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Ländlicher Rosenkrieg im Eichsfeld

Neue Identität zum Schutz Ländlicher Rosenkrieg im Eichsfeld

Ein Fall von Stalking in der ländlichen Idylle des Eichsfeldes beschäftigt zum zweiten Mal das Landgericht. Weil der Bundesgerichtshof die Verurteilung eines 47 Jahre alten Handwerkers aufgehoben hat, muss eine andere Kammer feststellen, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig ist. Über Jahre hat er Frau und drei Kinder nach Trennung und Scheidung in Angst und Schrecken versetzt: Nachstellungen, Morddrohungen, Angriffe. Die Familie muss inzwischen gar unter neuer Identität leben, um sich vor ihm zu schützen.

„Ich meine manche Sachen, die ich tue, nicht so, wie sie sich äußern“, sagt der Angeklagte.Das glaubt auch der psychiatrische Sachverständige. Bei seiner letzten Tat, einem Angriff auf den neuen Lebensgefährten der Ex-Frau, sei er mit Sicherheit schuldunfähig gewesen. Auch für vorherige Taten sei das nicht auszuschließen. Der 47-Jährige aus einem kleinen Dorf im Untereichsfeld leide an einer paranoid-schizophrenen Persönlichkeitsstörung.

Kampf ums Haus

Dabei war seine Welt bis 2004 heil und heimelig. 14 Jahre war er verheiratet. Für Frau und Kinder baute er mit dem vom älteren Bruder ausgezahlten Erbteil, viel Eigenarbeit und äußerster Sparsamkeit ein Haus. Doch darum entbrannte ein erbitterter Kampf, als sich das Paar trennte.

Im November 2004 schubst er im Streit seine Frau die Treppe hinunter, wirft sie im Nachthemd auf die Straße. Als sie seinen Auszug und ein Kontaktverbot gerichtlich durchsetzt, ignorierte er dieses immer wieder. „Weil ich so an meiner Familie gehangen habe“, begründet er seine Drohanrufe und -SMS, seine Schmierereien mit rotem Viehstift ans Garagentor und seine ständigen Verfolgungen. Er tut alles, um den Seinen das Leben zu vergällen. „Ich töte euch“, drohte er mehrfach. „Gewinnt man so das Herz einer Frau zurück?“, fragt Richter Dirk Amthauer. „Wenn sie ein Biest ist, nicht“, meint er.

Schließlich eskaliert es beim Kindergeburtstag. Weil auch der neue Freund der Frau auf den Balkon des vom Angeklagten gebauten Hauses mitfeiert, flippt der 47-Jährige aus. Er klettert aufs Garagendach, zertritt Ziegel, springt auf den Balkon, greift den Nebenbuhler an und schlägt ihm ins Gesicht. Selbst sein eigener Sohn greift mit seinem Holzschwert ein, um das Opfer vor dem rasenden Vater zu schützen.

Das Gericht steht morgen vor der Frage, ob er bei allen Taten schuldunfähig war und er deshalb dauerhaft in der Psychiatrie unterzubringen ist – auch wenn keine seiner Taten ein schweres Verbrechen war.

Von Jürgen Gückel

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