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An den Wegrändern sollen Blühstreifen entstehen

Leader-Projekt zum Insektenschutz An den Wegrändern sollen Blühstreifen entstehen

Insektenweiden entlang der Wegränder und Feldsäume will der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen mit den Eigentümern der Flächen, den Feldmarkinteressentenschaften und den Kommunen, schaffen. Die Europäische Union fördert das Projekt mit Mitteln aus dem Leader-Programm.

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Blühende Wegränder: Der Landschaftspflegeverband will solche Insektenweiden fördern.

Quelle: r

Göttingen. „Nicht nur auf den Äckern selbst, sondern auch entlang der Wege und Felder blüht seit Jahren kaum noch ein Kraut“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Klaus König-Hollrah. Insekten finden weniger Nahrung. Ihre Zahl und die Artenvielfalt gehe zurück. Damit verlieren Vögel der Feldflur ihre Nahrungsgrundlage, ergänzt Projektmitarbeiterin Sinja Zieger, die ihre Masterarbeit über das Thema geschrieben hat.

„Die Probleme begannen, als die Wegränder und Feldsäume in den 60er-Jahren aus der Bewirtschaftung fielen“, meint König-Hollrah. Bis dahin weideten dort Schaf- und Ziegenhalter ihre Tiere oder ernteten Heu. Seither werden die Flächen gemäht, bevor die Kräuter blühen können. Die Bauern ließen das Gras, das sie nicht mehr nutzen, liegen. So steige der Nährstoffgehalt im Boden an. Das verhindere das Kräuterwachstum. Kräuter hätten zudem – im Gegensatz zu Gräsern – Probleme, durch das aufliegende Gras hindurchzuwachsen.

Flächen erst nach der Brutzeit mähen

„Wir wollen die Eigentümer dafür gewinnen, die Flächen erst nach der Brut- und Setzzeit der Vögel Mitte Juli oder besser noch nach der Getreideernte Ende August zu mähen“, sagt König-Hollrah. Schön wäre es, wenn auch einmal ein Jahr nicht gemäht werde. Bei einer Maht solle zudem nicht sofort alles bearbeitet werden. Teilstücke reichten. Landwirte, die auch Jäger seien, haben die Methode bereits mit Blick auf die Feldvögel übernommen.

„Es muss nicht alles gemäht werden“, meint dazu Kreislandwirt Hubert Kellner. Der Ackerrand sei schließlich „kein Golfplatz“. Er werde allerdings auch in Zukunft den Bewuchs „ein, zwei Meter“ vom Acker entfernt „kurz halten“. Er wolle nicht, dass sich Disteln und Kräuter auf dem Acker ausbreiteten.

Quelle: r

„Das abgeschnittene Gut muss abgefahren werden“, wünscht sich König-Hollrah. Während der dreijährigen Laufzeit des Projekts wollten sie gezielt nach möglichen Nutzern suchen. Vielleicht gebe es Pferde- oder Kleinviehhalten. „Bei uns in Mengershausen nutzen sie es bereits teilweise“, berichtet Milchbauer Gerald Henze. Ein Problem sei allerdings die Verschmutzung des Heus durch Hundekot.

„Vielleicht haben Biogasanlagen Interesse am Heu“, überlegt der Verbandsgeschäftsführer. „Veränderungen beim zugeführten Material bringt das Bakterienleben in der Anlage durcheinander“, meint dazu der Kreislandwird. Zudem gebe es vertragliche Vereinbarungen auf der Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetz, woraus das Gas gewonnen werden solle.

Durch Heu entstehen Kosten

„Das Heu lässt sich gegebenenfalls auch kompostieren“, erklärt König-Hollrah. „Es einzusammeln und abzufahren verursacht Kosten, die jemand tragen muss“, gibt Kreislandwirt Kellner zu bedenken.

„Wir wollen auch im Zuge des Projekt auch ansprechen, dass teilweise – gegen geltendes Recht – Dünger und Pflanzenschutzmittel auf den Wegrändern landen“, sagt König-Hollrah. „Wer moderne Technik mit GPS-Steuerung einsetzt, dem passiert das nicht“, sagt dazu Milchbauer Henze. Bei starkem Wind würden die Arbeiten eingestellt. Ehrenamtliche Regionalbeauftragte des Landkreises für Naturschutz haben allerdings Verstöße dokumentiert.

Von November an will Zieger das Projekt bei den 60 Feldmarkinteressenschaften im alten Landkreis Göttingen, ihnen gehören zwei Drittel der Flächen, und bei den Kommunen vorstellen.

Von Michael Caspar

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