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Messerstecher vom Campingplatz psychisch krank 

Kein Mordversuch Messerstecher vom Campingplatz psychisch krank 

Der Beschuldigte ist eindeutig psychisch krank, und er ist weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit. Deshalb sei „eine stationäre Behandlung zwingend erforderlich“. Das hat Georg Stolpmann gesagt, psychiatrischer Sachverständiger im Prozess gegen den 36 Jahre alten Mann aus Reiffenhausen, der im Sommer auf dem dortigen Campingplatz einem Camper von hinten einen spitzen Gegenstand, vermutlich ein Messer, in den Hals gerammt haben soll (Tageblatt berichtete).

Gestern hatte das Gutachten des Psychiaters bereits erste Folgen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-Jährigen nicht mehr versuchten Mord vor. Das Mordmerkmal der Heimtücke, so hieß es im Plädoyer, sei nicht erfüllt. Zwar sei das im Dunkeln überraschend von hinten angegriffene Opfer arg- und wehrlos gewesen, jedoch hätte, um heimtückisch zu handeln, der Täter sich dieser Tatsache auch bewusst sein müssen. Der Beschuldigte aber habe offenbar im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Für ihn habe es keinen Unterschied gemacht, in welcher Situation das Opfer sich gerade befand. Deshalb also kein Mord-, lediglich ein Totschlagsversuch.

Gleichwohl beantragte Staatsanwältin Karin von Sievers die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt. Beide Vorwürfe, der Angriff gegen einen Professor in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Uni-Klinikums sowie der gegen einen Camper, halte sie für eindeutig erwiesen.

Der 36-Jährige leidet laut Gutachten unter einer Psychose. Er höre Stimmen, die ihn kommentieren, ihn beschimpfen oder ihm befehlen. Dass er im Klinikum beschimpft worden sei, glaube er wirklich, auch wenn niemand etwas gesagt habe. Er glaubt, er werde von außen manipuliert, werde durch einen ihm implantierten GPS-Sender ferngesteuert. Im Frühjahr und Sommer 2010, als er seine Medikamente nicht mehr nahm, zeigte er in fünf Fällen angebliche Straftaten bei der Polizei Friedland an: Einbrecher seien im Haus gewesen, hätten an seiner Winterjacke Fäden gezogen, Schokolade im Backofen verschmiert und in einem Fall auf seinen Gartenzwerg geschossen, weil der versucht habe, Diebe am Kartoffelklauen zu hindern.

Die Diagnose, so Stolpmann, sei in dem Fall einfach, medikamentöse Behandlung wirke gut. Der Patient sei aber nicht krankheitseinsichtig. Zur Tatzeit sei er im ersten Fall sicher, im zweiten höchstwahrscheinlich steuerungs-, also juristisch schuldunfähig gewesen. Nur seine angebliche Amnesie für die zweite Tat nimmt auch der Psychiater ihm nicht ab.

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