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Laterne, Laterne

Wochenendkolumne Laterne, Laterne

Kaum waren die halloweenschen Heerscharen aus Monsterclowns und Zombieprinzessinnen weitergezogen, klang es die letzten Tage schon wieder von den Straßen zu unseren Fenstern herein. „Laterne, Laterne - Sonne, Mond und Sterne...“, sangen die süßen kleinen und großen Racker.

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Martinsumzug

Quelle: dpa-Zentralbild

Göttingen. Kaum waren die halloweenschen Heerscharen aus Monsterclowns und Zombieprinzessinnen weitergezogen, klang es die letzten Tage schon wieder von den Straßen zu unseren Fenstern herein. „Laterne, Laterne - Sonne, Mond und Sterne...“, sangen die süßen kleinen und großen Racker. Und ihre erwachsenen Begleiter lächelten beseelt oder gequält. Was war das bei uns noch schön damals, als echte Kerzen in den selbstgebastelten Papierlaternen durch die dunkle Nacht funkelten.

Und heute? Also zunächst einmal ist spätestens seit der Aufrüstung der Straßenbeleuchtung innerhalb der meisten besiedelter Gebiete nichts mehr mit dunkler Nacht. In meiner Kindheit funzelten bei uns im Dorf genau drei schmutziggelbe Lichtkegel mit einem Durchmesser von maximal einem halben Meter - einer an der Bushaltestelle, der andere vor der Kirche und der dritte am Zigarettenautomat. Der Rest war in gemütliches Dunkel gehüllt. Dafür können heute bei voller LED-Befeuerung kleine Flugzeuge auf der Hauptstraße landen. Ist ja auch schön.

Ein zweites Problem heutiger Laternenumzüge ist, dass offenes Feuer offenbar mit neuesten Erkenntnissen moderner Erziehungswissenschaft unvereinbar scheint. Was da alles passieren kann. Erst greifen die Flammen auf das bunte Transparentpapier über, wenig später flackert schon die ganze Pappkonstruktion inklusive Holzstab. Anorak, Hose, Socken, Schuhe - alles brennbar. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, stünde das arme Kind nach den Löscharbeiten ganz ohne Licht da. Und weil das natürlich nicht sein darf, sieht im Jahr 2017 eine vom Tüv geprüfte Herbst-Leucht-Prozession in voller Belegschaft so aus: Vorn läuft der Papa mit Stirnlampe und erkundet die Umgebung, Ersatzakkus in der Jackentasche. Gefolgt von Opa mit Regenschirmen und Ersatzbekleidung. Dahinter dann schreitet das witterungsabweisend verpackte Kind an der Seite seiner Mama. Beide haben etwas in der Hand, das man wohl am treffendsten als plastikgewordene Fernost-Ästhetik beschreiben könnte. Diese elektrifizierten Leuchtgebilde funkeln und glitzern in ihrer ganzen 9-Volt-Pracht eher wie eine Bordelltür als Sonne, Mond und Sterne. Die Nachhut schließlich bildet Oma mit Sonnenbrille und Liederzettel. „Laterne, Laterne...“

Am Wochenende marodieren dann übrigens auch noch die Martinssänger durch die Straßen. Gleicher Aufzug, ähnliche Melodie, anderer Text. Aber Achtung! Die Polizei warnt vor schwarzen Schafen zwischen den trällernden Plagegeistern und gibt Ratschläge für den richtigen Umgang: Lassen Sie sich vom niedlichen Äußeren nicht täuschen, halten Sie zur Abwehr direkt an der Tür eine Schale mit Süßigkeiten bereit und lassen Sie sie bloß nicht ins Haus.

Abschließend noch ein persönlicher Tipp von mir. Drücken Sie den Kleinen einfach eine selbstgebastelte Laterne mit echter Kerze in die Hand. Wenn all die Eltern mit ihren Befürchtungen Recht haben, dann ist schnell Schluss mit dem Gesinge.

Live vom Laternenumzug berichtete für Sie Markus Scharf.

Von Markus Scharf

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