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Merkel vs. Joker

Wochenendkolumne Merkel vs. Joker

So langsam trudeln die letzten Freunde, Verwandten und Nachbarn wieder ein, Kollegen kehren an den Arbeitsplatz zurück. Ob aus Höflichkeit, echtem Interesse oder Bösartigkeit kommen dann die Fragen. Die neutralste Version: „Und, wie war der Urlaub?“

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Quelle: dpa

Manch einer greift zu schärferen Formulierungen: „Na, verbrannt oder abgesoffen?“ Bei mehrteiligen Fragestellungen lässt sich die Spannung auch langsam steigern: „Wo waren Sie denn? (Pause, Antwort abwarten und dann hinterherschieben) „War nicht so gut, oder?“

Ich habe mir seit Langem angewöhnt, diese Fragen erstens nicht mehr zu stellen, und sie zweitens im Gegenzug auch nur noch knapp und emotionslos mit „Wirklich toll“ zu beantworten. Das ärgert den Fragenden und bietet kaum weiteres Gesprächspotenzial. Denn niemand will hören, wie toll „wirklich toll“ wirklich war. Gutes Wetter? Nette Menschen? Günstiges Pauschalangebot? Waren die Kinder glücklich und haben bei Hin- und Rückfahrt selig geschlafen? Hatte man am Ende sogar Spaß, Erholung und Schokolade? Man will es nicht hören.

Wollen Sie doch? Also gut. Ausnahmsweise. Ja es war wieder wirklich toll - einerseits. Wetter war ok, Kosten überschaubar und das Kinderbespaßung-Elternerholungs-Verhältnis beinahe ausgeglichen. Auf Hin- und Rückfahrt hat allerdings nur der Hund geschlafen. Wie an dieser Stelle schon einmal erwähnt: Wir sind Camper, ausgesprochen treue Oldtimer-Ostsee-Camper. Auf einer der Inseln, die für sich in Anspruch nehmen, Deutschlands sonnenreichstes Fleckchen zu sein und die mit der gleichen Berechtigung als Rentner- und Familienparadiese verschrien sind. Früher abgebrochen haben wir aber aus einem anderen Grund.

Tatsächlich konnten wir nach knapp zwei Wochen keine Mentolabialfalten mehr sehen. Dieses anatomische Phänomen der hängenden Mundwinkel, das in der Medizin gerne auch nach unserer Bundeskanzlerin benannt wird, hat uns die Laune verdorben. Unsere Artgenossen strahlten eine derartige Lebensfreude aus, dass wir uns irgendwann nicht mehr zu helfen wussten und die Flucht vor der sich anbahnenden Depression antraten. Was zum Teufel ist da oben los? Sicher, es ist Merkels Wahlkreis. Vielleicht wollen die Wähler da einfach ein bisschen wie Mutti aussehen. Außerdem haben sie immer noch keine echten Wellen, Jobs oder Internet. Und dann ist ihnen auch noch Manuela Schwesig an die Landesspitze gesetzt worden.

Wir haben es also vorgezogen, noch einige Tage in der Region zu urlauben, auch wenn unsere Heimat auch nicht als Hort des übertriebenen Frohsinns oder unerträglicher Sonneneinstrahlung gelten darf. Ein bisschen Harz, ein wenig Weser und tatsächlich einige lächelnde Menschen. Der Erholungsfaktor war enorm. Wo es im nächsten jahr hingeht? Völlig offen. Vielleicht haben wir uns bis dahin ja von den vorpommerschen Mentolabialfalten erholt.

Noch ein kleiner Tipp aus dem Internet an die ferne Ostseeküste: Schönheitsmediziner empfehlen gegen hängende Mundwinkel die Anwendung von Hyaluronsäure, mit der man wieder „ganz natürlich entspannt sowie unangestrengt freundlich und lebensfroh aussehen“ kann. Allerdings drohe bei Fehlanwendung „die Gefahr des sogenannten künstlichen Joker-Lächelns“. Nach einem Jahr Merkel fänd ich den Joker gar nicht verkehrt.

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