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Landkreis Göttingen verbietet Sebert den Verkauf von schlachtwarmem Mett

Hickhack ums Hack Landkreis Göttingen verbietet Sebert den Verkauf von schlachtwarmem Mett

Die Kunden der Göttinger Fleischerei Sebert sind enttäuscht. Das liegt allerdings nicht an der Fleischerei, sondern an der Bürokratie. Und das kam so: Bis vor einigen Wochen hat Hermann Sebert in seinen Filialen neben herkömmlichem einmal pro Woche auch schlachtwarmes Mett verkauft. So hat er es immer gemacht, gestört hat das niemanden.

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Nur im Eichsfeld erlaubt: Produktion und Verkauf von schlachtwarmem Mett – hier rechts im Bild neben herkömmlichem Mett.

Quelle: Walliser

Göttingen / Eichsfeld. Doch damit ist nun Schluss. Das Veterinäramt des Landkreis Göttingen habe ihm den Verkauf untersagt, erzählt Sebert. Der Grund: eine EU-Richtlinie. Die darauf fußende Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung (TierLMHV) verbietet Fleischereien schon seit Jahren, schlachtwarmes Mett zu verkaufen – es sei denn, sie liegen im Eichsfeld.

Dort gilt wegen der langen Tradition der Wurstherstellung und Fleischverarbeitung eine Ausnahmeregelung. Seberts Filialen aber liegen in Göttingen und Rosdorf. Pech gehabt.

Denn ein Lebensmittelkontrolleur des Landkreises wollte es jetzt offenbar ganz genau wissen. „Das muss aufhören“, habe der gesagt. „Und da haben wir uns natürlich auch dran gehalten“, sagt Sebert. „Wir wollen ja nicht gegen das Gesetz verstoßen.“ Er wolle jetzt aber nicht dem Landkreis die Schuld in die Schuhe schieben, ergänzt Sebert.

H. Sebert

H. Sebert

Neue Auflagen der EU

Der mache schließlich nur seinen Job. Schuld seien die immer wieder neuen Auflagen der EU. „Das ist ruinös für uns. Ständig überrollt uns etwas anderes, dabei war einmal von Bürokratieabbau die Rede. Stattdessen wird es kontinuierlich schlimmer. Und das ist jetzt wieder so eine EU-Willkür.“

Von dem Verbot, schlachtwarmes Mett herzustellen, hat Sebert jedenfalls nach eigenen Angaben noch nie etwas gehört. „Es wurde zu uns nicht weitergegeben“, betont er. Und verstehen könne er es schon gar nicht. „Bei uns ist alles ganz frisch, da ist noch nie jemandem etwas passiert.“

Ein paar Kilometer weiter im Eichsfeld aber, da dürfe schlachtwarmes Mett produziert werden. „Das ist schon paradox“, sagt Sebert und spricht von „Wettbewerbsverzerrung“. Seine Kunden seien „empört“. „Die haben das gerne gegessen.“

Auch wenn er den Landkreis ausdrücklich in Schutz nimmt. Eins wundert Sebert doch. „Warum jetzt“, fragt er, „warum hat man uns das gerade jetzt verboten?“ Bei früheren Kontrollen jedenfalls habe das Veterinäramt gegen sein schlachtwarmes Mett nie etwas gesagt.

„Das ist jetzt wohl irgendjemandem aufgefallen in Göttingen“, vermutet Sebert. Denn er hat auch von anderen Fleischereien gehört, dass ihnen die Produktion des schlachtwarmen Metts plötzlich verboten wurde.

Keine Auskünfte über laufende Verfahren

Angesprochen auf den Fall, gibt sich der Landkreis zugeknöpft. „Grundsätzlich können keine Auskünfte über laufende Verfahren erteilt werden“, sagt Sprecher Oliver Ückert. Nur so viel: Tatsächlich sei „in den vergangenen Monaten Fleischereien der Vertrieb von schlachtwarmem Mett außerhalb des Eichsfelds untersagt“ worden.

Betroffen seien auch Fleischereien, die ihren Hauptsitz im Eichsfeld haben. Denn, so Ückert weiter, „auch der Vertrieb von im Eichsfeld produziertem schlachtwarmem Mett außerhalb des Eichsfelds ist gesetzlich verboten“.

Unterdessen hat sich ein Kunde der Fleischerei Sebert beim Tageblatt gemeldet. „Das ist eine Riesensauerei“, sagt er. Das schlachtwarme Mett von Sebert sei immer „taufrisch“ gewesen. Er könne das beurteilen, er sei selbst Lebensmittelkontrolleur gewesen, behauptet der Mann.

Daher könne er auch die Reaktion des Landkreises nicht verstehen. „Ich hätte das jedenfalls übersehen.“ Um so etwas hätten er und seine Kollegen sich früher nicht gekümmert.

Der feine Unterschied

Bei der Zubereitung von Fleisch gibt es in ganz Europa Traditionen. Eine davon: Eichsfelder Mettwurst, Stracke oder Kälberblase, wird warm geschlachtet.

Das heißt: Die Wurst wird aus schlachtfrischen Tieren verarbeitet – ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.

Weil das 2006 inkraft getretene EU-Recht diese traditionelle Verarbeitung erschwert, wurde für das Eichsfeld nach Intervention der Politik eine Ausnahmegenehmigung für den Vertrieb schlachtwarmen Fleisches und Metts erwirkt.

Den Unterschied zwischen schlachtwarmem und herkömmlichem Mett erklärt Fleischermeister Hermann Sebert so: Für schlachtwarmes Mett wird das Fleisch direkt nach dem Schlachten verarbeitet und dann gekühlt.

„Das ist sehr frisch und hat einen besonderen Geschmack“, sagt Sebert. Für die Herstellung von herkömmlichem Mett wird das Fleisch nach dem Schlachten erst einmal durchgekühlt.

Erst am nächsten Tag wird es dann in gekühltem Zustand zu Mett verarbeitet. „Das sieht optisch besser aus“, sagt Sebert.

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