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Männer nach Frauen-Streit vor Gericht

Aus dem Amtsgericht Männer nach Frauen-Streit vor Gericht

Der Angeklagte ist Profi. Als Sicherheitsfachkraft sollte er wissen, wie man Streit schlichtet. Jetzt wird ihm vorgeworfen, selbst aktiv eingegriffen zu haben. Der 38-Jährige soll gar einen 33-Jährigen brutal niedergeschlagen und am Boden liegend noch mit den Füßen getreten haben. Gefährliche Körperverletzung nennt das die Anklage. Der schwerste Vorwurf: Tritte mit dem Schuh auf den Kopf, als das Opfer wehrlos mit dem Gesicht auf dem Asphalt lag.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Wer hat was gesehen am Morgen des 5. August 2012 vor der Eingangstür des Alpenmax am Weender Tor? Das ist die Frage vor der Amtsrichterin. Die Antwort: Jeder was anderes. Und kaum etwas passt zueinander.

So viel ist sicher: Ausgangspunkt war ein Streit unter Frauen. Drei Damen waren mit verbalen Entgleisungen übereinander hergefallen. Dann griff das spätere Opfer mit einem Schimpfwort ein, das hier zu drucken der Anstand verbietet. Es besteht aus drei Substantiven, beginnt mit „Sch“ und endet pornografisch. Es brachte dem in diesem Prozess als Nebenkläger auftretenden 33-Jährigen ein Strafverfahren wegen Beleidigung ein, das aber wegen geringer Schuld eingestellt ist.

Die Anklage gegen seinen Widersacher schreibt ihm allerdings mehr als nur Beleidigung zu. Er soll in den Streit der Frauen dadurch eingegriffen haben, dass er zum Schlag ausholte und die Gegnerin seiner Freundin am Busen traf. Das, so die Anklage, sei der Moment gewesen, in dem der jetzt angeklagte Sicherheitsfachmann gewaltsam eingegriffen habe.

Er habe mit Anlauf den 33-Jährigen von hinten in den Rücken getreten, ihn so zu Fall gebracht, ihn dann am Boden liegend weiter getreten und ihm schließlich von oben auf den Kopf getreten. So beschreibt es ein 37 Jahre alter Informatiker, Zeuge der Schlussphase des Streits. Als er eingegriffen habe, seien ihm vom Angeklagten Schläge angedroht worden.

Auf Nachfrage bleibt der Zeuge dabei: Ja, von oben auf den Kopf, das Gesicht des Opfers unten. Warum das dann keine Verletzungen im Gesicht gegeben habe, grübelt Verteidiger Patrick Riebe.

Noch einiges andere passt nicht zusammen. Ein 56 Jahre alter Taxifahrer, erfahren als Zeuge nächtlicher Schlägereien, zur Tatzeit wohl als einziger nüchtern und absolut neutral in dem Streit, schildert den gesamten Tatablauf bis zu dem Moment, als alles vorbei war. Von Tritten auf den Kopf habe er nichts bemerkt.

Bei ihm endet die Tat völlig anders. Er sagt ganz offen: „Eigentlich sehe ich den Beschuldigten als Opfer an.“ Der 33-Jährige sei sehr wütend gewesen, „ich habe gedacht, das wird gleich gefährlich“. Jede Sekunde hätte er die Frau schlagen können. Da erst sei der Türsteher dazwischen gegangen, habe ihn weggeschubst und der sei hingefallen. „Er kam nur zu Hilfe.“

Das Opfer selbst indes schildert „fünf bis zehn Tritte“. Vorher habe er „natürlich nur zurück beleidigt“. Er sei nicht einmal in der Nähe der Frauen gewesen, als er von hinten umgetreten worden sei. Aussagen, die die wortgewaltigen Frauen, die natürlich auch als Zeuginnen gehört werden, noch einmal ganz anders schildern.

Am Ende bleibt vieles offen, aber den beantragten Freispruch gibt es nicht. Mit sechs Monaten auf Bewährung fällt die Strafe aber milde aus. 800 Euro muss der Angeklagte als Auflage zahlen – an den Verein Woge. Als Schmerzensgeld soll das Opfer das nicht bekommen. Beleidigungen wie „Sch...“ seien „schließlich keine Großtat“, sagt Richterin Renate Knauer.

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Eltern nicht informiert
Das zuständige Amtsgericht hat die Eltern der getöteten Denise nicht über die Freilassung des Täters informiert.

Bei der Entlassung des 24-jährigen Berufsschülers, der vor sechs Jahren die 17-jährige Denise während der Dorf-Disco in Asche getötet hat, ist es offenbar zu einer Panne gekommen. Das zuständige Amtsgericht hatte die Eltern der getöteten Denise nicht über die Freilassung des Täters informiert, obwohl sie dies beantragt hatten.

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