt Manning von 1948 für den Göttinger Kalender.

Quelle: Repro: Theodoro da Silva

In seine Kinderjahre fiel der Erste Weltkrieg, in der Spätphase der Weimarer Republik besucht er die Kunstgewerbeschulen in Hildesheim und Hannover. Eine Ausbildung zum Glasmaler in Hannover schließt sich an. Zur Zeit des Nationalsozialismus macht er sich als Maler und Glasmaler selbstständig, ehe er als Kartenzeichner zum Kriegsdienst muss. Bei den Bombenangriffen auf Hannover 1943 wird sein Atelier zerstört, die meisten Arbeiten gehen verloren. Während des Krieges heiratet er seine Frau Hella.

Mit ihr zieht er 1945 nach Göttingen, und eine lange, enge Beziehung zur Leinestadt beginnt. Nicht nur stammen viele Motive seiner Arbeiten aus der Region. Mannig bildet sich auch als Restaurator weiter und spielt auch in dieser Funktion eine wichtige Rolle für die Region. Von 1955 bis 1963 ist er als Restaurator im Städtischen Museum tätig. Er konserviert die Holzskulpturen des Mittelalters und der Neuzeit sowie Gemälde.

Im Anschluss übernimmt er die ständige Überwachung der Skulpturenbestände des Städtischen Museums bis 1990. Auch in Kirchen restauriert er, etwa in St. Albani und St. Jacobi. Mannig habe nach dem damaligen Stand von Wissen und Technik einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Museumsobjekte geleistet, sagt der heutige Leiter Ernst Böhme.

Ein Auge für die Kirchenkunst

Mannigs besonderes Augenmerk habe der bedeutenden Göttinger Kirchenkunstsammlung gegolten. Bei der Bilshäuser Madonna, einem bedeutenden Kunstwerk aus dem 12. Jahrhundert, entdeckte Mannig während der Restaurierung die Reliquien im Kopf.

Die Arbeit als Restaurator und die Einnahmen aus diesem Beruf sicherten Mannig den Freiraum, die er für seine künstlerische Arbeit brauchte. Auch als Künstler war er dem Museum verbunden: Seine Werke wurden dort in Ausstellungen 1968, 1976, 1987/88 und 1997 präsentiert. Dazu kamen weitere Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland sowie auch in Polen und England.

Doch Mannig wirkte auch für andere Künstler. Er gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Gründungsmitgliedern des Bundes Bildender Künstler in Südniedersachsen und arrangierte Kunstausstellungen.

Er lebte eher zurückgezogen, doch er hinterließ für die Region ein umfangreiches Werk: Vor 100 Jahren wurde der Maler und Restaurator Kurt Mannig geboren.

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Als Maler war Mannig zu seiner Zeit nicht unbedingt en vogue. Der Wilhelm-Busch-Bewunderer schielte modernen Strömungen nicht hinterher, sondern entwickelte seinen eigenen Stil. Mannigs Werk enthält eine Fülle von Landschaftsansichten aus der Region und von Motiven aus der Stadt Göttingen. Mannigs Bilder zeigen die Ufer der Leine oberhalb von Friedland, Landschaften bei Obernjesa oder an der Garte.

In Göttingen hielt er unter anderem einen Blick in die Merkelstraße, eine Stadtansicht von Süden oder den Ritterplan  nach dem Abriss des Atlantic-Gebäudes fest. Wohl kaum ein Chronist hat die Entwicklung der Stadt und der Region so gewissenhaft verfolgt wie Mannig.

Sparsam und Zurückgezogen

Er blieb aber nicht auf die Region beschränkt. Er unternahm zahlreiche Reisen und arbeitete auch in anderen Städten als Restaurator. Deswegen finden sich in seinem Werk Motive aus Wetzlar ebenso wie aus Wyk auf Föhr, aus Boston ebenso wie vom Bodensee. Mannig hat es dabei  kaum nach Italien gezogen, dem Eldorado ganzer Künstlergenerationen, sondern vor allem in den Norden, an die Nord- und Ostsee.

Doch auch Menschenversammlungen und Alltagsszenen finden sich in seinem Werk. Er zeigt Menschen in der Kneipe, beim Spirituoseneinkauf, im Hotel, im Garten, auf dem Weg zur chemischen Fabrik, als Nachtmensch und als Wartende.

Ein lauter Kunstbetrieb war nichts für den Künstler: Mannig lebte sparsam und zurückgezogen, hatte einen Zug zum einsamen Einzelgänger. Er drängte nicht in die Öffentlichkeit und ins Rampenlicht; im kleinen Kreis zeigte er sich aber durchaus erzählfreudig. In seinem Haus in der Calsowstraße hatte er sich seine Restaurierungswerkstatt teilweise selbst eingerichtet. Mannig starb am 23. Juli 1996 in Göttingen. Seinen künstlerischen Nachlass vermachte er dem Museum.

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