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Langwieriger Kampf um Ausbildung: „Ausgebremst“

Schule abgebrochen Langwieriger Kampf um Ausbildung: „Ausgebremst“

Lebenslanges Lernen, Flexibilität und Einsatz sind auf dem Arbeitsmarkt heutzutage notwendig. Den Satz unterschreiben Politiker gerne. In der Praxis gibt es aber kaum Hilfe.

Göttingen. Ein halbes Dutzend Anträge bei verschiedenen Behörden, aber kein Geld von keiner Stelle. Diese Erfahrung musste ein 34-jähriger Göttinger machen.
Das Ergebnis nach einem Jahr Bemühungen ist neben einem Rechtsstreit mit der Renten-Versicherungsanstalt ernüchternd: nicht zuständig, gesetzliche Bestimmungen, vielleicht geht es auch ohne neuen Beruf und zu alt, so die Behörden. Der Weender musste jetzt die schulische Ausbildung zum landwirtschaftlich-technischen Assistenten abbrechen und sich wieder arbeitslos melden. Die letzten Reserven sind aufgebraucht, mit der Miete im Rückstand, und kaum Chancen auf schnelle Entscheidungen.

Dabei hatte der ehemalige Kfz-Mechaniker mit viel Einsatz versucht, einen neuen Anfang hinzubekommen. Bereits vor einem Jahr meldete er sich bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend. Ihm war klar, dass er seinen derzeitigen Job als Lkw-Fahrer mit Be- und Entladen nicht auf Dauer durchhalten konnte. Ein alter Knorpelschaden führte dazu, dass sein Knie schon wiederholt punktiert werden musste. In seinen alten Beruf als Kfz-Mechaniker kann er auch nicht zurück ohne eine komplett neue Ausbildung zum Mechatroniker. Erst als er sich im Juni ein Praktikum bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt besorgt hatte, kündigte er.

„Ich bin jung und will arbeiten, ich habe nichts gegen körperliche Arbeit“, sagt der Weender. Deshalb wollte er auch als Fahrer solange arbeiten, bis er etwas Anderes hat. Er setzte viel Hoffnung in die Ausbildung. Schon nach zwei Wochen Vorpraktikum im Labor bot ihm die Versuchsanstalt einen Praktikumsvertrag für ein Jahr im Betrieb an – die Voraussetzung um die schulische Ausbildung in Einbeck beginnen zu können.

Kurz vor Schulstart kam die endgültige Absage der Versicherungsanstalt. Ein Gutachter hatte ihm zwar unter anderem eine Knorpelläsion bescheinigt, aber sechs Stunden mittelschwerer Arbeit könne er weiterhin verrichten. Dagegen klagt der Weender. Umschulungen könnten zwar gefördert werden, aber nur um ein Drittel verkürzte berufliche Ausbildungen, so die Arbeitsagentur. Berufsausbildungsbeihilfe wird abgelehnt. Berufliche Rehabilitation hänge vom Einzelfall ab. Arbeitsmarktpolitische Notwendigkeit komme auch nicht in Betracht.
BAFöG für schulische Ausbildung lehnt der Landkreis ab – zu alt. Hilfe vom Göttinger Job-Center gibt es auch nicht, da noch nicht lange genug arbeitslos. Wohngeldzuschuss lässt sich im Prinzip nur bei irgendeinem Einkommen berechnen. Noch hat der Weender die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, aber es blieb ihm jetzt nichts anderes übrig als die Schule abzubrechen und zur Arbeitsagentur zu gehen. „Man fühlt sich ausgebremst.“

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