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Mit Busfahrschein bis vor die Haustür

Anruf-Sammeltaxi Mit Busfahrschein bis vor die Haustür

„Guten Abend, Herr Gückel. Wir können schon fahren, heute sind wir allein.“ Der Taxifahrer kennt den Weg. Dass er seine Fahrgäste, die er nie zuvor sah, mit Namen begrüßt, ist ein freundlicher Gag.

Vor einer Dreiviertelstunde habe ich mich mit Namen und Zielort beim Anruf-Sammeltaxi (AST) gemeldet – in dieser Nacht als einziger, der in das kleine Dorf im Südkreis will. 15 Minuten später setzt er mich direkt vor der Haustür ab. Ich zahle mit dem Busfahrschein plus 2,90 Euro Komfortaufschlag. So billig kommt man sonst mit keinem Taxi ins Dorf.

Das Anruf-Sammeltaxi ist ein Erfolgsmodell. Statt zu später Stunde teure Busse beinahe leer durch den Landkreis zu schicken, fährt das Taxi nur nach Bedarf. Wer sich vorher anmeldet und zur rechten Zeit am Fahrsteig steht, kommt sicher nach Hause. Die Taxiunternehmen kombinieren aus den Anmeldungen Touren, die bis zu acht Fahrgäste (Großraumtaxi) zusammenfassen. Wer als letzter aussteigt, quittiert die Fahrt für die Abrechnung mit den Gemeinden. Bezahlt wird mit einem normalen Busfahrschein (alternativ mit dem Preis dafür), der Monats- oder Schülerkarte. Hinzu kommt – je nach Entfernung – ein Komfortzuschlag für die Fahrt bis vor die Haustür in der Höhe von 1,05 bis maximal 2,90 Euro.

1000 Fahrgäste monatlich

So kommt für höchstens 8,70 Euro nach Lichtenhagen, Weißenborn oder Atzenhausen, wer für ein normales Taxi mehr als 30 Euro zahlen würde. Die Kostendifferenz zum normalen Taxipreis tragen die beteiligten Gemeinden, mit denen monatlich abgerechnet wird. Die Gemeinde Friedland etwa zahlt im Jahr rund 8000 Euro. Die Betriebskosten einer abendlichen Buslinie lägen viel höher.

Den Komfort für ihre Bürger, nachts sicher von Göttingen aufs Dorf zu kommen, leisten sich außer den Städten Duderstadt und Hann. Münden sämtliche Gemeinden. Auch Nörten-Hardenberg. Die meisten Nutzer hat anteilig die flächenmäßig sehr große Gemeinde Gleichen. Monatlich 900 bis 1100 AST-Gäste, so rechnet Jürgen Alexander von der RBB vor, nutzen das Angebot. Meist sind es junge Leute, aber auch Arbeitnehmer, die von der Spätschicht kommen oder am Wochenende Kneipenbummler. Wichtigster Tag ist der Freitag. Im Sommer ist eher Flaute.
Anmelden muss man das Anruf-Sammeltaxi eine Stunde vor der Fahrt unter Telefon 05 51 / 3 40 34 bei der Taxizentrale. Die meisten Fahrten gehen vom Busbahnhof in Göttingen ab. Aber auch zu Stadthalle, Bürgerstraße, Neues Rathaus, Auditorium und Theaterplatz kann das AST bestellt werden. Ausschließlich Fahrten von Göttingen in den Landkreis sind möglich. Stündlich ab 20.30, bis 23.30 Uhr ist Abfahrt. An den Wochenenden auch bis 1.30 Uhr. Ob nach dem Bummel über den Weihnachtsmarkt oder nach der Disco – der sichere Heimweg ist garantiert. Nur bei den Fahrern gibt es offenbar zwei Fraktionen: die einen, die das System zu kompliziert finden und nur murrend akzeptieren, dass sie mit dem Busfahrschein bezahlt werden sollen, sowie die anderen, die wissen, dass die Fahrpreisdifferenz von den Gemeinden kommt und die den regelmäßigen, sicheren Auftrag mit dankbaren Fahrgästen schätzen. Mein freundlicher Fahrer gehört zu den letzteren.

Von Jürgen Gückel

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