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„Meine Bezahlung sind glückliche Kinder“

Kuscheltier-Reparatur „Meine Bezahlung sind glückliche Kinder“

Ein Kuscheltier muss in seinem Leben eine Menge aushalten. Es wird gedrückt, gequetscht und besabbert, geschleift, geliebt und umklammert – und irgendwann kann es nicht mehr.

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Zwischen Stoffen, Pelzen und Entwürfen: Celia Mollmeier in der Werkstatt ihres Puppenstudios in Rosdorf.

Quelle: Hinzmann

Das Fell ist abgewetzt, Auge oder Arm fehlen, und manchmal rollen auch Köpfe. Spätestens dann ist das Drama perfekt, denn ohne ihr Kuscheltier sind viele Kinder aufgeschmissen. Ohne Teddy schlafen gehen? Unmöglich. Nie wieder mit Püppi spielen? Unvorstellbar. Eltern, die dachten, sie wüssten, wie laut ihr Kind weinen kann, werden überrascht sein: Es geht noch viel lauter.

Celia Mollmeier kennt das zu Genüge. Die Rosdorferin hat nicht nur selbst zwei Töchter, sie ist für viele Eltern von Kindern mit kranken Kuscheltieren auch die letzte Rettung. Denn Mollmeier ist Puppen- und Teddybären-Doktorin, und obendrein fertigt sie Puppen und Kuscheltiere in allen Variationen. In Rosdorf, unweit des Gemeindezentrums, betreibt sie eine kleine Werkstatt nebst Laden. Hier sind sie zu Hause, die von ihr genähten Puppen, Teddys, Häschen und Hunde, und hier werden sie behandelt, wenn es ihnen schlecht geht. „Denn der Teddy ist der Seelentröster des Menschen“, sagt Mollmeier.

Wenn sie ein Kuscheltier reparieren soll, möchte die Puppendoktorin auch immer das Kind sehen, dem es gehört. Schließlich müssen weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Wie soll die Farbe des neuen Fells aussehen? Was darf auf keinen Fall verändert werden? Wie lange darf die Reparatur dauern? Außerdem müssen die Kinder sehen, wer da Hand anlegt an ihren geliebten Teddy. Das indes ist das geringste Problem, denn die 59-Jährige weiß, wie ernst die Kinder einen solchen Eingriff nehmen.

So wie das Mädchen, das unlängst mit seiner Mutter und einer großen Tasche in den Laden kam. Liebevoll zugedeckt transportierte es darin seinen Teddy, der, vorsichtig ausgepackt und von seinen Kleidern befreit, schwer mitgenommen war. „Wenn die Kinder ihr Kuscheltier mit ins Bett nehmen, versuche ich es noch am gleichen Tag zu reparieren“, sagt Mollmeier. Acht, neun Stunden sitzt sie dann in ihrer Werkstatt und näht, immer mit Nadel und Faden, weil eine Maschine nicht so genau arbeite wie ihre Hand, sagt sie. Aber für den Teddy des kleinen Mädchens würde sie länger brauchen, das war klar.

Zwei Tage später kam die Mutter, um ihn abzuholen, doch ihre Tochter hatte sie nicht dabei. „Ich hätte so gerne das Gesicht ihrer Tochter gesehen“, sagte Mollmeier zu ihr, und die Mutter antwortete, dass sie aus Thüringen komme und vier Stunden unterwegs gewesen sei. „Das hatte ich nicht gewusst“, staunt Mollmeier noch heute. Eine Woche später klingelte ihr Telefon, und eine leise Stimme fragte, ob sie die Puppendoktorin sei. „Ja“, sagte Mollmeier, und da bedankte sich das Mädchen aus Thüringen und sagte, dass der Teddy genauso aussehe wie früher. „Das ist meine eigentliche Bezahlung: glückliche Kinder“, sagt Mollmeier. Auch deswegen gibt sie in den Ferien Nähkurse für Kinder. „Sie müssten das Gesicht sehen, wenn sie ein Kuscheltier fertig haben. Das ist toll“, sagt sie und lacht.

Es sind aber bei Weitem nicht nur die jungen Semester, denen Mollmeier hilft. „Es kommen auch wahnsinnig viele Männer vorbei, die ihren Teddy bei mir reparieren lassen“, sagt die 59-Jährige – und die können bisweilen komplizierter sein als manches Kind. Einmal suchte ein älterer Herr die Puppenstube mit einem ramponierten Teddy auf, den er vor vielen Jahren von seinem Vater bekommen hatte. Weil das Kuscheltier mit Schafwolle gefüllt war, in der sich Motten breit gemacht hatten, wollte es Mollmeier zuerst einige Tage in den Kühlschrank legen – denn Kälte mögen die kleinen Tierchen gar nicht. „Das kann ich nicht“, entgegnete der Mann. Er wolle den Teddy nur restaurieren lassen. „Er hat das nicht übers Herz gebracht, den Teddy in den Kühlschrank zu stellen“, sagt Mollmeier. Das mag befremdlich wirken, sie aber kann auch das verstehen.

Was sie indes bis heute nicht versteht, ist, dass sie als Kind keinen Teddy haben durfte. Ihr Vater fand, dass sich das für Mädchen nicht gehöre. Dafür hatte sie eine Puppe. „Die war herrlich“, erinnert sich die 59-Jährige, die aus Nicaragua stammt und seit 33 Jahren in Deutschland lebt. Nie hätte sie diese Puppe missen wollen.

Daher hält sie für alle Eltern noch einen Rat bereit. „Wenn sich ein Kind für ein bestimmtes Kuscheltier entschieden hat, kaufen Sie es gleich zweimal.“ So habe man immer Ersatz und erspare sich große Dramen. Auf eines aber müsse man unbedingt achten, sagt Mollmeier. Man müsse die Tiere immer wieder untereinander tauschen. „Nur so behalten beide ihren typischen Geruch.“ Der sei für Kinder noch wichtiger als ein unbeschädigtes Kuscheltier.

  Kurse Für Kinder
  Celia Mollmeier gibt in den Schulferien Kurse, in denen Kinder ab zehn Jahren von ihr entworfene Plüschtiere selbst nähen können. In den Osterferien gibt es gleich vier Kurse. Im ersten am Wochenende 16./17. April nähen die Kinder Wolli, das Schaf. In Eintageskursen am 18., 19. und 20. April werden Ostersträuße aus finnischem Papiergarn hergestellt. Anmeldung und weitere Infos im Puppenstudio Mollmeier, Am Plan 10, unter Telefon 05 51 / 7 89 93 23.
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