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Menschenraub im Ostviertel

Vor Gericht Menschenraub im Ostviertel

Nach dem Besuch einer Spielbank ist ein 46 Jahre alter Göttinger vor seinem Haus im Ostviertel von einem mit Pistole bewaffneten Maskierten überfallen und entführt worden. Jetzt steht der noch auf frischer Tat festgenommene Räuber vor Gericht.

Der Anklage nach war es räuberische Erpressung und Menschenraub. Der 38 Jahre alte Türke aus Bad Wildungen stellt es hingegen als den Versuch dar, sich lediglich sein eigenes Geld mit Waffengewalt wiederzuholen. 50000 Euro, die er selber geliehen und bei dem Göttinger Finanzvermittler für ein halbes Jahr „zum Vermehren“ angelegt habe, habe er in jener Nacht zum Heiligabend 2008 zurückgefordert. Das Geld will er dem Finanzfachmann gegeben haben, damit er „50 Prozent mehr daraus macht“. Das Opfer sagte aber vor Gericht aus, er habe den Angeklagten vor der Tat nicht gekannt.

Die Anklage wirft dem arbeitslosen Maler ordinären Raub und Entführung vor. Vor dessen Haus im Ostviertel habe der maskierte Angeklagte seinem Opfer, einen US-Amerikaner, aufgelauert, als dieser aus dem Casino kam. Er soll einen großen Gewinn bei ihm vermutet haben.

Immer nur einen Zug gedacht

Er sei in sein Auto gestiegen und habe den Vermittler mit der Pistole und einem Elektroschocker bedroht. Das Opfer aber behauptete, alles verspielt zu haben, schlug vor, ins Büro zu fahren, wo er Geld aus dem Safe holen könne. Mit der Schusswaffe am Hals sei der Überfallene dann durch die Stadt gefahren, sei schließlich zur Umkehr gezwungen worden und habe den Räuber mit in seine Wohnung genommen. Dort sei seine Frau erwacht, habe die Polizei gerufen, und es sei zum Gerangel mit dem Täter gekommen, in dem der Amerikaner den Türken einschließen konnte, sodass die Polizei ihn gleich darauf festnahm. Die Verwirrung mit Autofahrt und Rückkehr zur Wohnung, so der passionierte Schachspieler, habe er bewusst provoziert, um eine Chance zu finden, den Räuber zu überwältigen. Dieser, so sagt er, hab „immer höchstens einen Zug weiter gedacht“. 

Auch sonst gibt das Opfer, Chef einer in den USA ansässigen Finanzvermittlungsfirma, als Zeuge einen Einblick in die Welt eines „Zockers“, wie er sich selbst bezeichnet: Er „zocke auf wissenschaftlicher Grundlage“, beim Roulette etwa auf „quantenphysikalischer Basis“ und nach eigener Interpretation bisher gefallener Zahlenmuster, der sogenannten „Fortschrittstabelle“, die an jedem Roulettetisch geführt wird – „nennen Sie es: nach Gefühl“, ergänzt er.

Von Jürgen Gückel

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